Kölner Kardinal Woelki zieht Konsequenzen nach "Missbrauchsgutachten"

Kölner Kardinal Woelki zieht Konsequenzen nach "Missbrauchsgutachten"

Von Celina de Cuveland

Das Erzbistum Köln hat nach monatelangem Streit ein Gutachten zum Umgang mit sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige und Schutzbefohlene vorgestellt. Hier gibt's eine Zusammenfassung und den Live-Ticker zum Nachlesen.

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Heute, 23 Uhr, im WDR Fernsehen die heute zu Ende gedrehte Doku: "Der Kardinal und die Missbrauchs-Akten". Es wurden Betroffene seit über einem Jahr begleitet.

Das Gutachten zum Umgang mit Verdachtsfällen sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige und Schutzbefohlene belastet die Leitung des Kölner Erzbistums schwer. Es verweist auch namentlich auf die Rolle von Leitungsmitgliedern.

Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner zelebriert ein Hochamt im Kölner Dom

Der inzwischen verstorbene frühere Erzbischof Joachim Kardinal Meisner

Vor allem der 2017 gestorbene frühere Erzbischof Joachim Meisner wird in dem Gutachten des Kölner Strafrechtlers Björn Gercke belastet. Das Gutachten weist 24 Pflichtverletzungen auf, die Meisner zugeschrieben werden. Darunter fallen nach Angaben der Gutachter sechs Verstöße gegen die Aufklärungspflicht, ein Verstoß gegen die Verhinderungspflicht und fünf Verstöße im Bereich der Opferfürsorge. Mit Blick auf den amtierenden Erzbischof Woelki hingegen, der das Gutachten in Auftrag gegeben hatte, sind laut begutachtender Kanzlei keine Pflichtverletzungen erkennbar.

Schwaderlapp und Assenmacher beurlaubt

Der jetzige Hamburger Erzbischof Stefan Heße, der von 2006 bis 2014 Hauptabteilungsleiter Personalseelsorge und später Generalvikar in Köln war, wird in dem Gutachten im Zusammenhang mit elf Pflichtverletzungen bei neun Aktenvorgängen aufgelistet. Darunter fallen sieben nicht ordnungsgemäß bearbeitete Fälle. Norbert Feldhoff, dem ehemaligen Generalvikar, werden laut Gutachten 13 Pflichtverstöße vorgeworfen.

Erste personelle Konsequenzen machte Erzbischof Woelki bereits bekannt: Dominikus Schwaderlapp, ehemaliger Generalvikar und derzeitiger Domkapitular und Weihbischof, der mit acht Pflichtverletzungen genannt wird, wird vorläufig von allen Aufgaben entbunden. Schwaderlapp hat zudem Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten. Auch der Domkapitular und Offizial Günter Assenmacher, den das Gutachten belastet und unter anderem mit Fällen unzutreffend erteilter Rechtsauskunft in Verbindung bringt, ist bereits vorläufig von seinen Aufgaben entbunden worden.

Gutachter spricht von teils "chaotischen Zuständen" bei der Aktenführung

In der Öffentlichkeit geäußerte Vorwürfe der systematischen Vertuschung seien nicht erkennbar gewesen, sagte Gercke. Aber es habe eine "systembedingte Vertuschung" von Missbrauchsfällen im Erzbistum gegeben. Die Juristen der Kanzlei Gercke und Wollschläger, die sich auf 236 Aktenvorgänge aus der Zeit von 1975 bis 2018 konzentrierten, attestierten der Bistumsleitung "massive Rechtsunkenntnis". Mängel in der Aktenführung, unklare Zuständigkeiten und Intransparenz hätten Geheimhaltung begünstigt.

