Kölner Polizisten werden mit Tasern ausgrüstet

Mit Elektroschocks gegen Angreifer und Randalierer

Stand: 02.05.2022, 19:08 Uhr

In Köln haben die ersten Polizisten so genannte Taser erhalten. Die Geräte gehören jetzt zur Standard-Ausrüstung der Polizei. Bereits am Montagnachmittag kam das Gerät erstmals zum Einsatz.

Von Oliver Köhler / Daniel Dammann Aktualisierung

Die Polizisten tragen die etwa 20 Zentimeter langen und knallgelben Taser in einem Holster an der Hüfte oder vor dem Bauch. Einsetzen sollen sie die neuen Geräte, "wenn alkoholisierte Personen Widerstand leisten, Personen Polizisten angreifen oder den Weisungen nicht Folge leisten", sagt Polizeidirektor Martin Lotz. "Da gibt es viele Gelegenheiten, bei denen wir heute Pfefferspray einsetzen und andere Zwangsmittel. Wir versprechen uns, dass der Taser deutlich wirkungsvoller ist".

Taser schrecken Angreifer ab

Die Erfahrungen mit mehrmonatigen Tests bei der Polizei in Dortmund, Düsseldorf, Gelsenkirchen und im Rhein-Erft-Kreis haben nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministeriums gezeigt,  dass der Taser eine stark deeskalierende Wirkung habe. Schon die Warnfarbe gelb und ein Lichtbogen der sich mit den Geräten produzieren lasse, beeindruckten offenbar Angreifer oder Randalierer.

Während des Test hätten Polizisten 140 Mal das Elektroimpulsgerät gezogen. Bei 114 Einsätzen sei es bei der Androhung geblieben, den Taser einzusetzen. In 26 Fällen wurde der Taser tatsächlich eingesetzt.

Stromimpulse wirken auf Nervensystem

Dabei verschießt das Gerät kleine Pfeile, die an Kabeln hängen. Die Pfeile dringen durch die Kleidung und bleiben in der Haut stecken.  "Muss das Gerät eingesetzt werden, sendet es nach Abschuss zweier Elektroden Stromimpulse aus, die auf das menschliche Nervensystem wirken", heißt es in einem Bericht des nordrhein-westfälischen Innenministeriums.  "Es kommt zu einer neuromuskulären Lähmung, die den Aggressor kurzzeitig handlungsunfähig macht und die Polizistinnen und Polizisten in die Lage versetzt, die Person zu überwältigen, ohne weitere Gewalt anwenden zu müssen".

Laut Polizei keine Gesundheitsgefahren

Kölner Polizisten werden mit Tasern ausgrüstet

Polizeidirektor Lotz übergibt Taser an Beamte.

In Köln haben jetzt die Polizisten der Polizei-Inspektionen Innenstadt und in Kalk Taser erhalten. Nach und nach sollen alle Inspektionen in Köln ausgerüstet werden. "Wir setzen die Geräte nicht bei Kindern und nicht bei Schwangeren ein", sagt Polizeidirektor Lotz. Gesundheitliche Gefahren gingen von dem Taser nicht aus. "Das Gerät ist erprobt. Es gibt Erfahrungsberichte aus anderen Behörden und anderen Ländern. Die sind allesamt unbedenklich. Wir gehen davon aus, dass wir damit auch andere Verletzungen ersparen können, die vielleicht durch andere Zwangsanwendungen wir zum Beispiel durch den Einsatz eines Einsatzmehrzwecksstocks zustande kämen".

Auch auf Pfefferspray kann die Polizei voraussichtlich häufiger verzichten. Das Pfefferspray wirkt bei alkoholisierten und unter Drogen stehenden Menschen oftmals nicht. Außerdem besteht die Gefahr, dass Polizisten beim Einsatz von Pfefferspray selbst etwas abbekommen und nicht mehr einsatzfähig sind.

Polizeidirektor Lotz hofft, dass die Taser "unserem Gegenüber so viel Respekt einflößen, dass wir die Geräte nur sehr selten benutzen müssen".

Erster Einsatz des Tasers bereits wenige Stunden nach Ausgabe

Die Hoffnung, das Gerät möglichst wenig einsetzen zu müssen, hielt allerdings nur wenige Stunden. Das Personal der Merheimer Klink alarmierte am Montagnachmittag die Polizei, nachdem ein Mann in einem Behandlungszimmer randaliert und sich mit einer Metallstange bewaffnet hatte.

Aufgrund der von dem 25-jährigen Mann ausgehenden Aggressionen war eine gefahrlose Annäherung durch die herbeigerufenen Polizeibeamten nicht möglich, so die Polizei. Nach Rücksprache mit den behandelnden Ärzten setzten die Polizisten den Taser ein.

Das Klinikpersonal konnte dem 25-Jährigen daraufhin eine Beruhigungsspritze geben. Er war bereits am Vormittag nach einem vorherigen Polizeieinsatz aufgrund einer möglichen psychischen Erkrankung in die Klinik eingeliefert worden.