Kollege getötet: Bonner Polizist angeklagt

Das Bild zeigt einen Polizeibeamten in Uniform

Kollege getötet: Bonner Polizist angeklagt

Von Christioph Hensgen/ Jochen Hilgers

  • Staatsanwaltschaft Bonn klagt Polizisten an
  • Tatvorwurf: Fahrlässige Tötung
  • Kollege starb an Schussverletzung

Die Staatsanwaltschaft wirft dem angeklagten Polizeibeamten fahrlässige Tötung vor. Er soll sich laut Anklage am 26. November 2018 gemeinsam mit dem späteren Tatopfer als Beamter der Bereitschaftshundertschaft zunächst bei einem Schießtraining auf dem Gelände der Bundespolizei in Sankt Augustin befunden haben.

Dieses Training soll mit sogenannten "Rotwaffen" absolviert worden sein. Dabei handelt es sich um Trainingswaffen mit denen eine Schussabgabe nicht möglich ist. Nach der Rückkehr in das Polizeipräsidium am Nachmittag sollen sich der Angeklagte und das Opfer dann auf ein Schiesstraining mit scharfen Schusswaffen vorbereitet haben. Dafür mussten die Beamten sich umziehen und ihre scharfen Dienstwaffen holen.

Schuss mit scharfer Waffe abgegeben

Der Angeklagte hatte auf das spätere Opfer einen Schuss mit seiner scharfen Dienstwaffe abgeben. Er war in der irrtümlichen Annahme, es handele sich bei der verwendeten Waffe um eine "Rotwaffe". Der Kollege starb zwei Wochen später.

Schuss löste sich laut Schütze versehentlich

Der Schütze schwieg zunächst, hatte dann aber im Dezember über seinen Anwalt erklären lassen, dass sich der tödliche Schuss versehentlich gelöst hatte.

Prozess soll tatsächlichen Verlauf klären

Im bevorstehenden Prozess muss rekonstruiert werden, wie es überhaupt zur Schussabgabe kam. Es gibt aber keinen einzigen Zeugen. Schütze und Opfer waren alleine in dem Kellerraum des Bonner Polizeipräsidiums unweit des Trainingsbereichs. Im Verfahren wird es unter anderem darum gehen, ob der Angeklagte  die scharfe Pistole bei der Übung überhaupt hätte mit sich führen dürfen.

Nachwirkungen bis heute

Der tragische Vorfall im Bonner Polizeipräsidium wirkt dort bis heute nach. Kollegen aus der 13. Einsatzhundertschaft hatten unmittelbar danach psychologische Hilfe angefordert. Das 22-jährige Opfer, das wenige Tage nach der Schussabgabe starb, stammt aus einer Polizistenfamilie. Vater und Schwester sind aktive Polizisten bei unterschiedlichen Bonner Dienststellen. Zur Beisetzung des Opfers kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres waren hunderte Kollegen der nordrheinwestfälischen Polizei und NRW-Innenminister Herbert Reul nach Bonn gekommen.

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