Aktuelles zum Hochwasser

Mehrere Autos stecken nach Starkregen auf einer überfluteten Straße fest

Aktuelles zum Hochwasser

  • schwere Schäden bei vielen Landwirten
  • kostenloses Busticket für Betroffene in Stolberg
  • Staubbelastung: Maskenempfehlung in Stolberg
  • Eschweiler Krankenhaus räumt auf

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Vom Hochwasser betroffene Menschen in Stolberg können ab sofort ein kostenloses Monatsticket für ASEAG-Busse nutzen. Sie können an den Außenstellen der Stadtverwaltung abgeholt werden, z.B. am Kaiserplatz oder im Pfarrbüro im Ortsteil Vicht. Die Monatstickets gelten für das gesamte AVV-Gebiet.

In Stolberg sollten alle in den Aufräumgebieten einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Darauf weist die Stadt hin (Stand 23.07.2021). Die Staubbelastung sei durch die Aufräumarbeiten und des aktuelltrockenen Wetters stark gestiegen. Der Staub wurde getestet und zeige die für Stolberg typischen Belastungen mit Schwermetallen und im Boden vorhandenen Schadstoffen, die gesundheitsschädlich seien.

Schwere Schäde bei vielen Landwirten

Nach einer ersten Übersicht der Landwirtschaftskammer (Stand 26.07.2021) waren etwa 75 bis 100 Bauernhöfe komplett unter Wasser. Land unter - das hat in unserer Region wohl besonders die Höfe entlang der Flüsse Wurm, Inde, Vicht und Rur getroffen. Etwa zwischen Düren und Jülich oder im Kreis Heinsberg. Maschinen wurden zerstört, Futtervorräte weggeschwemmt. Auf manchen Äckern hätten nur noch die Ähren aus dem Wasser geragt. Die Landwirtschaftskammer befürchtet, dass die Ernte vielerorts verloren ist. Viele Bauern sind doppelt getroffen: Sie haben Haus und Hof, also Wohn- und Berufsort zugleich verloren.

Ärger um Bankschließfächer

Das Hochwasser hat auch Bankkunden mit Schließfächern in Bankfilialen in Stolberg und weiteren Hochwasserregionen in Schwierigkeiten gebracht. Banken kommen für beschädigte Wertsachen und Papiere nicht automatisch auf.

Bankkunden, die in überfluteten Schließfächern zum Beispiel kaputte Uhren und unleserliche Wertdokumente wiederfinden, bekommen den Schaden nur ersetzt, wenn sie eine Tresorinhaltsversicherung abgeschlossen haben. Alternativ können sie prüfen, ob sie in ihrer Hausratsversicherung einen ausreichenden Elementarschutz haben, sagt ein Sprecher der Deutschen Versicherungswirtschaft. Von Kulanz ist bei den meisten Banken bisher keine Rede.

Bahnstreckenschäden in der Eifel

Die Aufräumarbeiten an den Strecken der Deutschen Bahn werden voraussichtlich Monate dauern. Wie das Unternehmen am Freitag (23.07.2021) erklärte, sei in der betroffenen Eifelregion von den bisherigen Strecken nicht mehr viel zu erkennen. Erneuert werden müssen Strecken über Euskirchen, die Eifelstrecke und die Voreifelbahn.

Großer Schaden am St. Antonius Krankenhaus

Eine Woche nach dem verheerenden Hochwasser geht es für das stark geschädigte St. Antonius- Hospital in kleinen Schritte wieder vorwärts. Uwe Janssens, der Chefarzt der Inneren Medizin und der Internistischen Intensivmedizin spricht von einem unvorstellbarem Schaden.

