Betonwand stürzt auf Auto: Gutachter soll Ursache klären

Betonwand stürzt auf Auto: Gutachter soll Ursache klären

Von Oliver Köhler und Ann-Marlen Hoolt

Nach dem Tod einer Frau auf der A3 bei Köln durch eine herabgestürzte Lärmschutzwand soll nun ein Gutachter im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Ursache für das Unglück herausfinden.

Warum ist am Freitag auf der A3 bei Köln-Dellbrück ein etwa fünf Tonnen schweres Betonteil einer Lärmschutzwand auf ein vorbeifahrendes Auto gestürzt und hat die Fahrerin getötet? Dieser Frage geht nicht nur die Polizei nach, sondern auch ein Gutachter. Er soll im Auftrag der Staatsanwalt klären, wie es zu dem Unglück kommen konnte.

Die Betonplatte war aus bislang ungeklärten Gründen auf einen Kleinwagen gestürzt. Die 66-jährige Fahrerin kam dabei ums Leben. Seit dem Unfall sind auf der Autobahn 3 im Kölner Osten aus Sicherheitsgründen in beide Fahrtrichtungen die rechten Fahrstreifen gesperrt.

Tausende Metallbügel und Schrauben im Fokus

Nach Angaben eines Baufachmanns, der an der Montage zahlreicher Lärmschutzwände beteiligt war, stehen bundesweit an vielen Autobahnabschnitten ähnliche Wände. Eine Überprüfung der Lärmschutzwände auf Standsicherheits sei enorm aufwändig, weil jedes etwa zwei bis vier Meter breite Schallschutzelement mit mindestens zwei Metallbügeln befestigt sei. Es müssten deshalb viele Tausend Metallbügel und Schrauben untersucht werden.

Kriminalpolizei ermittelt

Die Ermittlungen in dem Fall führt die Kölner Kriminalpolizei, da es kein "klassischer Verkehrsunfall" sei, so ein Sprecher. Es handele sich um ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren, bei dem auch geprüft werde, ob es sich um ein Tötungsdelikt handeln könnte, etwa aus Fahrlässigkeit.

Statiker prüfen Standfestigkeit

Notarzt an der Unfallstelle

Notarzt an der Unfallstelle

Nach dem Unfall zwischen dem Kreuz Köln-Ost und der Anschlussstelle Köln-Dellbrück am Freitagvormittag hatten Einsatzkräfte zunächst den Unfallort gesichert. Statiker mussten vor der Bergung die Standfestigkeit der betroffenen Lärmschutzwand prüfen, so ein Feuerwehrsprecher.

Erst danach konnte der Leichnam der 66 Jahre alten Frau aus dem völlig zerstörten Auto geborgen und der Unfallort geräumt werden. Auf der A3 bildete sich ein kilometerlanger Stau.

Sehr ungewöhnlicher Unfall

Die Verkleidungen von Lärmschutzwänden sind normalerweise fest verankert. Allein durch Verschleiß können sie sich nicht lösen. "Lärmschutzwände sind eigentlich gering beansprucht, sie tragen nur ihr Eigengewicht", sagte Heinrich Bökamp, Präsident der Ingenieurkammer Bau Nordrhein-Westfalen. Durch vorbeifahrende Lastwagen gebe es zwar immer eine leichte Sogwirkung, für die Sicherheit der Wände sei diese aber kein Risiko. "Einen solchen Fall haben wir in der Vergangenheit so noch nicht gehabt."

Regelmäßige Kontrollen

In Deutschland müssen Brücken und Lärmschutz regelmäßig kontrolliert werden. Alle sechs Jahre gibt es eine Hauptprüfung, drei Jahre danach eine einfache Prüfung. Für marode Bauteile gibt es in der Regel Anzeichen wie durchhängende Brücken oder schief stehende Wände.

Ob die Verkleidung einer Lärmschutzwand allerdings ordentlich verankert ist, können die Ingenieure nicht prüfen. Dafür müsste die Verkleidung für jede Prüfung entfernt werden.

Landtag befasst sich mit Unfall

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) erklärte, die Nachricht vom Unfalltod der Autofahrerin habe ihn "zutiefst erschüttert. Ich bin in Gedanken bei den Angehörigen der Verstorbenen."

Die SPD-Fraktion hat eine Aktuelle Viertelstunde beantragt, in der die Landesregierung über das Unglück selbst und den Zustand der Lärmschutzwände vor Ort und in ganz NRW berichten soll.

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Carsten Löcker, sagte, der Tod mache fassungslos. Er drückte der Familie und den Freunden des Opfers sein Beileid aus. "Wir sind es ihnen schuldig aufzuklären, wie es zu diesem schlimmen Unglück kommen konnte. Gleichzeitig müssen wir ausschließen, dass weitere Gefahr von den Lärmschutzwänden ausgeht."

Stand: 15.11.2020, 15:10

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