Quallen im Kölner Badesee

Süßwasserquallen

Quallen im Kölner Badesee

Von Nina Magoley

Derzeit trauen manche Badende ihren Augen nicht: Im Fühlinger See bei Köln wimmelt es von kleinen Quallen. Die meisten kennen die Glibbertiere nur aus dem Meer.

Quallen kennen die meisten nur als Plagegeister, die einem den Urlaub am Meer vermiesen können. Wer einmal mit einer Feuerqualle in Berührung kam, weiß, wovon die Rede ist.

Wer sich aber dieser Tage im Fühlinger See bei Köln erfrischt oder dort mit dem Stehpaddel-Board unterwegs ist, staunt nicht schlecht: Seit einigen Tagen sind dort an manchen Stellen kleine, weiße Quallen zu beobachten. Besonders entlang der Regattabahn schweben sie gleich zu hunderten durch das grünliche Wasser. Deutlich erkennbar sind ihre fast durchsichtige Hülle, die weißen Tentakeln und die typischen Pumpbewegungen.

Quallen bisher nur im Fühlinger See

Ein seltenes, aber durchaus normales Phänomen, sagt Wilhelm Deitermann vom Landesumweltamt (LANUV). In diesem Jahr seien noch in keinem anderen Gewässer in NRW bisher Quallen gesehen worden.

Süßwasserqualle vor blauem Hintergrund

Einwanderer aus dem Jangtse-Fluss

Auch beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wusste man bisher nichts von den weißen Medusen im Fühlinger See. Es handele sich wohl um die Süßwasserqualle Craspedacusta sowerbii, erklärt der NRW-Vorsitzende Holger Sticht. Sie sei 1880 erstmals in Europa - in einem Londoner Parksee - entdeckt worden und wahrscheinlich aus Ostasien durch den Menschen hierher gelangt. Als Ursprungsort wird der Jangtse-Fluss in China vermutet.

Eingeschleppt aus China

In Deutschland tauchte die kleine Qualle in den 1930er Jahren das erste Mal auf, 1956 wurde sie im Dornheckensee bei Bonn gesehen. Seitdem wurde Craspedacusta sowerbii immer mal wieder in Kiesgrubenseen oder anderen stehenden Gewässern entdeckt - hauptsächlich im Rhein-Main-Gebiet und entlang der Donau.

Polyp einer Süßwasserqualle

Polyp einer Süßwasserqualle unter dem Mikroskop

Aus ihrer Heimat hat die Qualle wohl auch die Vorliebe für Wärme mitgebracht: Erst ab 25 Grad Wassertemperatur kann sich das kleine Glibbertier entwickeln - dann aber direkt explosionsartig, wie jetzt im Fühlinger See. Was aber nicht heißt, dass die Quallen nicht vorher schon vor Ort waren: Reicht ihnen die Temperatur im Wasser nicht aus, können sie jahrelang als nur millimetergroße Polypen am Gewässergrund festsitzen.

Heißer Sommer weckte die Quallen

Erst wenn die Temperaturen steigen, beginnen sie ihren Fortpflanzungszyklus. Und so brauchte es einen ungewöhnlich heißen Sommer wie diesen, damit die schlummernden Quallenpolypen im Fühlinger See erwachen konnten.

"Die Medusen und auch die Polypen sind für den Menschen völlig harmlos", versichert LANUV-Sprecher Deitermann. Und: Wenn die heiße Zeit vorbei ist und sich der See wieder abkühlt, verschwinden auch die weißen Quallen aus dem Wasser.

Stand: 09.08.2018, 12:43