"Wir konnten aber sensationell die Räume schon jetzt freiräumen, so dass in der Folge nun der Estrich abgetragen wird und wir unser Krankenhaus und die Patientenversorgung aufrüsten." Radiologie, Strahlentherapie, Dialyse und viele andere Abteilungen wurden durch das Hochwasser zerstört. Alle Patienten mussten verlegt werden

Auch viele Apotheken vom Hochwasser betroffen

Durch das Hochwasser sind nach Auskunft des Apothekerverbandes rund 50 Apotheken in unserer Region zerstört oder beschädigt worden. Ein Großteil davon im Bereich Euskirchen und Schleiden. Viele werden Tage, wenn nicht sogar wochenlang nicht öffnen können, sagte ein Sprecher. Die Arzneimittelversorgung sei aber dennoch durch benachbarte Apothken gesichtert.

Situation in Eupen weiter angespannt

In Eupen mussten zwischenzeitlich 120 Menschen in Notunterkünften untergebracht werden, mindestens 50 Häuser sind komplett zerstört. Gastronomen und Geschäftsleute stehen vor dem Ruin.

Besonders betroffen ist das Kabelwerk, das von den Wassermassen zu 90 Prozent zerstört wurde und bis auf Weiteres nicht produzieren kann. 900 Mitarbeiter haben deshalb vorerst keine Arbeit mehr. Für viele Bewohner in der besonders betroffenen Eupener Unterstadt wird der Ausnahmezustand noch lange andauern. Die ersten provisorischen Straßen werden gebaut. Ingenieure aus Aachen helfen bei der Begutachtung von Brücken. Statiker und Versicherer untersuchen die zerstörten Häuser.

Der RWE-Konzern stellt Wohnungen

Der RWE-Konzern stellt Wohnungen für die Flutopfer zur Verfügung. Sowohl in Morschenich am Braunkohlentagebau Hambach als auch in den fünf Erkelenzer Ortschaften, die noch für Garzweiler II umgesiedelt werden sollen. Wie viele Wohnungen zur Verfügung stehen, das konnte ein Konzernsprecher nicht sagen. Derzeit werden die Wasser- und Stromanschlüsse in den leerstehenden Häusern kontrolliert und teilweise wieder angeschlossen. Die ersten Betroffenen könnten aber schon kurzfristig einziehen. Ob sie Miete bezahlen müssen, ist noch nicht final geregelt. Das RWE-Angebot richtet sich vor allem an die Flutopfer aus Erftstadt. Im Stadtteil Blessem haben viele Einwohner ihr Haus oder ihre Wohnung verloren.

Bus- und Bahnverkehr betroffen

Die Folgen des Hochwassers sorgen auf vielen Straßen und Wegen weiter für Behinderungen. Auch der Bus- und Bahnverkehr ist betroffen. Vor allem den Teilabschnitt zwischen Euskirchen und Kall hat es stark getroffen. Dort liegen Bäume auf Gleisen, Schalthäuser sind kaputt und Bahnschranken zerstört, wie beispielsweise in Kall-Sötenich. Auch der Bahnhof in Urft kann nicht genutzt werden.

Die Strecke der Rurtalbahn zwischen Düren und Heimbach ist inzwischen wieder frei. Nach Auskunft eines Sprechers kann die Strecke wieder normal genutzt werden. Durch das Unwetter Ende vergangener Woche war der Streckenabschnitt zwischen Untermaubach und Heimbach mehrere Tage blockiert genutzt werden. Fahrgäste mussten auf Ersatzbusse umsteigen.

Straßen NRW meldete am Dienstagabend gut zwei Dutzend komplett gesperrte Strecken in der Region, etwa bei Stolberg, Eschweiler, Zweifall oder Mulartshütte. Dazu vielerorts kleinere Behinderungen. Oft sind Brücken gesperrt, weil sie noch untersucht werden müssen, so die Hauptzufahrtbrücke über die Rur nach Jülich. Große Einschränkungen gibt es nach wie vor beim Bahnverkehr. Nahe Herzogenrath riss das Wasser 500 Meter Gleise weg, laut Bahn soll die Reparatur Wochen dauern. Im Dürener Nordkreis und im Eifelbereich fahren Buslinien nur eingeschränkt.

