Verbraucherzentrale mahnt Grundversorger ab - Streit nach Stromio-Kündigungen

Hohe Strompreise beim Grundversorger Lokalzeit Bergisches Land 13.01.2022 16:42 Min. Verfügbar bis 20.01.2022 WDR Von Timo Spicker

Verbraucherzentrale mahnt Grundversorger ab - Streit nach Stromio-Kündigungen

Von Timo Spicker

Die Verbraucherzentrale NRW wirft drei Grundversorgern die Benachteiligung von Stromkunden vor. Es geht vor allem um Neukunden, die bisher beim Anbieter Stromio waren und denen im Dezember gekündigt worden war. Die Verbraucherzentrale droht mit rechtlichen Schritten.

Caterina Essberger-Brenscheidt, ehemalige Stromio-Kundin

Caterina Essberger-Brenscheidt

Namentlich hat die Verbraucherzentrale die Unternehmen Rheinenergie, Stadtwerke Gütersloh und die Wuppertaler WSW Energie & Wasser abgemahnt. Im Zuge der Kündigungen von Stromdiscounter Stromio waren betroffene Verbraucher auf die Zulieferung durch die Grundversorger angewiesen. Dort zahlen sie im Vergleich zu ihrem alten Tarif häufig kräftig drauf, teils sogar deutlich mehr als Bestandskunden. Das erlebte auch die Wuppertalerin Caterina Essberger-Brenscheidt.

Sie war bis Dezember beim Stromanbieter Stromio. Nachdem das Unternehmen mit fragwürdiger Begründung - "aufgrund der historisch einmaligen Preisentwicklung im Strommarkt" - auch ihren Vertrag gekündigt hatte, fand sich auch die Wuppertalerin in der sogenannten Ersatzversorgung wieder.

Grundversorger fangen Stromio-Kunden auf - mit deutlichen teurer Tarifen

Die Ersatzversorgung übernehmen die Grundversorger. Sie stellen sicher, dass niemand im Dunkeln oder Kalten sitzt. Die Ersatzversorgung übernehmen die Versorgungsunternehmen vor Ort mit den meisten Strom- bzw. Gaskunden, in Wuppertal die WSW. Die Stadtwerke haben dort nach eigenen Angaben etwa 3.000 ehemalige Stromio-Kunden aufgefangen.

Ein Bild der WSW-Zentrale in Wuppertal von vor dem Gebäude

Die WSW stehen aber, wie andere Grundversorger, etwa die genannten Rheinenergie und die StadtwerkeGütersloh, in der Kritik. Sie verlangen von ihren Neukunden, also auch von all denen, die sie von Stromio übernommen haben, deutlich mehr als von ihren alten Kunden. Konkret am Beispiel Wuppertal: Während Bestandkunden 30,5 Cent pro Kilowattstunde Strom zahlen müssen, sind es für Neukunden 82,97 Cent.

Verbrauchzentrale droht mit rechtlichen Schritte an - Stadtwerke wehren sich

Die Verbraucherzentrale hält eine solche Aufsplittung des Grundversorgungstarifes für widerrechtlich. Die drei von der Verbraucherzentrale abgemahnten Unternehmen sind keineswegs die einzigen, die so verfahren. In einer heute veröffentlichen Stichprobe verlangen 18 von 23 Unternehmen von Neukunden höhere Strompreise als bei Bestandskunden. Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung nennt das die Verbraucherzentrale NRW. Sie fordert die Stadtwerke auf, die Tarife zu ändern. Anderfalls wolle sie sich eine Klage vorbehalten.

Die Wuppertaler Stadtwerke rechtfertigen ihre Tarife mit den hohen Strom- Beschaffungskosten. Für die ehemaligen Stromio-Kunden hätte zusätzlicher Strom eingekauft werden müsse. Die teuren Tarife spiegelten lediglich die derzeit hohen Einkaufspreise wider. Caterina Essberger-Brenscheidt überzeugt das nicht. Sie hat sich inzwischen einen anderen Stromanbieter gesucht.

Stand: 14.01.2022, 10:42

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