Umgesiedelt wegen Garzweiler II: Familie kämpft um an RWE verkauftes Haus

Das Orteingangsschild von Kuckum. Hinter dem Schild stehen mehrere Häuser entlang einer Straße.

Umgesiedelt wegen Garzweiler II: Familie kämpft um an RWE verkauftes Haus

Von Thomas Wenkert

16 Jahre lang hat Oliver Kanneberg mit Familie in Kuckum am Tagebau Garzweiler II gewohnt. Im Oktober ist er umgesiedelt worden. Jetzt will er sein altes Haus von RWE zurückkaufen.

Denn die jüngste Leitentscheidung der Landesregierung haben bei den Kannebergs die Hoffnung geweckt, dass Kuckum doch noch eine Zukunft haben könnte, dass das Dorf nicht mehr den Garzweiler II-Baggern weichen muss. Der Siemens-Angestellte hat Angst, dass sein Haus umsonst abgerissen wird.

NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart gibt Hoffnung

Der Betroffene vor seinem Haus in Kuckum

Oliver Kanneberg will nach Kuckum zurückkehren

"Das tut schon weh, zu sehen, wie alles langsam verfällt", erzählt Oliver Kanneberg. Er blickt in den Garten seines ehemaligen Hauses in Kuckum. Vor zwei Jahren hat die Familie die alte Heimat verlassen und ist nach Wegberg gezogen. Doch der 55-Jährige glaubt wieder daran, dass der mehr als 1.000 Jahre alte Ort Kuckum eine Zukunft hat.

Zum Einen, weil Deutschland nach einem Karlsruher Urteil die Klimaschutzziele deutlich verschärfen muss. Zum Anderen macht die Aussage von NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart (FDP) Hoffnung. Der Politiker sagte, er könne sich vorstellen, dass die Dörfer erhalten bleiben.

Doch RWE hat die Anfrage der Kannebergs, das alte Haus zurückzukaufen, abgelehnt. Der Konzern geht weiter davon aus, dass der Tagebau Garzweiler II - wie geplant - bis 2038 benötigt wird.

Stadt Erkelenz will Klarheit

Das Haus des Betroffenen in Kuckum

Dieses Haus möchten die Kannebergs erhalten

Doch daran zweifelt auch der Erkelenzer Bürgermeister Stephan Muckel. "Wir können die Menschen nicht bis 2026 warten lassen", sagt der CDU-Politiker. Er will endlich Klarheit, zu viele Fragen sind offen: Wie groß wird der Tagebau am Ende? Welche Orte können erhalten bleiben? Kommt der Ausstieg aus der Braunkohle schon 2030?

Wie schnell das gehen kann, zeigt ein Beispiel aus dem Abbaugebiet des Tagebaus Hambach. Dort bleibt die fast schon leerstehende Ortschaft Morschenich nun erhalten. "Wenn die alten Dörfer erhalten bleiben, dann wird es auch einen anderen Namen geben. Zum Beispiel Keyenberg am See", stellt sich der Erkelenzer Bürgermeister die Zukunft vor.

Umsiedlung soll fortgesetzt werden

Fünf Erkelenzer Ortschaften sollen noch für den Braunkohletagebau Garzweiler II abgerissen werden. Doch ob es wirklich soweit kommt, dass wird erst 2026 endgültig entschieden. Dann will die NRW-Landesregierung bekannt geben, ob die Braunkohle unter Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich sowie Berverath wirklich benötigt wird für die Stromversorgung Deutschlands.

Stand: 19.05.2021, 16:23