Nach U-Bahn-Geisterfahrt: Bonner Stadtwerke rüsten nach

Bahnkabine der SWB

Nach U-Bahn-Geisterfahrt: Bonner Stadtwerke rüsten nach

Von Marius Reichert

Zwei Jahre ist die Geisterfahrt einer Straßenbahn in Bonn nun her. Danach entfachte eine Diskussion um die Sicherheit in deutschen U- und Straßen-Bahnen. Die Konsequenz: Alle Verkehrsbetriebe in NRW müssen ihre Bahnen umrüsten. Bonn ist damit schon verhältnismäßig weit. 

Bahntechniker Stefan Schumacher macht den großen Test: Klappt die neue Technik, die Vorfälle wie die Geisterfahrt verhindern soll? „Es sind neue Abläufe, man muss sich daran gewöhnen. Aber es ist wie beim Autofahren - irgendwann ist es ein Automatismus“, erklärt er. Mit der neuen Technik, auch Sicherheitsfahrschaltung genannt, müssen sich nun alle Fahrerinnen und Fahrer in NRW auseinandersetzen. 

Stopp nach 15 Sekunden

Sifa-Button

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Sie müssen nun regelmäßig einen Hebel betätigen oder ein Pedal loslassen und wieder durchdrücken. Passiert das nicht, ertönt ein lautes Signal in der Fahrerkabine. Außerdem leuchtet eine neue Lampe in gelb auf. Kommt es noch immer zu keiner Reaktion, bremst die Bahn automatisch ab - nach 15 Sekunden. „Es handelt sich dabei um eine Bremsung, die keine Fahrgäste gefährdet“, erklärt Stefan Schumacher. Sie soll verhindern, dass Unfälle passieren, weil Fahrpersonal plötzlich ohnmächtig wird und nicht mehr handlungsfähig ist. 

Geisterfahrt als Auslöser

Hintergrund ist die Geisterfahrt einer Stadtbahn der Linie 66 vor zwei Jahren. Damals, kurz vor Weihnachten, war der Fahrer bewusstlos geworden. Die Bahn überfuhr führerlos acht Haltestellen und wurde später von Mitfahrenden angehalten. Verletzt wurde niemand. Gegen den Fahrer wurde im Nachgang ermittelt. Er soll seinem Arbeitgeber eine Erkrankung verheimlicht haben. Er arbeitet mittlerweile nicht mehr als Bahnfahrer. 

Nach dem Vorfall hatte die Technische Aufsichtsbehörde (TAB) der Bezirksregierung Düsseldorf entschieden, dass alle Bahnen in NRW umgerüstet werden müssen.

Softwareupdate und Umbau 

Die Bonner Stadtwerke müssen insgesamt 76 Bahnen umrüsten. Bei neuen Bahnen ist die Sicherheitsfahrschaltung bereits ab Werk verbaut. Inzwischen sind laut Stadtwerke über 50 Prozent der Stadtbahnen umgerüstet und es folgen täglich weitere, so dass der Umbau bis Ende des Jahres abgeschlossen sein soll. In manchen Fällen reicht es aus, ein Softwareupdate aufzuspielen. Bei älteren Bahnen müssen neue Knöpfe verbaut und neue Schaltungen eingesetzt werden. Die Kosten liegen laut Stadtwerken bei mehreren hunderttausend Euro.

Stand: 07.12.2021, 08:00

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