Strukturwandel - RWE und Land NRW unterschreiben Vertrag

Für den Strukturwandel - Land und RWE wollen Flächen gemeinsam vermarkten

Stand: 21.02.2022, 16:07 Uhr

Das Land NRW und die RWE Power AG haben in Bergheim einen Vertrag über eine gemeinsame Gesellschaft unterschrieben. Das Unternehmen soll im Rheinischen Revier RWE Grundstücke vermarkten, die der Energiekonzern nach dem Kohleausstieg nicht mehr nutzen will.

Von Stephan Pesch

Insgesamt geht es um eine Gesamtfläche von etwa 200 Hektar. Dazu gehören beispielsweise die Tagesanlagen mit Werkstätten und Lagerflächen am Tagebau Hambach bei Niederzier, das Kraftwerk Neurath in Grevenbroich sowie ein RWE Grundstück zwischen den Bergheimer Stadtteilen Niederaussem und Rheidt. Hier war vor wenigen Jahren noch ein neues Braunkohlekraftwerk geplant. Jetzt soll die so genannte "Perspektive.Struktur.Wandel GmbH", kurz PSW, alle Flächen so parat machen, dass sie als Gewerbe- und Industriegebiete verkauft und damit neu genutzt werden können. Damit soll der Strukturwandel im Rheinischen Revier weiteren Schwung bekommen, sagt das Land NRW.

Standorte für Industrie und Gewerbe

Laut RWE sind alle Kraftwerks- und Tagebaustandorte an Bundesstraßen oder an das rheinische Autobahnnetz angeschlossen. Damit seien die Flächen hervorragend für industrielle Nachnutzung oder gemischt genutzte Gewerbegebiete geeignet, ergänzt Landesbauministerin Ina Scharrenbach. Die CDU Politikerin geht davon aus, dass bis zu 5.000 neue Arbeitsplätze entstehen könnten. "Die neue Gesellschaft wird maßgeblich an der Umsetzung des Kohleausstiegsgesetzes und des Strukturstärkungsgesetzes mitwirken. Die Gesellschaft ist zu den ausgewählten Standorten zentraler Ansprechpartner für die Städte und Gemeinden und bündelt alle relevanten Informationen zur Entwicklung der Flächen", ergänzt Ministerin Scharrenbach nach der Unterzeichnung des Vertrages. Der Sitz der PSW soll das Bergheimer Schloss Paffendorf werden, das sich im Eigentum von RWE befindet. 49 Prozent der Anteile hält RWE, 51 Prozent das Land NRW.

Protest von kohlekritischen Gruppen

Strukturwandel - RWE und Land NRW unterschreiben Vertrag

Doch kaum gegründet, gibt es auch schon Kritik an dem neuen Unternehmen. Während drinnen im Schloss Paffendorf der Vertrag zur neuen Strukturwandel-Entwicklungsgesellschaft unterschrieben wird, protestieren draußen etwa 20 Demonstranten.

Strukturwandel - RWE und Land NRW unterschreiben Vertrag

Der Aachener Waldpädagoge und Naturführer Michael Zobel

Es sind Mitglieder von kohlekritischen Gruppen aus dem gesamten Rheinischen Revier. Auch Michael Zobel ist dabei. Den Wald-Pädagogen und Naturführer aus Aachen ärgert, dass RWE  und das Land NRW beim Strukturwandel gemeinsame Sache machen. "Wir kämpfen eigentlich seit Jahren gegen diese unglaubliche Verquickung von Politik- und Konzerninteressen. NRWE ist so ein Schlagwort, mit dem wir auf die Straße gehen. Es kann nicht sein, dass ein Land, dass eigentlich die Aufsichtsbehörde ist, auch für so einen Konzern, gemeinsam eine GmbH gründen." kritisiert Michael Zobel.

Revier Bürgermeister hoffen auf schnelle Nachnutzung

Doch die Bürgermeister im Rheinischen Revier unterstützen die neue Strukturwandel Entwicklungsgesellschaft, so beispielsweise auch Martin Mertens, Verwaltungschef von Rommerskirchen.

Seine Gemeinde teilt sich mit der Nachbarstadt Grevenbroich eine Erweiterungsfläche für das RWE BoA plus Kraftwerk Neurath. "Wir wollen hier Arbeitsplätze kompensieren, die in den Kraftwerken wegfallen, beispielsweise im Bereich der erneuerbaren Energien oder der Elektromobilität. Wir haben die Aluminiumindustrie und die Chemieindustrie direkt nebenan und wenn wir darüber nachdenken, dass dort Batterien produziert werden können, dann ist das eine zukunftsträchtige Geschichte", so der 39-jährige Rommerskirchner.

Die ersten RWE Flächen sollen bereits ab dem Jahr 2025 für den Strukturwandel im Rheinischen Revier zur Verfügung stehen. 

Strukturwandel verändert auch die Dörfer

WDR Retro ∙ Spezial 22.08.1961 16:19 Min. Verfügbar bis 31.12.2099 WDR Von Günther Ernst