Hohe Sicherheitsvorkehrungen zum "Sugar-Daddy"-Prozess

Polizeibeamte sichern den Eingangsbereich des Landgerichts Bonn.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen zum "Sugar-Daddy"-Prozess

Von Tobias al Shomer und Nathalie Dreschke

  • Brisanter Prozessbeginn am Bonner Landgericht
  • Geliebte soll Entführung vorgetäuscht haben
  • Unternehmer um 1,6 Millionen Euro erpresst
  • Schwer bewaffnete Polizisten bewachen Landgericht

Mannschaftsbusse der Polizei haben am Freitag (15.11.2019) vor dem Bonner Landgericht gestanden, schwer bewaffnete Beamte mit Maschinengewehren haben die Eingänge bewacht. Das Landeskriminalamt hatte eine hohe Gefährdungsstufe ausgesprochen, der Prozess ist im abgeschlossenen Sicherheitsbereich des Landgerichts verhandelt worden.

Eine 31-jährige Frau soll über die Internetseite "Sugar-Daddy" einen reichen Geschäftsmann kennengelernt haben. Dann soll sie mit zwei Männern aus dem Rockermilieu ihren vermeintlichen Geliebten erpresst und ihm so mehr als 1,6 Millionen Euro abgenommen haben.

Die Masche soll so gelaufen sein: Die beiden mutmaßlichen Rocker treten an den Geschäftsmann heran und drohen, seine Geliebte zu entführen, zu vergewaltigen und zu misshandeln, wenn er nicht bezahle. In mehreren Tranchen zahlte der solvente "Sugar-Daddy" hohe Beträge bar bei Lösegeldübergaben, insgesamt laut Anklage 1.615.000 Euro.

Aufgeflogen durch Steuerprüfung

Bekannt geworden ist der Fall aber nicht, weil der Erpresste Anzeige erstattete, sondern bei einer Steuerprüfung des Finanzamtes. Nach WDR-Informationen staunten die Steuerfahnder nicht schlecht, als sie in den Geschäftsbüchern des Mannes auf 1,5 Millionen Euro Privatentnahmen stießen. Erst dann berichtete der 50-Jährige, dass er erpresst worden sei.

Kronzeugin sagt im "Sugar-Daddy"-Prozess aus

00:26 Min. Verfügbar bis 15.11.2020

Personenschutz für geständige Angeklagte

Die Staatsanwaltschaft Bonn ist sich sicher, dass diese Version stimmt, denn seine 31-jährige vermeintliche Geliebte hat inzwischen ein umfassendes Geständnis abgelegt. Sie ist somit eine Art Kronzeugin der Anklage. Deshalb wird sie bedroht. Die Polizei nimmt diese Drohungen so ernst, dass die Frau auch im Gerichtssaal Personenschutz bekommt. Sechs Personenschützer sitzen dem Prozess bei, begleiten die Kronzeugin sogar auf die Toilette.

Rechtsanwalt Michael Hakner verteidigt einen der beiden Angeklagten. Zu den Vorwürfen gegen seinen Mandanten will er nichts sagen. Doch ihm sind in den Ermittlungsakten einige merkwürdige Dinge aufgefallen. "Es ist doch schon sehr merkwürdig, dass die angebliche Geisel oder die bedrohte Person selbst das Lösegeld abholt oder auf das eigene Konto überwiesen bekommt. Besonders wenn die Person im Anschluss teure Uhren und Luxushandtaschen besitzt. Zudem hat der Herr ihr dann ja auch noch eine Wohnung spendiert. Das wird ein spannendes Verfahren."

Außer der Anklageverlesung passiert nicht viel im Prozessauftakt. Zwei Stunden nach Einlass in den Sitzungssaal sperrt die Polizei die Straßen und die Kronzeugin verlässt mit Blaulicht und in Begleitung ihrer Personenschützer das Gericht.

Ein Urteil wird noch in diesem Jahr erwartet.

Stand: 15.11.2019, 14:15