Gercke spricht nach Auswertung der Aktenvorgänge von 202 Beschuldigten und mindestens 314 Betroffenen. 57 Prozent der Betroffenen seien männlich, 38 Prozent weiblich gewesen. In fünf Prozent der Fälle wurden keine Angaben zum Geschlecht gemacht. Mehr als die Hälfte der Betroffenen seien Kinder unter 14 Jahren gewesen. Gercke sprach zudem von chaotischen Zuständen in der Aktenführung und mahnte für die Zukunft dringend Verbesserung an. Auch forderte er die Stärkung Interventionsstelle. Es folgt der Live-Ticker zum Nachlesen:

14.49 Uhr: Düsseldorfer Stadtdechant will Vertrauen der Katholiken wiedergewinnen

Die Katholiken in Düsseldorf haben das Gutachten zum Umgang mit sexualisierter Gewalt als ersten wichtigen Schritt begrüßt. Darin ist unter anderem auch der Fall eines Düsseldorfer Pfarrers genannt. Für den Düsseldorfer Stadtdechanten Frank Heitkamp sind jetzt viele Gespräche nötig, um Vertrauen wieder zurückzugewinnen: "Das heißt, überhaupt in der Kirche etwas an Machtstrukturen zu verhindern und zu bewegen, Priester in ganz anderer Art und Weise fortzubilden, damit Sie wissen, welche Konsequenzen gezogen werden müssen, wenn solche Fälle bekannt gegeben werden." Im Laufe des Nachmittages soll es erste Gespräche unter leitenden Pfarrern zu dem Gutachten geben, so Heidkamp.

14.45 Uhr: Bundesjustizministerin begrüßt personelle Konsequenzen

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat die personellen Konsequenzen nach der Vorstellung des Missbrauchsgutachtens im Erzbistum Köln begrüßt. Lambrecht sagt, darauf hätten viele Opfer viel zu lange gewartet. Die Schritte könnten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Aufarbeitung in Köln und andernorts immer noch am Anfang stehe, erklärte die SPD-Politikerin.

14.15 Uhr: Betroffene finden klare Worte für Ergebnisse des Gutachtens

Unsere Reporterin hat am Mittag mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt im Erzbistum vor dem Kölner Dom gesprochen. Viele zeigen sich unzufrieden mit den Ergebnissen des Gutachtens. "Diese Aufarbeitung ist nur eine Rechtsklauberei. Es geht nur darum, dass die katholische Kirche - sprich Herr Woelki - seinen Kopf aus der Schlinge ziehen möchte", sagt einer von ihnen. Ein anderer spricht von einem "sehr kirchenfreundlichen" Ausgang des Gutachtens. Und ein dritter Betroffener findet ebenfalls deutliche Worte: "Es wird der Sache nicht gerecht, wir sind - wie so oft - allein gelassen. Und vor allem zeigt sich hier das System Kirche, das es immer noch zulässt, dass Priester die Eucharistie feiern, obwohl sie Kinderschänder sind." Die ganzen Aussagen gibt es hier:

Vox-Pop Betroffene äußern sich zu Missbrauchs-Gutachten

00:58 Min. Verfügbar bis 18.03.2022


13.43 Uhr: Maria 2.0 kritisiert Gutachten

Die katholische Reformbewegung Maria 2.0 hat das Gutachten des Kölner Erzbistums kritisiert. Für Mit-Initiatorin Lisa Kötter ist das Gutachten nicht geeignet, die Ursachen für den jahrzehntelangen Missbrauch aufzuarbeiten. Es gehe nur um die Taten Einzelner. "Das System wird nicht in Frage gestellt", kritisierte sie gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Was übrig bleibt, ist die lebenslange Qual der Menschen, denen Gewalt angetan wurde", sagte Kötter. Wenn auch nur ein Mensch verletzt worden sei, um die Fassade einer Institution, eines Amtes, einer "Heiligkeitsbehauptung" zu schützen, habe diese Institution ihre Würde verloren, fügte sie hinzu.

13.15 Uhr: Schwaderlapp räumt Versagen und Schuld ein

Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp räumt angesichts des Rechtsgutachtens zum Umgang mit Missbrauchsfällen Versagen und Schuld ein. Schwaderlapp, der mit acht Pflichtverstößen aus seiner Zeit als Generalvikar aufgeführt ist, sprach von ernsten Versäumnissen und teilte seine Freistellung von seinen bischöflichen Aufgaben mit. "Die Untersuchung hält ernste Versäumnisse fest, die ich zu verantworten habe", erklärte er. Schwaderlapp (53) hat zudem Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten.

