Juden in Neuss weihen neue Synagoge ein

Juden in Neuss weihen neue Synagoge ein

Von Peter Hild

In Neuss hat die Jüdische Gemeinde feierlich ihre neue Synagoge eingeweiht. Es ist der erste Neubau in der Stadt nach der Zerstörung in der Reichspogromnacht vor über 80 Jahren.

Unter Violinenklängen und teils rhythmischem Klatschen haben rund hundert Gäste die Einweihung der neuen Neusser Synagoge gefeiert. Das jüdische Gotteshaus mit angeschlossenem Gemeindezentrum soll den rund 600 Mitgliedern aus Neuss und Umgebung eine neue Heimat bieten.

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Einweihung als besonderes Ereignis

"Es macht mich wahnsinnig stolz und glücklich, dass Neuss nun nach über 80 Jahren wieder eine Synagoge hat", sagte Projektkoordinator Bert Römgens sichtlich berührt. Auch bei vielen Gästen aus Politik und Gesellschaft überwog am Sonntag die Freude über dieses besondere Ereignis.

Gäste bei der Einweihung der Synagoge in Neuss.

Viele Gäste kamen zur Einweihung

"Gesunde Strukturen sind schnell zerstört und brauchen lange, um sie wieder aufzubauen", verdeutlichte Harry Schnabel vom Zentralrat der Juden in Deutschland die Bedeutung der Einweihung. Seit 1995 sind bundesweit nun 20 Synagogen neu entstanden, zuvor habe es kaum neue Gotteshäuser gegeben, so Schnabel. Allein in der Reichspogromnacht 1938 waren rund 2.000 Synagogen zerstört worden.

Appelle: Position gegen Antisemitismus beziehen

In vielen Reden mischten sich deshalb neben zahlreichen Glückwünschen und Dankesworten auch nachdenkliche, teils entschlossene Töne, gerade nach den Vorfällen von Hagen. "Wir dulden keinen Antisemitismus", betonte NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU). "Wir müssen als Stadtgesellschaft noch deutlicher Position beziehen und aufstehen, wenn heute jüdische Menschen Angst haben, in Deutschland zu leben", so der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer (SPD).

Ein Schrein mit geöffneten Türen, in der Mitte aufgestellt eine Rolle eingefasst in feinem Tuch

Der Tora-Schrein mit neu geschriebener Rolle

In einer kurzen festlichen Zeremonie wurde die neue geschriebene Tora-Rolle in die Synagoge getragen und im dortigen Tora-Schrein aufgestellt. Damit ist die Synagoge offiziell als Gotteshaus geweiht.

Auch einige Gemeindemitglieder aus Neuss haben die Einweihung verfolgt. "Es ist so eine Freude, das erlebt man nur einmal im Leben", erklärte Leonid Weismann, der wie viele russischstämmige Juden nach dem Fall der Sowjetunion ins Rheinland gekommen war. "Jetzt sind wir ein richtiger, anerkannter Teil der Neusser Gesellschaft."

Stand: 19.09.2021, 17:24