Stunksitzungs-Saison endgültig abgesagt

Sitzungspräsidentin Biggi Wanninger (Mitte) moderiert die Stunksitzung im E-Werk Köln

Stunksitzungs-Saison endgültig abgesagt

Von Jochen Hilgers

Die alternative Karnevalssitzung "Stunksitzung" im E-Werk ist für diese Session als Live-Veranstaltung endgültig abgesagt. Das hat das Ensemble mitgeteilt.

In dieser Karnevalssession wird es keine Stunksitzung geben. Das Ensemble hat heute ihre alternative Sitzung endgültig abgesagt.  Es wäre die 38. Auflage gewesen.

Viele Gags, Sketche und Moderationen waren bereits geschrieben, sagt Sitzungspräsidentin Biggi Wanninger. Jetzt wird mit dem WDR zusammen überlegt, wie die Stunksitzung zumindest mit Hilfe von Konserven im Fernsehen gesendet werden kann.

Hoffen auf abgespeckte Version

Biggi Wanninger steht mit Ensemblemitglied und Pressesprecher Winni Rau im großen völlig leeren Saal des Kölner E-Werks. Die Leere fühle sie derzeit auch in ihrem Kopf, sagt Wanninger. Bis zuletzt habe sie mit ihren Künstlerkollegen gehofft eine abgespeckte Version der Sitzung zur Aufführung bringen zu können - vergebens.

Zunächst sei mit 500 Zuschauern geplant worden, dann mit 250. Man habe alles bereits mit reduzierten Publikum geprobt, so Wanninger. Jetzt sei die Unsicherheit so groß, dass nur eine Komplettabsage möglich sei.

24 Ensemble-Mitglieder und rund 50 Techniker und Helfer seien betroffen. Die meisten seien jetzt ohne Job bis ins kommende Frühjahr, sagt Winni Rau.

Keine Überbrückungshilfen

Bei den Stunkern kommen die Überbrückungshilfen der Bundesregierung so gut wie nicht an. Sie gelten für die Monate November und Dezember. Den Kulturbetrieben werden in den Monaten zum Teil die entgangenen Einnahmen ersetzt.

Die Stunksitzung generiert aber fast seinen gesamten Jahresumsatz ausgerechnet im Oktober beim Kartenvorverkauf. So kommen sie nicht in den Genuss von Überbrückungshilfen, sagt Winni Rau. Besser sei es daher, die Überbrückungshilfen auf das jeweilige Geschäftsjahr zu berechnen.

Planung für das WDR-Fernsehen

Mit dem WDR-Fernsehen werde laut Biggi Wanninger derzeit überlegt, wie die Stunksitzung wenigstens ins Fernsehen kommt.

Denkbar sei zum Beispiel ein „Best of“ mit frisch eingesprochenen Moderationen. Oder neue Sketche mit Abstand  der Künstler untereinander und natürlich ohne Publikum. In dieser Woche wolle man sich zusammensetzen.

Alles Private bereits erledigt

Biggi Wanninger macht dennoch einen geknickten Eindruck. „Ich beneide jeden, der heutzutage arbeiten darf. Es gibt dem Tag Struktur“, meint Wanninger.

Das habe sie nicht, sagt die Chef-Stunkerin. Sie wisse schon gar nicht mehr, welche Tische sie zu Hause noch abschmirgeln solle. Alle möglichen privaten Tätigkeiten habe sie längst erledigt.

Stand: 07.12.2020, 18:26