Hilfe von der Stadt Aachen

Die Stadt Aachen hat ein Soforthilfeprogramm für Hochwasseropfer aufgelegt. Es unterstützt nicht nur Bürger der Stadt Aachen, sondern auch der Städteregion und geht über finanzielle Hilfen hinaus.

Für Einwohner und Gewerbetreibende der vom Hochwasser betroffenen Aachener Stadtteile Kornelimünster, Hahn und Friesenrath wird ein Soforthilfefonds über 250.000 Euro aufgelegt. Außerdem stattet Aachen ein Spendenkonto mit 50.000 Euro aus, das für die ganze Städteregion gedacht ist.

Die Hilfe fürs Umland umfasst aber noch mehr: Aachener Müllfahrzeuge, Bauingenieure, Brückenbauer und Baum-Kontrolleure sind in den Nachbarkommunen im Einsatz, die Feuerwehr liefert Essen in Stolberg aus, bis Monatsende gehen alle Eintrittsgelder der Dürer-Kunstausstellung aufs Spendenkonto.

Böschung an A544 abgerutscht

An der A 544 laufen die Sanierungsarbeiten. Nach den starken Regenfällen war auf Höhe der Abfahrt Würselen in Fahrtrichtung Aachen die Böschung abgerutscht. Den Autofahrern steht während der Arbeiten nur ein Fahrstreifen zur Verfügung. Gerade in den Vormittagsstunden muss deshalb dort mit Staus und Behinderungen gerechnet werden. Die Bauarbeiten dauern voraussichtlich bis zum 30.7. .

Wasserverband weist Kritik zurück

Die Talsperrenbetreiber haben die Kritik zurückgewiesen, sie hätten in den Talsperren zu wenig freien Stauraum als Schutz vor Hochwasser vorgehalten. Das überlaufende Wasser der Rurtalsperre bei Heimbach und der Dreilägerbachtalsperre bei Roetgen hatte im Unterlauf teils erhebliche Schäden verursacht.

Der Wasserverband Eifel-Rur sagte, man habe bis zum Donnerstag vorige Woche im Rursee einen freien Stauraum von 25 Millionen Kubikmeter gehabt, ein Achtel des Fassungsvermögens. Nach allen Berechnungen und Erwartungen hätte das ausreichen müssen. Tatsächlich aber brachten die Zuläufe soviel Regen, dass der Sicherheitspuffer nicht reichte. Bei der Dreilägerbachtalsperre sagten die Betreiber, hier stehe die Trinkwasserversorgung im Vordergrund. Für Hochwasserschutz bliebe gesetzlich nur ein kleiner Stauraum.

Produktion in Stolberger Industrieunternehmen unterbrochen

Das Hochwasser hat die Industrieproduktion in Stolberg hart getroffen. So können Unternehmen wie Leonie, Dalli, Saint Gobain, Aurubis und die Bleihütte nach Auskunft der Stadt wochen-, wenn nicht sogar montelang überhaupt nicht produzieren.

Nach Auskunft von Martin Peters von der IG Metall sind zum Beispiel bei Leonie fast alle Maschinen vom Hochwasser beschädigt worden. In den anderen Unternehmen sieht es ähnlich aus. Auch bei den Dalli-Werken stehen die Bänder still. Nach ersten Schätzungen der Gewerkschaft sind von den Produktionsausfällen mindestens 2.500 Mitarbeiter betroffen. Sie werden wohl in Kurzarbeit geschickt, da ansonsten ihre Löhne nicht mehr gezahlt werden können.

Die Unternehmen liegen entlang der rund zehn Kilometer langen Talachse Stolbergs. Hier wurde die gesamte Infrastruktur von den Wassermassen zerstört.

Stand: 26.07.2021, 15:10