Neue Mega-Stromtrasse soll Nordsee-Windstrom nach NRW bringen

Hohen Stromleitung bei blauem Himmel

Neue Mega-Stromtrasse soll Nordsee-Windstrom nach NRW bringen

Über eine neue Stromleitung soll Windstrom von der Nordsee bis ins Rheinland transportiert werden. Jetzt steht der Routenverlauf fest. Unumstritten ist das Mega-Projekt nicht.

Die Bundesnetzagentur hat am Montag den Verlauf der geplanten "Stromautobahn" bekanntgegeben. Sie soll im Rahmen der Energiewende den im hohen Norden produzierten Windstrom in den Süden transportieren, wo der Bedarf am höchsten ist.

Kosten von rund zwei Milliarden Euro

Eine Grafik zeigt den Trassenkorridor der Stromtrasse durch NRW

"Wir machen weiter Tempo beim Netzausbau", sagte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Die Genehmigungsbehörde folgt weitestgehend dem Vorschlag des Übertragungsnetzbetreibers Amprion, der die Stromleitung plant und baut.

Wird der Strom noch teurer?

Energiewirtschafts-Experten gehen davon aus, dass die zwei Milliarden Euro Kosten für die Trasse über die Netzentgelte umgewälzt werden. Das schürt Sorgen der Verbraucher, dass die Strompreise in Deutschland - derzeit schon die höchsten in Europa und in der Welt - sich auf dem hohen Niveau halten oder weiter steigen.

Der Bundesrechnungshof äußerte sich zur Umsetzung der Energiewende jüngst so: "Ein hoher Aufwand verbunden mit erheblichen Ausgaben und Kosten ist weiterhin ein Kernelement der Energiewende." Und er fügte an, "dass eine zuverlässige und preisgünstige Versorgung von privaten Haushalten und Wirtschaft mit Strom zunehmend fraglich" sei.

Öffentlichkeit soll an Planung umfassend beteiligt werden

Die Öffentlichkeit soll allerdings umfassend am Planfeststellungsverfahren beteiligt werden. In diesem Genehmigungsschritt wird der genaue Leitungsverlauf innerhalb des Trassenkorridors festgelegt. Laut Amprion sollen die ersten Bauarbeiten Ende 2023, Anfang 2024 starten und etwa drei Jahre dauern.

Nach den ursprünglichen Planungen sollte die Leitung im Jahr 2025 in Betrieb gehen. Im neuesten Netzentwicklungsplan hat Amprion aber vorsichtshalber das Jahr 2027 als Alternative aufgeführt.

Amprion will Landwirte entschädigen

Der Trassenkorridor, in den die Kabel verlegt werden, wird bis zu einem Kilometer breit sein und damit erhebliche Eingriffe in die Natur zur Folge haben. Dieser Aspekt hatte in der Vergangenheit immer wieder zu Bürgerprotesten geführt.

Amprion schätzt grob, dass entlang der Trasse in NRW rund 2.000 Eigentümer von den Baumaßnahmen betroffen sind. Das Unternehmen kündigte an, Landwirte im Münsterland und am Niederrhein während der etwa dreijährigen Bauzeit für Flächen- und Ernteausfall zu entschädigen.

Umweltschützer: Warum keine regenerativen Energien im Süden erschließen?

Jürgen Kruse vom Waldschutz-Bündnis Steinfurt/Borken äußerte gegenüber dem WDR die Befürchtung, dass womöglich für den Bau der Trasse "ganz wertvolle Waldpartien geopfert werden". Umweltschützer müssten die Frage stellen dürfen, "ob man wirklich Strom von der Nordsee nach beispielsweise Bayern herunter transportieren muss oder man nicht eher dafür sorgen kann, dass auch im Süden genug regenerative Energien erschlossen werden".

Zudem könnten nur große Konzerne solche Trassen-Projekte finanzieren: "Wäre es nicht sinnvoller und demokratischer, ganz viele und kleine Lösungen vor Ort mit Bürgerbeteiligung in Form von Energiegenossenschaften zu haben? Dann hätte man auch eine größere Akzeptanz für Windenergie", so Kruse.

Stromautobahn von Borken bis Meerbusch-Osterath

Für die Höchstspannungsleitung A-Nord legte die Bundesnetzagentur einen rund 102 Kilometer langen Trassenkorridor fest. Dieser soll bei Borken beginnen, südlich von Bocholt verlaufen und den Rhein bei Rees queren, weil dort laut Amprion weniger Siedlungsbereiche betroffen sind.

Auch seien dort weniger Leitungskreuzungen mit der gerade fertiggestellten Zeelink-Gasleitung nötig als bei der zuvor diskutierten Querungsvariante bei Voerde/Rheinberg. Linksrheinisch verläuft der Korridor zwischen Uedem und Kerken sowie östlich von Kempen und nördlich von Willich.

Südlich von Meerbusch-Osterath soll der Trassenkorridor die beiden möglichen Konverterstandorte und das Umspannwerk Meerbusch-Osterath erreichen. A-Nord soll eine Übertragungsleistung von zwei Gigawatt haben, was laut Amprion einem Bedarf für rund zwei Millionen Menschen entspricht beziehungsweise der 1,5-fachen Leistung eines mittelgroßen Atomkraftwerks.

Auch Leitung durch Neuss nach Bergheim

Der festgelegte rund 30 Kilometer lange Abschnitt für Ultranet soll in Osterath beginnen und südwestlich durch Kaarst und Neuss verlaufen. Der Abschnitt endet in Bergheim am Umspannwerk Rommerskirchen. Die Leitung soll insgesamt bis nach Philippsburg im Süden verlaufen.

Stand: 07.06.2021, 20:01