Transatlantische Krebsbehandlung an der Uniklinik Köln

Transatlantische Krebsbehandlung an der Uniklinik Köln

Stand: 08.04.2022, 06:30 Uhr

Die Kölner Uniklinik erprobt eine neue Behandlungsmethode im Kampf gegen den Krebs. Dafür müssen die Blutzellen per Flugzeug nach Boston in den USA geflogen werden.

Von Frank Piotrowski

Für Thomas Tillmann aus Rösrath ist dieser Behandlungsversuch im Rahmen einer internationalen Studie die letzte Hoffnung, noch ein Paar Jahre zusätzliches Leben zu gewinnen. Der 58-jährige frühere Außendienstler und Hobbymusiker erkrankte an Kopf-Hals-Krebs. Der hat Metastasen gebildet und die konnten weder durch OP, Bestrahlung oder Chemotherapie beseitigt werden.

Das Bettenhaus der Uniklinik Köln.

Die Ursache für seinen Krebs ist ein Virus. Das Papillomavirus (HPV), das auch dafür bekannt ist, bei Frauen Gebärmutter-Hals-Krebs zu verursachen. Die Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Kopf-Hals-Chirugie der Kölner Uniklinik gehört zu den international führenden Forschungseinrichtungen weltweit, die sich mit den humanen Papillomaviren beschäftigen und neue Behandlungsmethoden entwickeln.

Unter der Leitung von Klinikdirektor Prof. Jens Peter Klußmann will man jetzt versuchen, mit einer neuen vielversprechenden Behandlungsmethode die HPV-Viren auszuschalten. Die Therapie erfolgt gemeinsam mit dem Oberarzt Dr. Udo Holtick aus der der Klinik für Innere Medizin der Kölner Uniklinik, die führend bei der Erforschung und Behandlung einer ganzen Reihe von Krebsarten ist.

Blutzellen fliegen einmal in die USA und zurück

Transatlantische Krebsbehandlung

Im Bostoner Labor wird mit den Krebszellen der Kölner Patienten gearbeitet.

Vor drei Wochen wurden aus dem Blut von Thomas Tillmann Milliarden von weißen Blutkörperchen mit einem medizinischen Spezialgerät gefiltert. Ein nicht ungewöhnlicher Vorgang bei der Krebsbehandlung. Doch diesmal wurden diese Blutzellen direkt nach Entnahme in eine Kühlbox gesteckt und zum Flughafen nach Frankfurt gefahren. Dort stieg ein Kurier in die Kabine einer Linienmaschine nach Boston und brachte die Zellen zu einer Biotech-Firma. Das amerikanische Unternehmen hat eine Technik entwickelt, bei der Blutzellen durch eine sehr kleine Röhre gequetscht und mit Bestandteilen des HPV-Virus beladen werden.

Training für das Immunsystem

Transatlantische Krebsbehandlung

Bisher gibt es diese Art der Behandlung nur im Rahmen einer internationalen Studie. Es ist die erste Stufe zur Entwicklung einer neuen Behandlungsmethode. Die Verarbeitung der Blutzellen soll das Immunsystem trainieren, denn das ist manchmal ein bisschen träge und übersieht Krebszellen. Mit Einsetzen von HPV-Virusbestandteilen in die Blutzellen wird dem Immunsystem klar gemacht, das HPV--Viren der Feind sind und dass Zellen mit HPV-Bestandteilen bekämpft werden müssen. Die Reinfusion der eigenen Blutzellen nach Bearbeitung wirkt wie eine Impfung.

80 Patienten können weltweit an dieser Studie teilnehmen. Voraussetzungen ist, dass ihre Erkrankung bestimmte Kriterien erfüllt. Auch Patienten mit Gebährmutter-Hals-Krebs, bei denen HPV die Ursache ist, könnten perspektivisch behandelt werden. In Europa sind nur die Unikliniken in München und Köln an der Studie beteiligt. In Köln können noch weitere Patienten aufgenommen werden, sagt Klinikdirektor Prof. Jens Peter Klußmann.

Erste Behandlung abgeschlossen

Für Thomas Tillmann trafen am Mittwochmorgen die bearbeiteten Zellen aus Boston ein. Nächste Woche bekommt er eine weitere Gabe. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob die Tumore aufgehört haben zu wachsen. Das wäre schon ein Erfolg. Im Idealfall schrumpfen sie sogar. Überprüft wird das mit CT und MRT. Thomas Tillmann  hofft, dass er es so noch erleben kann, wenn seine Tochter an der Uni Ihren zweiten Master macht.