12.54 Uhr: Betroffenen fehlt moralische Bewertung

Unsere Reporterin berichtet, den Betroffenen fehle die moralische Bewertung der Vorgänge. Die Kirche wolle so viel Moral in die Welt tragen, daran müsse sie sich auch selbst messen lassen.

11.58 Uhr: Pressekonferenz beendet

Das Erzbistum Köln hat die Pressekonferenz zur Veröffentlichung des Gutachtens bezüglich des Umgangs im Erzbistum mit Fällen sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige und Schutzbefohlene beendet. Wir berichten hier weiter über die aktuellen Entwicklungen. Die ganze Pressekonferenz gibt es hier:

11.50 Uhr: Betroffenenbeirat kündigt Stellungnahme an

Peter Bringmann-Henselder vom Betroffenenbeirat spricht nach Woelki. Er sagt, er sei von den ersten Konsequenzen, die Woelki ziehen will, überrascht. Er sei froh, dass der Betroffenenbeirat bei der Erstellung des Gutachtens teilweise beteiligt gewesen war. In der kommenden Woche gebe es eine offizielle Stellungnahme des Betroffenenbeirates.

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11.34 Uhr: Rainer Maria Kardinal Woelki zieht Konsequenzen

Rainer Maria Kardinal Woelki auf der Pressekonferenz zum Gutachten zu Fällen sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige und Schutzbefohlene im Erzbistum Köln

Rainer Maria Kardinal Woelki auf der Pressekonferenz zum Gutachten zu Fällen sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige und Schutzbefohlene im Erzbistum Köln

"Höchste Verantwortungsträger, auch meine Vorgänger, haben sich vielfach klar schuldig gemacht", sagt Woelki in einem Statement nach der Pressekonferenz. "Nichts geahnt - das ist seit heute nicht mehr möglich und nicht mehr denkbar." Klare Pflichtverletzungen habe es nur gegeben, wenn Geistliche Täter waren, nicht bei Laien. "Das berührt und beschämt mich auch zutiefst", sagt Woelki. "Denn ich bin überzeugt, Handeln muss auch für Kleriker Konsequenzen haben." Woelki zieht Konsequenzen und will zwei Beschuldigte umgehend von ihren Aufgaben entbinden. Es gehe um den Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und den Offizial Günter Assenmacher, so Woelki.

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11.31 Uhr Journalisten richten Fragen an Gutachter

Journalisten und Journalistinnen haben auf der Pressekonferenz jetzt noch die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

11.22 Uhr: Gutachter raten Erzbistum, Aktenführung zu verbessern

Die Gutachter raten dem Erzbistum dringend die Verbesserung der Aktenführung an. Außerdem müsse die Interventionsstelle gestärkt werden.

11.18 Uhr: Gutachter spricht von planlosem Handeln

Der Gutachter Gercke sagt, es sei nicht vorrangig um die Opfer gegangen, sondern vielmehr darum, Reputationsschäden von der Kirche abzuwenden. Es habe sich das Bild planlosen Handels aufgedrängt.

11.15 Uhr: Offenbar große Rechtsunkenntnis bei Verantwortlichen

Rechtsanwältin und Gutachterin Kerstin Stirner spricht davon, dass eine massive Rechtsunkenntnis bei Verantwortlichen im Erzbistum Köln festgestellt worden sei. Ein "System der Unzuständigkeit und Intransparenz" habe Geheimhaltung begünstigt. Es habe offenbar große Überforderung im Umgang mit Fällen von sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige und Schutzbefohlene gegeben.

10.57 Uhr: Laut Gutachten keine Pflichtverletzungen bei Woelki

Beim Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sehen Gercke und sein Team keine Pflichtverletzungen. Dem heutigen Hamburger Erzbischof Stefan Heße hingegen werden elf Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit der Aufarbeitung von Missbrauchsvorwürfen im Erzbistum Köln vorgeworfen, so Gercke. Laut dem Gutachten habe der verstorbene Erzbischof Joachim Kardinal Meisner 24 Pflichtverletzungen begangen. Das ist rund ein Drittel aller 75 festgestellten Pflichtverletzungen.

