Große Sorge vor Einweihung der neuen Synagoge in Neuss

Die Tora-Arche steht bei der Einweihung einer neuen Tora-Rolle für die Jüdische-Gemeinde in der neuen Synagoge in Düsseldorf auf dem Bima genannten Altar.

Große Sorge vor Einweihung der neuen Synagoge in Neuss

Am Sonntag um 11 Uhr will die jüdische Gemeinde in Neuss ihre erste Synagoge nach dem Zweiten Weltkrieg einweihen. Nach dem Vorfall in Hagen sind die Sorgen um die Sicherheit jedoch groß.

"Es betrübt uns, dass so ein besonderes Ereignis durch antisemitische Vorfälle wie in Hagen überschattet wird. Viele Mitglieder sind sehr verunsichert und machen sich Sorgen", erklärte Oded Horowitz, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf, zu der die künftige Synagoge in Neuss organisatorisch gehört.

Die neue Synagoge mit angeschlossenem Gemeindezentrum soll den rund 600 Gemeindemitgliedern in Neuss und Umgebung eine neue Heimat bieten. Die Stadt Neuss hatte sich in den vergangenen Jahren stark dafür eingesetzt und den Bau auch finanziell unterstützt.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen durch Neubau

 Oded Horowitz von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf

Oded Horowitz, jüdischer Landesrabbiner

Durch den Synagogen-Neubau würden die Sicherheitsvorkehrungen grundsätzlich erhöht, sagte ein Sprecher der Neusser Polizei. Eine Überprüfung nach dem Vorfall in Hagen habe ergeben, dass diese erhöhten Schutzmaßnahmen ausreichend seien. Stadt, Gemeinde und Polizei seien dazu im ständigen Austausch.

Auch Zeev Reichard, 25 Jahre altes Gemeindemitglied aus Meerbusch, war schockiert vom Vorfall in Hagen, gerade am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. "Viele meiner Freunde und auch ich waren aber nicht verwundert, weil wir seit Jahren regelmäßig solche antisemitischen Vorfälle mitbekommen. Meine Generation ist mit dieser Gefährdungslage aufgewachsen, so dass das für mich schon fast normal ist."

Zivilgesellschaft sollte klar Position beziehen

Bert Römgens, Projektkoordinator für die neue Neusser Synagoge, sieht jetzt die Gesellschaft am Zug. Die jüdische Gemeinschaft bräuchte nach solchen Ereignissen nicht nur gute Reden, sondern auch gute Taten: Menschen, die öffentlich Position beziehen gegen Antisemitismus.

Ähnlich sieht es Matitjahu Kellig von der jüdischen Gemeinde Herford-Detmold. "Viele aus der Zivilgesellschaft bekommen solche Vorfälle zwar mit, aber gehen dann wieder zur Tagesordnung über. Wir müssen sensibilisieren, so dass die Menschen darüber sprechen."

Für Zeev Reichard sind Vorfälle wie der in Hagen ein "trauriges Phänomen", dass so noch stärker in der Gesellschaft verankert wird. Deshalb davor zurückzuschrecken, in die Synagoge zu gehen, ist für ihn keine Option: "Das hier ist unser Zuhause und das lassen wir uns von niemandem kaputtmachen."

Stand: 17.09.2021, 21:04