Brustimplantate: TÜV Rheinland soll Schadenersatz zahlen

Ein plastischer Chirurg zeigt zwei Brustimplantante, die er einer Patienten wieder entnommen hat.

Brustimplantate: TÜV Rheinland soll Schadenersatz zahlen

Von Jens Gleisberg

Im Skandal um minderwertige Brustimplantate muss der TÜV Rheinland Schadenersatz an hunderte Klägerinnen zahlen. Ein Berufungsgericht in Paris stellte eine Mitverantwortung des Prüfunternehmens fest.

Wie hoch letztlich die Schadenersatzsumme sein wird, wird erst im September festgelegt. Ein Opferverband rechnet mit mehreren zehntausend Euro pro Klägerin. Ihnen ist, wie rund 300.000 Frauen weltweit, in den Jahren 2001 bis 2010 minderwertiges Industriegel in Implantaten eingesetzt worden, statt des eigentlich zugelassenen hochwertigem Silikons. Nachdem die Brustimplantate in vielen Fällen rissen, wurde der Betrug offensichtlich und die Firma Poly Implant (PIP) dichtgemacht.

Widerspruch wird geprüft

Der TÜV hatte zuvor das Qualitätsmanagement von PIP und die Produktionsweise zertifiziert, allerdings sei eine Begutachtung der Produkte nicht Teil des Auftrages gewesen, betont das Kölner Prüfunternehmen. Es sieht sich selbst als Opfer des betrügerischen Managements von PIP.

In mehreren Gerichtsverfahren ist der TÜV von einer Mitschuld freigesprochen worden, in zwei Teilverfahren, wie jetzt in dem Pariser Urteil, allerdings zu Schadenersatz verpflichtet worden. Der TÜV will nun die 280 Seiten lange Urteilsbegründung auswerten. Erst danach werde entschieden, ob Widerspruch vor dem französischen Kassationsgerichtshof eingelegt wird.

Stand: 20.05.2021, 13:24