Wuppertal: Bildhauer Tony Cragg wird 70

Tony Cragg wird 70 Lokalzeit2go - Bergisches Land 09.04.2019 03:12 Min. Verfügbar bis 09.04.2020 WDR Wuppertal

Wuppertal: Bildhauer Tony Cragg wird 70

  • Cragg will völlig neue Formen schaffen
  • Skulpturen oft tonnenschwer
  • Skulpturenpark als größtes Projekt

Documenta-Teilnehmer, Gewinner des renommierten britischen Turnerpreis, Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie - Tony Cragg hat schon vieles erreicht. Am Dienstag (9. April 2019) wird der Brite 70 Jahre alt.

Cragg will völlig neue Formen schaffen

Der Wahl-Wuppertaler ist berühmt für seine raumgreifenden Skulpturen. So berühmt, dass das Ranking "Kunstkompass" ihn auf Platz acht der weltweit einflussreichsten Künstler setzte.

Ob aus Stahl, Bronze, Kunststoff, Glas, Stein oder Holz - Craggs Kunstwerke regen die Fantasie des Betrachters an. Denn seine Skulpturen ähneln häufig keiner bekannten Struktur. Das macht er mit Absicht: Cragg geht es darum, völlig neue Formen zu schaffen, denn die Alltagswelt ist "langweilig, geometrisch und ohne Bedeutung", findet er selbst.

Zeigen, was es nicht gibt. Tony Cragg in Wuppertal

Von Thomas Köster

Es gibt schon zu viel Müll auf der Welt: vor allem ästhetisch. Der in Wuppertal lebende Bildhauer Tony Cragg will den schlechten Farben und faden Formen in unserem Alltag deshalb Neues, nie Gesehenes entgegenstellen. In seinem Skulpturenpark Waldfrieden zeigt er  jetzt spektakuläre neue Arbeiten.

Tony Cragg im Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal 2019

Die Wesen von "Lost in Thought" hätten ihr eigenes inneres Leben, sagt Cragg. Sie seien "ein bisschen so, wie wir Menschen sind, mit ihren Schutzschichten aus Klamotten, Konventionen und dem Ziel, nie zu sagen, was wir denken oder fühlen." Um das zu verstehen, muss man die Skulptur, wie auch alle anderen, einfach nur umrunden.

Die Wesen von "Lost in Thought" hätten ihr eigenes inneres Leben, sagt Cragg. Sie seien "ein bisschen so, wie wir Menschen sind, mit ihren Schutzschichten aus Klamotten, Konventionen und dem Ziel, nie zu sagen, was wir denken oder fühlen." Um das zu verstehen, muss man die Skulptur, wie auch alle anderen, einfach nur umrunden.

... wenn man den Ausstellungspavillion verlässt und einfach einmal durch das herrlich idyllische Anwesen des Skulpturenparks mit seinen Kastanien, Linden, Robinien, Ahorn, Lärchen, Eichen und Buchen schlendert.

34 Skulpturen in Arbeit

Die Kunst ist hingegen ein "Portal" für Cragg. Momentan arbeitet er an 34 Skulpturen. An einigen bereits seit vier Jahren. "Die werden wahrscheinlich nie fertig werden", gibt Cragg zu. Manche hat er aber gerade erst gezeichnet. Besonders aufregend sei der Moment, wenn der gezeichnete Entwurf dann zu einem ersten Modell werde.

Wenn seine Kunstwerke dann fertig sind, braucht es häufig einen Sattelschlepper oder sogar einen Kranwagen. So wie für die Figur "Contradiction" oder "Widerspruch", die Cragg für den Mailänder Dom geschaffen hat: sie ist drei Meter hoch und mehr als drei Tonnen schwer.

Skulpturenpark als Langzeit-Projekt

Zwei Skulpturen auf einer Wiese

Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal

Sein größtes Projekt steht aber trotzdem in Wuppertal: der zwölf Hektar große, verwilderter Skulpturenpark "Waldfrieden" wurde 2008 eröffnet. Dort sind nicht nur seine eigene Arbeiten, sondern auch Werke von anderen, international renommierten Bildhauern ausgestellt.

Tony Cragg hatte 2006 die einstige Villa eines Lackfabrikanten erworben. In dem Park wachsen 50 verschiedene Baumarten. Auf dem ehemaligen Swimmingpool hat Cragg einen gläsernen Ausstellungspavillon errichtet. Hinzu kommen verschiedene Freilicht-Skulpturen, ab Sommer auch vom baskischen Künstler Joan Miró.

"Es ist vielleicht zu viel"

Im Jahr 2018 erhielt Cragg auch den Landesverdienstorden Nordrhein-Westfalens. Er habe «die Kulturlandschaft NRW um große Schätze bereichert und das Land um ein gutes Stück bunter, vielfältiger und lebenswerter gemacht», hieß es bei der Verleihung.

Trotz all der erschaffenen und gesammelten Skulpturen: Auch nach 50 Jahren Bildhauerei hat Cragg noch nicht genug. "Es ist vielleicht zu viel, aber für mich nicht. Eigentlich reicht es noch lange nicht."

Stand: 08.04.2019, 15:39