AKW Tihange - Fahrplan für Ausstieg steht

AKW Tihange - Fahrplan für Ausstieg steht

Von Silvia Andler

Die Tage von Tihange 2 sind gezählt. Nun steht fest, dass der umstrittene Reaktor voraussichtlich im Februar 2023 endgültig abgeschaltet wird.

Obwohl es zuletzt immer wieder Gerüchte über mögliche Laufzeitverlängerungen gab: Die belgische Energieministerin Tinne Van der Straeten (Groen – Grüne Partei) hat einer politischen Delegation der Städteregion Aachen nun den Ausstieg zugesichert. Weder die Regierung, noch der Betreiber planten eine Laufzeit vom Atomreaktor Tihange 2 über 2023 hinaus.

Auch der Betreiber Engie-Electrabel hat nicht mehr vor, weiter in eine Laufzeit des Reaktors bei Lüttich zu investieren. Städteregionsrat Tim Grüttemeier und weitere Vertreter aus der Politik zeigten sich zufrieden. Sie waren vergangenen Dienstag nach Brüssel gefahren, um dort ihre Besorgnis hinsichtlich der störanfälligen belgischen Reaktoren auszudrücken.

Erneuter Besuch in Brüssel

Schon in den vergangenen Jahren waren die Aachener häufiger in die belgische Hauptstadt gefahren. Grüttemeiers Vorgänger etwa traf mit verschiedenen Parteien zusammen, um das Aus des umstrittenen Reaktors Tihange 2 zu erreichen. Eine Klage, die die Städteregion gegen den belgischen Staat, die Atomaufsicht und den Betreiber von Tihange 2 angestrengt hatte, wurde allerdings vom Gericht Erster Instanz in Brüssel abgewiesen.

Tim Grüttemeier übergibt Printen an die belgische Energieministerin, beide sehen mit OP-Maske in die Kamera

Die belgische Energieministerin Tinne Van der Straeten mit dem Aachener Städteregionsrat Tim Grüttemeier

Neue belgische Regierung, neue Ministerin

Die Sorgen der Deutschen nehme man ernst, so die neue belgische Energieministerin nun. Vor ihrer Berufung zur Ministerin war sie als Anwältin tätig und hat die Klage der Städteregion gegen Tihange 2 betreut. Sie kennt die Materie gut. Als Grünen-Politikerin hat sie außerdem eine klare Haltung zum Atomausstieg.

Reaktoren Doel 1 und 2 sollen länger laufen

Auch die Atomreaktoren Doel 1 und 2 bei Antwerpen waren bei dem Treffen Thema. Deren Laufzeit hatte die ehemalige belgische Regierung verlängert, ohne eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen. Das war unrechtmäßig, urteilte später ein EU-Gericht und mahnte an, die Prüfung nachzuholen. Aktuell läuft zu dem Thema eine öffentliche Befragung über Landesgrenzen hinweg.

Aachener Atom-Kritiker: "Gutes politisches Signal"

Die Städteregion hat ihre Stellungnahme dazu in Brüssel übergeben. Auch das Aachener Bündnis gegen Atomenergie hat sich an der öffentlichen Befragung beteiligt. Doel 1 und 2 hätten ein veraltetes Anlagendesign und damit ein erhöhtes Risiko für Störfälle, sagt der Sprecher des Bündnisses Jörg Schellenberg. Für die Stromversorgung in Belgien würden die Reaktoren nicht benötigt, das hätten Ausfälle in der Vergangenheit bewiesen. Dass Tihange 2 tatsächlich 2023 abgeschaltet würde, sei ein gutes politisches Signal.

Stand: 01.07.2021, 17:06