10.47 Uhr: Anhörungen von Betroffenen in knapp der Hälfte der Verdachtsfälle

Wie ging das Erzbistum mit den Verdachtsfällen um? Die Betroffenen wurden in knapp der Hälfte der Fälle angehört. Auch die Beschuldigten seien in der Hälfte der Fälle angehört worden, so Gercke. Jahrzehnte habe sich offensichtlich niemand getraut, solche Verdachtsfälle zur Anzeige zu bringen oder zu melden, sagt Gercke. Auch das habe das Gutachten ergeben. Aufgefallen sei zudem, dass es einen Unterschied gegeben habe, wie das Erzbistum mit Klerikern und wie mit Laien umgegangen sei. Inzwischen sei ein großer Teil von Betroffenen und Beschuldigten verstorben.

10.42 Uhr: Viele Verdachtsfälle fanden im privaten Umfeld statt

Auch der Kontext der Fälle sexualisierter Gewalt wurde untersucht: In rund einem Viertel der Verdachtsfälle passierte die Tat laut Gercke im Rahmen privater Treffen. Die meisten Fälle wurden Betreuungsverhältnissen zugeordnet, etwa Heimunterbringungen, Schulunterbringungen. Ein großer Teil der Verdachtsfälle fiel in die Zeit vor 1975. Das betrifft trotzdem den Untersuchungszeitraum, da das Kanzlei-Team den Umgang von Verantwortlichen im Erzbistum mit den Verdachtsfällen untersucht habe. Es könne genauso gut passieren, dass ein Fall früher stattfand, aber erst nach 1975 zur Anzeige gebracht wurde oder dem Erzbistum bekannt war.

10.32 Uhr: Mehr als die Hälfte der Betroffenen seien Kinder unter 14 Jahren gewesen

Gutachter Björn Gercke auf der Pressekonferenz zum Gutachten zu Fällen sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige und Schutzbefohlene im Erzbistum Köln

Gutachter Björn Gercke auf der Pressekonferenz

Gercke spricht nach Auswertung von 236 Aktenvorgängen von 202 Beschuldigten und mindestens 314 individualisierbaren Betroffenen. 57 Prozent der Betroffenen seien männlich, 38 Prozent weiblich gewesen. In fünf Prozent der Fälle wurden keine Angaben zum Geschlecht gemacht. Mehr als die Hälfte der Betroffenen seien Kinder unter 14 Jahren gewesen.

10.28 Uhr: Gutacher zur Aktenführung des Erzbistums

Bei einigen Akten habe das Untersuchungsteam den Eindruck gewonnen, dass Aktenbestandteile fehlten. Es wurden zunehmend Akten nachgereicht, da das Vertrauen in die Arbeit der Kanzlei bei Mitarbeitern des Erzbistums wuchs, sagt Gercke. Bei der Durchsicht der Akten des Generalvikariats sei aufgefallen, dass zahlreiche Namen in Zusammenhang mit sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige und Schutzbefohlene notiert gewesen seien. Die Aktenführung sei lange Zeit mangelhaft gewesen. 20 Namen seien weder in den überreichten Akten zu finden gewesen, noch waren sie der Interventionsstelle bekannt.

10.18 Uhr: Gutachten überprüft Verhalten verschiedener kirchlicher Posten im Erzbistum

Es seien im Untersuchungszeitraum zwischen 1975 und 2018 zwei Mal Aktenvernichtungen vorgenommen worden, wie es das kanonische Recht vorschreibe, sagt Gercke. Geprüft wurden im genannten Zeitraum Erzbischof, Generalvikar, Justiziar/Justiziarin und die Leitung der Hauptabteilung Seelsorge Personal. Vorfälle, die es auf Ebenen darunter gegeben hat, wurden ebenfalls berücksichtigt, aber keiner Person zugeordnet.

10.12 Uhr: Nahezu alle Verantwortungsträger waren zu Gesprächen bereit

Außer einer Personen seien sämtliche Verantwortungsträger zu Gesprächen mit oder Stellungnahmen gegenüber dem Gutachterteam bereit gewesen, so Gercke. Das sei nicht selbstverständlich.

