Kölner Forscherinnen gewinnen Strom aus Stausee-Schlamm

Stand: 29.06.2022, 16:15 Uhr

Forscherinnen unter anderem der TH Köln haben eine Methode entwickelt, mit der man klimaschädliches Methangas aus Stauseen absaugen und zur Energieproduktion nutzen kann.

Von Oliver Köhler

Die Stauseen bei uns im Bergischen Land, im Sauer- und Siegerland sind beliebte Ausflugsziele. Nur wenige Besucher ahnen, dass die Seen auch große Klimakiller sind. Am Grund der Stauseen sammelt sich nämlich Schlamm und der muss regelmäßig weggeschafft werden. Dabei kommt dann aber klimaschädliches Methangas an die Oberfläche. Methan ist 25-mal klimaschädlicher als Kohlendioxid.

Die Forscherinnen der TH Köln und eines Spezialunternehmens aus dem Ruhrgebiet arbeiten jetzt einer Lösung. "Wir können die Talsperren sauber halten und dabei aus dem Methan auch noch Strom gewinnen", sagen sie.

Strom aus Schlamm: Testanlage auf der Wupper-Vorsperre

Die Testanlage für die neue Technik ist zurzeit auf der Wupper-Vorsperre im Bergischen Land im Einsatz. Sie sieht aus wie ein Floß, auf dem Schläuche, Leitungen, Computer, Seilwinden und jede Menge Schalter und Hähne verbaut sind.

Der Saugkopf, das Herzstück der Anlage. | Bildquelle: WDR/Oliver Köhler

Am Grund der Wupper-Vorsperre hat sich Schlamm abgesetzt, in dem Blätter und Äste verfaulen. Dabei bildet sich Methangas. Die Anlage der Forscherinnen saugt Schlamm vom Grund. Ein spezieller Saugkopf soll dabei das Methangas aufnehmen.  

"Das ist quasi das Herzstück der Anlage", sagt Julia Außem, Projektleiterin des Spezialunternehmens D-Sediment: "Wenn der Saugkopf Kontakt mit dem Sediment hat, wirbeln wir Methangas auf und das wollen wir auffangen und speichern."

Bundesregierung unterstützt Forschung der TH Köln

Klingt einfach. Aber der Teufel steckt bei dieser völlig neuen Technik im Detail. In diesem von der Bundesregierung geförderten Projekt wollen die Forscherinnen unter anderem den Einsatz des Saugkopfs Stück für Stück verbessern.

Die Forscherinnen befestigen die Schläuche der Saugpumpe. | Bildquelle: WDR/Oliver Köhler

"Wir müssen vor allen Dingen dafür sorgen, dass der Saugkopf gerade im Wasser steht", sagt Projektleiterin Julia Außem. "Wenn er sich schräg stellt, verfehlen wir das Ziel, das nach oben aufsteigende Gas aufzusammeln, dann gehen die Gasblasen daran vorbei." Zurzeit müssen die Forscherinnen alle Einstellungen mit Seilen per Hand vornehmen. Irgendwann soll das Meiste elektronisch gesteuert werden.

Los geht´s: Ein Elektromotor zieht die Forschungsplattform über die Wupper-Vorsperre. Erste Methangas-Blasen vom Grund des Stausees strömen durch dicke Schläuche in die Messeinrichtungen der Wissenschaftlerinnen. Die Geräte zeigen: Der Saugkopf kommt am Grund des Sees jetzt richtig in Schwung. Die Anlage läuft fast perfekt.

Oben unter der Decke hängen die provisorischen Methan-Tanks. Sie füllen sich langsam. "Wir machen jetzt gerade Untersuchungen, wieviel Methan wir entnehmen können, wieviel wir speichern können und wieviel wir verwerten können", berichtet Kristina Heesen, Projektleiterin der Technischen Hochschule Köln.

Wieviel Energie aus Methan gewonnen werden kann, ist noch nicht bekannt

Die ersten Methangas-Speicher unter der Decke des Floßes sind fast gefüllt. Zeit, das Gas zu nutzen. Die Technikerin Jessy Schubert hat bei einem handelsüblichen Elektrogenerator die Luftzufuhr ein wenig gedrosselt. Statt mit Benzin kann sie den Generator jetzt mit dem Methangas aus der Wupper-Vorsperre starten. Der Motor läuft und produziert Strom. Die Wissenschaftlerinnen haben einen Tisch mit verschieden starken Glühlampen ausgestattet. Insgesamt bringen sie problemlos 800 Watt zum Leuchten.

Künftig könnten beispielsweise die Pumpen für das Absaugen des Schlamms aus den Talsperren mit dem Methan betrieben werden, sagen die Forscherinnen. Wieviel Energie in Zukunft aus dem Schlamm von Stauseen gewonnen werden kann, müssen Wissenschaftler noch herausfinden.