Toter nach Festnahme in Wuppertal: Fall beschäftigt NRW-Landtag

Wuppertal: 25-jähriger Mann stirbt in Polizeigewahrsam Lokalzeit Bergisches Land 08.11.2021 28:33 Min. Verfügbar bis 09.11.2022 WDR Von Rüdiger Knössl

Toter nach Festnahme in Wuppertal: Fall beschäftigt NRW-Landtag

Der Tod eines 25-Jährigen auf einer Polizeiwache in Wuppertal beschäftigt nun auch den Innenausschuss in NRW. Der zuständige Oberstaatsanwalt spricht von einer Tragödie.

Der Mann war bereits am vergangenen Montag (01.11.2021) in einer Polizeizelle verstorben. Der Fall hatte vor allem deswegen bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, weil es erst auf Nachfragen von Journalisten, die auf ein Video der Festnahme im Netz gestoßen waren, eine entsprechende Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft gegeben hatte.

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Am Donnerstag (11.11.2021) wird der Fall auch den Innenausschuss des NRW-Landtags beschäftigen. Die SPD-Fraktion hat eine Aktuelle Viertelstunde beantragt. Sie will die Frage klären, warum die Meldung der Behörden erst eine Woche nach dem Tod des jungen Mannes veröffentlicht wurde.

Bewusstlos nach Blutentnahme

Polizisten hatten den 25-Jährigen nach einem Streit in einem Taxi festgenommen. Dabei soll er eine Beamtin angegriffen und randaliert haben. Auf der Wache sei er weiter aggressiv gewesen. Wegen Verdachts auf Drogen wurde ihm dann eine Blutprobe von einem Arzt entnommen. Dabei soll der Mann das Bewusstsein verloren haben.

Polizei: Keine Hinweise auf Gewalteinwirkung

Der anwesende Arzt sowie ein Notarzt sollen versucht haben, den Mann zu reanimieren - ohne Erfolg. Eine Obduktion des Verstorbenen habe keine Hinweise auf eine Gewalteinwirkung ergeben. Stattdessen könnten der Drogenkonsum und Vorerkrankungen zum Tod geführt haben.

Die Ermittlungen zu dem Todesfall führt das Polizeipräsidium Hagen, um Neutralität zu gewährleisten. Das Verfahren richte sich nicht gegen die eingesetzten Polizeibeamten, so die Staatsanwaltschaft. Sie ermittelt gegen eine unbekannte Person, welche dem verstorbenen jungen Mann die Drogen gegeben haben soll.

Oberstaatsanwalt spricht von Tragödie

Portrait Oberstaatsanwalt Wolf Tilman Baumert

Oberstaatsanwalt Wolf Tilman Baumert (Archivbild)

Am Montag erklärte Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert, der Verstorbene sei im Vorfeld nie mit der Polizei aneinandergeraten. Er habe "offensichtlich einmal im Leben einen schweren Fehler gemacht. Und der bestand darin, Drogen zu nehmen. Und wenn das zum Tod führt und dann auch noch unter solchen Umständen, dass man vorher noch massiv randaliert, nämlich auf die eigene Schwester losgeht. Dann ist das etwas, das eine persönliche Tragödie darstellt."

So eine Tragödie, Baumert weiter, habe seiner Meinung nach "nicht von Anfang an an die Medien gegeben werden" müssen.

Demonstration am Sonntag

Am Sonntag (07.11.2021) versammelten sich zudem knapp 75 Teilnehmer am Döppersberg und zogen zum Landgericht. Sie protestierten gegen Polizeigewalt und die Informationspolitik der Ermittler in dem Fall. Nach Polizeiangaben gab es bei der Demonstration keine besonderen Zwischenfälle.

Stand: 09.11.2021, 09:51

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