Zu sehen ist der Troisdorfer Güterbahnhof. Schilder warnen vor Stromschlägen und verbieten das Klettern auf Zügen.

Tod in Troisdorf: Eltern kämpfen für mehr Sicherheit an Güterbahnhöfen

Stand: 06.07.2022, 10:17 Uhr

Vor zehn Monaten haben Anna und Thomas Dreischhoff ihren Sohn Maximilian verloren. Ende August erlitt der 14-Jährige einen tödlichen Stromschlag, als er im Troisdorfer Güterbahnhof auf einen Waggon kletterte.

Von Christoph Hensgen

Seit diesem Tag im Sommer 2021 bestimmt Trauer das Leben der Familie. Trauer und Wut. Wut darüber, dass die Deutsche Bahn den Güterbahnhof Troisdorf nicht ausreichend sichert, so die Eltern. Sie fordern die Bahn zum Handeln auf. Und kämpfen dafür, dass Güterbahnhöfe sicherer gemacht werden – nicht nur in Troisdorf.

Immer wieder schauen Anna und Thomas Dreischhoff sich ein Foto-Buch mit Gedichten an, die der Vater für seinen Sohn geschrieben hat. Zur Bewältigung seiner Trauer. Er wirkt dabei gefasst, sehr kontrolliert. Doch seine Stimme fängt an zu zittern, als er seinen Sohn beschreibt. „Maximilian war ein sehr lebensfroher Junge. Selbstbewusst. Er war mutig, hatte einen starken Willen – war aber auch gefühlvoll, liebevoll.

Stromschlag: Maximilian stirbt bei Selfie auf Waggon

Der Troisdorfer Güterbahnhof wird zum Unfallort, man sieht Feuerwehr und Polizei, die im Einsatz sind.

Der Unfallort

An einem Sonntagnachmittag im August kommt Maximilian mit einem Freund zum Troisdorfer Güterbahnhof. Und klettert auf einen der Waggons, um ein Selfie zu machen. Dort erfasst ein so genannter Lichtbogen aus Strom den 14-Jährigen, ein tödlicher Schlag von 15.000 Volt. Es ist hier schon das dritte tödliche Unglück dieser Art innerhalb von nur vier Jahren. Maximilians Eltern wollen jetzt andere vor dieser Gefahr schützen. Das leer stehende Bahnhofsgebäude habe eine große Anziehungskraft auf Jugendliche, sagen sie – und erheben Vorwürfe.

Bahn soll Güterbahnhof einzäunen

Die Bahn habe das Gebäude zwar verriegelt. Habe Warnschilder und -banner angebracht. Aber das sei zu wenig. „Die Banner hängen zu hoch“ sagt Thomas Dreischhoff und zeigt auf einen Pfad, der durch Büsche führt. „Kinder können schon hier auf die Gleise, sehen die Banner dann nur von hinten. Hier muss ein Zaun her.

Die Bahn erwidert, dass das stillgelegte Gebäude noch dieses Jahr abgerissen werden solle und Mitarbeitende Kinder vom Gelände verweisen würden. Aber: Einzäunen könne man das eigene Streckennetz von insgesamt 34.000 Kilometern Länge nicht. „Das verlangt ja auch niemand“, kontert Maximilians Vater. „Aber Plätze wie dieser hier, von denen bekannt ist, dass Gefahr ausgeht, muss die Bahn einzäunen. Und da muss auch die Stadt, der Staat Druck ausüben.“

Man sieht einen Güterzug bei Nacht.

Bereits 2018 verunglückte ein Jugendlicher am Troisdorfer Güterbahnhof

Drei Jugendliche in vier Jahren, die am Troisdorfer Güterbahnhof auf Waggons klettern und durch Stromschläge sterben. Möglicherweise auch deshalb, weil sie sich der großen Gefahr nicht bewusst sind. Schon aus 1,50 Metern kann der Strom überspringen. Dafür müssen die Leitungen nicht einmal berührt werden. Das müsse ins Bewusstsein aller.

Aufklärung soll Teil des Unterrichts werden

Ministerien müssen das in Lehrpläne aufnehmen, müssen diese Aufklärung zum Teil des Schulunterrichts machen. Damit alle Kinder wissen, wie gefährlich es ist, nur in die Nähe von solchen Stromleitungen zu kommen“, sagt Anne Dreischhoff. Alle zwei Tage besucht sie mit ihrem Mann Maximilians Grab. In der Europaschule bringt die Mutter ukrainischen Flüchtlingen Deutsch bei. Sieht dann immer ehemalige Lehrer und Mitschüler ihres Sohnes. „Aber ihn kann ich da nicht sehen“, klagt Maximilians Mutter am Grab. „Ihn sehe ich nur hier...

Tödlicher Stromschlag Troisdorf

00:30 Min. Verfügbar bis 06.07.2023


Über dieses Thema berichten wir am 06. Juli 2022 im WDR Fernsehen: Lokalzeit aus Bonn, 19:30

Über dieses Thema haben wir am 06. Juli 2022 bei WDR 2 berichtet: Lokalzeit Bonn, 06:31 Uhr