Angriff auf Krefelder - mutmaßlicher Islamist wurde am Tag der Tat observiert

Angriff auf Krefelder - mutmaßlicher Islamist wurde am Tag der Tat observiert

Nach dem Messerangriff auf zwei Touristen aus NRW in Dresden geht die Bundesanwaltschaft von einem radikal-islamistischen Hintergrund aus. Er sei auch am Tag der Tat observiert worden.

Zu dem Attentat in Dresden auf zwei Männer aus NRW hat sich auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) geäußert. Er sprach am Mittwoch von einem "offenbar radikal-islamistischen Hintergrund". Seehofer betonte: "Die Tat führt uns erneut die Gefährlichkeit islamistischer Gewalt vor Augen."

Messer am Tatort gefunden

Das Opfer, ein 55-jähriger Krefelder, war vor etwas mehr als zwei Wochen mit einem 53-jährigen Mann aus Köln in Dresden unterwegs, als beide von einem Mann angegriffen wurden.

Die Touristen wurden schwer verletzt, der Krefelder starb im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Am Tatort war ein Messer gefunden worden.

Bundesanwaltschaft ermittelt

Dresden: Ein Kriminaltechniker stellt ein Messer am Tatort sicher.

Dresden: Ein Kriminaltechniker stellt ein Messer am Tatort sicher.

Der Tatverdächtige, ein 20-jähriger Syrer, konnte anhand von Spuren identifiziert werden. Er war am Dienstagabend gefasst worden und sitzt jetzt in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen.

Seit 2015 wird der Mann in Deutschland geduldet. Vor zwei Jahren war er in Dresden zu einer Jugendstrafe veurteilt worden, weil er Werbung für das Terrornetzwerk Islamischer Staat gemacht hatte. Erst Ende September war er aus der Haft entlassen worden.

Das sächsische Landeskriminalamt hatte den 20-Jährigen als "Gefährder" eingestuft. So bezeichnet die Polizei Menschen, denen sie auch die Organisation von Terroranschlägen zutraut. Für syrische Staatsangehörige gibt es in Deutschland derzeit einen Abschiebestopp.

Verdächtiger wurde auch am Tag der Tat observiert

Am Donnerstag kam heraus, dass der Tatverdächtige auch am Tag der Tat observiert worden war. Zum genauen Zeitpunkt wurden bei einer Pressekonferenz keine Angaben gemacht.

Es sei "sehr bitter", wenn man heute feststellen müsse, dass trotz dieser Maßnahmen die schreckliche Tat nicht verhindert werden konnte, sagte Dirk-Martin Christian, Chef des Landesverfassungsschutzes, in Dresden. Eine Rund-um-die-Uhr Bewachung sei rechtlich möglich, aber nicht vorgesehen gewesen.

Opferbeauftragte der Bundesregierung bietet Hilfe an

Zuvor hatte der Opferbeauftragte der Bundesregierung, Edgar Franke, den Hinterbliebenen des Getöteten und dem bei der Tat Verletzten Unterstützung angeboten: "Die Bundesregierung wird für die Opfer dieser entsetzlichen Tat da sein, wenn nötig auch noch lange nach der Tat. Wir werden versuchen zu helfen, wo immer es geht."

Der Opferbeauftragte kann Betroffene terroristischer Straftaten insbesondere durch Vermittlung psychologischer, sozialer und praktischer Hilfen unterstützen.

Stand: 22.10.2020, 15:14