25 Jahre T-Aktie: Jubiläum ohne Feier

Eine Archivarin der Telekom zeigt ein Muster der Telekom Aktie

25 Jahre T-Aktie: Jubiläum ohne Feier

Von Sebastian Tittelbach

Hunderttausende Kleinanleger wagten sich mit der T-Aktie zum ersten Mal auf das Börsenparkett und erlebten eine Achterbahnfahrt, die bis heute nachwirkt. 

Heute ist die Aktie der Deutschen Telekom fast schon ein Langweiler im Deutschen Aktienindex. Bis auf einen Einbruch zu Beginn der Corona-Krise pendelt der Kurs seit Jahren zwischen 14 und 17 Euro. Vor einem Vierteljahrhundert war das anders, da sorgte das Papier für starke Adrenalinschübe bei den Anlegern. 

Der deutsche Kleinsparer war im Herbst 1996 nicht mehr wiederzukennen. Bis dahin waren Sparbuch, Festgeld, vielleicht auch Bundesschatzbriefe seine Welt. Plötzlich wollte er die T-Aktie. "Ich wüsste heute keine bessere Anlage für Geld als die T-Aktie", pries der damalige Telekom-Vorstandsvorsitzende Ron Sommer seine Aktie den Privatanlegern an. 

Angepriesen wie ein Waschmittel 

Begleitet von einer gewaltigen Werbekampagne drängte der ehemalige Staatskonzern aufs Frankfurter Börsenparkett, wie sich der frühere ARD-Börsenexperte Frank Lehmann erinnert: "Die T-Aktie wurde wie ein Waschmittel hier angeboten. Jeden Tag die Magenta-Farbe. Wie eine Disko war das hier."

Im Mittelpunkt standen die Werbespots mit Schauspieler Manfred Krug. Auch der legendäre Börsenguru André Kostolany trommelte mit: "Das ist keine Aktie für Zocker, um über Nacht reich zu werden. Es ist eine Aktie für den Ruhestand und für die Erben." Manfred Krug bereute seine Auftritte später sehr, André Kostolany erlebte nicht mehr, wie sehr er sich geirrt hatte. 

1,9 Millionen Privatanleger griffen zu 

Die Botschaft war, dass die T-Aktie eine Volksaktie ist - und das Volk griff zu. 1,9 Millionen Privatanleger rissen sich um über 700 Millionen Aktien im ersten Börsengang. Wie erhofft stieg der Kurs rasant, aber nur dreieinhalb Jahre bis zum Frühjahr 2000, erinnert sich Ingo Schröder, Honorarberater aus Köln: "Vom März mit 103 Euro ging's dann bis Juli 2002 auf knapp 8 Euro runter. Also hatte man über 90 Prozent Verlust."

25 Jahre der Telekom Aktie

Laut Schröder waren zwei Entwicklungen zusammen gekommen. Die Internet-Euphorie an den Börsen war erloschen, "und als noch Missmanagement vom damaligen Telekom-Chef Ron Sommer dazu kam, durch falsche und zu teure Firmenzukäufe, da platze die Blase der Telekom-Aktie."

T-Aktie hat Risikobereitschaft nachhaltig geprägt

Das Thema "Volksaktie" war damit vorbei. Die Kleinaktionäre fühlten sich getäuscht und bei manchen sitzt der Schock bis heute tief. Honorarberater Ingo Schröder beobachtet, dass Anleger von damals noch immer Aktien scheuen, und oft tun das auch ihre Kinder: "Wenn sich Eltern nach dem Aktien-Crash gestritten haben, dann nahm man das als Kind ja wahr. Und das prägt die Risikobereitschaft nachhaltig."

Keine Jubiläumsfeier, sondern Vergleichsverhandlungen

Wer am ersten Handelstag zugegriffen und seine T-Aktien nicht verkauft hat, steht heute im Plus. Andere Aktien im DAX haben sich besser entwickelt, doch die T-Aktie liefert seit Jahren stabile Dividenden. 

Statt einer großen Feier stehen für den Bonner Konzern Gerichtsverhandlungen an. Noch immer ringen die Anwälte von tausenden Kleinaktionären mit der Telekom um einen Vergleich. Nächste Woche geht es vor dem Oberlandesgericht Frankfurt weiter, keinen Kilometer entfernt von dem Börsensaal, wo vor 25 Jahren alles begann.

Stand: 18.11.2021, 11:42