Getötete Kinder in Solingen - so spreche ich mit meinem Kind darüber

Mutter mit Tochter

Getötete Kinder in Solingen - so spreche ich mit meinem Kind darüber

Fünf Kinder, die tot in einer Wohnung in Solingen aufgefunden wurden. Was sollten Eltern ihren eigenen Kindern darüber erzählen? Und welche Menschen sind zu solch einer Tat überhaupt in der Lage?

Die Nachricht verbreitete sich am Donnerstagnachmittag rasend schnell: Fünf kleine Kinder, die tot in einer Wohnung in Solingen aufgefunden wurden. Tatverdächtig ist die 27-jährige Mutter.

Noch ist vieles unklar - doch klar ist: Das Schicksal der Geschwister lässt niemanden kalt. Es löst Trauer, Entsetzen und Unverständnis aus. Auch bei Kindern, die die grausige Tat im Radio, im Fernsehen oder Online mitbekommen haben. Wie können Eltern darauf reagieren? Und welcher Mensch ist eigentlich zu solch einer Tat überhaupt in der Lage?

"So offen wie möglich"

"Vorsichtig darüber mit den Kindern ins Gespräch kommen", rät Gregor Hergarten, Diakon und Notfall-Seelsorger im Erzbistum Köln. "Mein Ansatz ist immer: Mit den Kindern so offen wie möglich darüber zu sprechen, nicht zu versuchen, zu beschönigen oder abzutun, sondern wirklich die Fragen der Kinder, die ja dringende Fragen sind, aufzugreifen."

Wichtig sei es auch, die Kinder in der Folgezeit gut zu beobachten, was sie möglicherweise anders tun als vorher, sagte Hergarten dem WDR. Kindern solle die Möglichkeit gegeben werden, etwas Gutes für sich zu tun. Kleinkinder könnten beispielsweise etwas malen.

Was Eltern in keinem Fall tun sollten

Die Düsseldorfer Kinderpsychologin Dr. Viktoria Krassilschikov rät Eltern ebenfalls, sich Zeit zu nehmen und auf die konkreten Fragen ihrer Kinder einzugehen. Dabei sei es durchaus angebracht, das eigene Unverständnis zu äußern. Zu sagen, dass man auch als Mutter oder Vater das Geschehen nicht nachvollziehen könne.

Was Eltern auf keinen Fall tun sollten: "Von sich aus auf das Geschehen in Solingen zu sprechen kommen", sagt Krassilschikov dem WDR. Wenn das eigene Kind nicht selbst das Thema anschneidet, sollten es Mütter und Väter ebenfalls nicht tun - um nicht unnötig die Aufmerksamkeit des Kindes auf ein Ereignis zu lenken, das es womöglich zu stark psychisch belastet.

Was sind die Täter für Menschen?

Unweigerlich kommt einem der Gedanke, dass Menschen, die zu so einer Tat in der Lage sind, hart und gefühlskalt sind. Doch das muss nicht zwangsläufig so sein sagt die Psychologin Prof. Ulrike Zähringer von der Hamburger Polizeihochschule: "Oft haben solche Menschen ein fast symbiotisches Verhältnis zu ihren Kindern. Sie machen das aus Mitgefühl, weil sie glauben, dass es vermeintlich das Beste für die Kinder ist. Eine solche Täterin hat den Eindruck, sie tue den Kindern damit einen Gefallen. Es wäre schlechter, sie in dieser Welt zurückzulassen", erläutert die Pysychologin im Gespräch mit WDR 2.

Haben Sie Suizidgedanken? Hier gibt es Hilfe

Wer sich mit Suizidgedanken trägt, empfindet seine persönliche Lebenssituation als ausweglos. Doch es gibt eine Fülle an Angeboten zur Hilfe und Selbsthilfe, auch anonym.

Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge ist unter den Rufnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 sowie 116 123 rund um die Uhr erreichbar. Sie berät kostenfrei und in jeder Hinsicht anonym. Der Anruf hier findet sich weder auf Ihrer Telefonrechnung noch im Einzelverbindungsnachweis wieder.

Menschen muslimischen Glaubens können sich an das muslimische Seelsorgetelefon wenden. Es ist ebenfalls kostenfrei und anonym 24 Stunden am Tag unter der Rufnummer 030/44 35 09 821 zu erreichen.

Chat der Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge bietet Betroffenen auch die Möglichkeit an, sich Hilfe per Chat zu holen. Dazu meldet man sich auf deren Webseite an.

E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge

Menschen mit Suizidgedanken können sich auch an die E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge wenden. Der E-Mail-Verkehr läuft über die Webseite der Telefonseelsorge und ist deshalb nicht in Ihren digitalen Postfächern zu finden.

Anlaufstellen für Opfer von häuslicher Gewalt

Das Hilfetelefon ist anonym, kostenfrei und rund um die Uhr unter 08000 116 016 erreichbar.

Der Weiße Ring bietet ebenfalls einen anonymen Telefondienst unter 116 006 sowie eine Online-Beratung.

Überblick auf Hilfsangebote

Darüber hinaus hat die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) zahlreiche Informationen zu Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und sozialpsychiatrischen Diensten aufgelistet, an die sich Suizidgefährdete und Angehörige wenden können, um Hilfe zu erhalten. Entsprechende Informationen finden Sie unter nachfolgendem Link.

Stand: 04.09.2020, 09:17