10.08 Uhr: Gercke sieht Gutachten als "Teil der Aufarbeitung"

Nach einer kurzen Begrüßung von Oliver Schilling, dem kommissarischem Pressesprecher des Erzbistums Köln, spricht jetzt der Strafrechtler Björn Gercke. Er sagt, sein Team sehe das Gutachten nur als einen "Teil der Aufarbeitung", da es nicht um die Aufarbeitung der Fälle von sexualisierter Gewalt geht, sondern lediglich um den Umgang des Bistums mit den Verdachtsfällen von sexualisierter Gewalt.

10.02 Uhr: Die Pressekonferenz beginnt

Rainer Maria Kardinal Woelki auf dem Weg zur Pressekonferenz zum Gutachten zu Fällen sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige und Schutzbefohlene im Erzbistum Köln

Rainer Maria Kardinal Woelki auf dem Weg zur Pressekonferenz zum Gutachten zu Fällen sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige und Schutzbefohlene im Erzbistum Köln

Die Pressekonferenz des Kölner Erzbistums hat begonnen. Der Kölner Strafrechtler Björn Gercke stellt ein Gutachten vor, das klären soll, wie die Bistumsleitung mit Fällen von sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige und Schutzbefohlene umgegangen ist. Dabei geht es etwa darum, ob Fehlverhalten von Priestern, Diakonen und Ordensleuten vertuscht wurde. Konkret geht es um Fälle zwischen 1975 und 2018. Das Gutachten leistet keine kirchen- oder strafrechtliche Beurteilung von Tätern und deren Vergehen.

Was das Gutachten leisten soll

Das Rechtsgutachten der Kölner Kanzlei des Strafrechtlers Björn Gercke soll klären, ob und inwieweit Bistumsverantwortliche Täter geschützt und Verbrechen vertuscht haben. Außerdem geht es darum, ob die Fälle mit dem kirchlichen oder staatlichen Recht zu vereinbaren waren. Und: Es soll Vertuscher unter den Verantwortlichen beim Namen nennen.

300 Betroffene, 200 beschuldigte Priester und Laien

Ein Kruzifix auf dem Altar im Kölner Dom.

300 Betroffene und 200 beschuldigte Priester und Laien hat das Gutachterteam in den Kirchenakten aufgespürt. Gercke sagte, er habe in "etlichen Fällen" Pflichtverletzungen der Kölner Bistumsleitung festgestellt.

Einige Verantwortliche versuchten teils vergeblich, Vorwürfe gegen sie auszuräumen. Die Frage nach Rücktritten überschreite seine Kompetenz als Gutachter, betonte Gercke: "Wir zeigen Pflichtverletzungen auf. Und dann ist die Debatte eröffnet."

Stefan Heße und Joachim Kardinal Meisner vermutlich unter Beschuldigten

Hamburger Erzbischof Stefan Heße predigt am ersten Weihnachtsfeiertag in einer Heiligen Messe im St.Marien-Dom (25.12.2019).

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße

Erwartet wird, dass sich unter den Namen der Beschuldigten der Hamburger Erzbischof und frühere Kölner Generalvikar Stefan Heße und der verstorbene frühere Erzbischof Joachim Kardinal Meisner befinden.

Untersucht haben die Rechtsexperten auch das Handeln des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Kardinal Woelki selbst, der Taten sexualisierter Gewalt eines befreundeten Priesters nicht nach Rom gemeldet hatte. Kritiker sehen darin einen Verstoß gegen Kirchenrecht.

Woelki kennt nach eigenen Worten das Gercke-Gutachten bislang nicht. Unmittelbar nach der Vorstellung will er sich mit einem Statement zu Wort melden.

Gutachten kann personelle Konsequenzen haben

Rainer Maria Kardinal Woelki

Rainer Maria Kardinal Woelki vor dem Kölner Dom

Personelle Konsequenzen aus dem Gercke-Gutachten will Kardinal Woelki am Dienstag kommender Woche bekanntgeben. Er hatte angekündigt, Beschuldigte zunächst vorläufig aus dem Amt zu nehmen. Gercke hatte für seine Untersuchung, die 236 Aktenvorgänge zwischen 1975 und 2018 umfasst, nur wenige Monate Zeit. Erst vergangenen Herbst war der Strafrechtler vom Erzbistum beauftragt worden, nachdem Woelki ein erstes Gutachten nicht veröffentlichen lassen wollte.

Stand: 18.03.2021, 17:04