Uniklinik Düsseldorf: Ärger um neue Dienstpläne

Krankenpflegerinnen schieben ein Bett durch einen Krankenhausflur

Uniklinik Düsseldorf: Ärger um neue Dienstpläne

Von Julia Linn

  • Streit um Dienstpläne an der Düsseldorfer Uniklinik
  • Pfleger und Personalrat fühlen sich übergangen
  • Patientenwohl sei gefährdet

An der Uniklinik Düsseldorf gibt es Streit um neue Dienstpläne. Pfleger und der Personalrat schlagen Alarm: Die neuen Arbeitszeiten gingen auf Kosten der Patientenversorgung.

Nach dem neuen Plan, der seit diesem Jahr gilt, arbeiten die Pfleger und Physiotherapeuten nun statt 8,1 nur 7,7 Stunden täglich. Dabei bleibt die Arbeitszeit pro Woche allerdings gleich, sie wird nur anders verteilt.

"Das ist eine massive Verschlechterung für mich und meine Kollegen", meint Melina Marquez, die auch im Personalrat aktiv ist. "Es fallen dadurch für uns zwölf freie Tage im Jahr weg. Alternativ sind es nur etwa 20 Minuten, die wir pro Tag früher nach Hause gehen dürften."

Patienten bleiben auf der Strecke

Das größte Problem: Die Schichtzeiten überlappen sich jetzt weniger. Statt 45 sind es nur noch 30 Minuten. Für die Übergabe bleiben aber nur 15 Minuten.

Eine junge Frau im Interview.

Krankenschwester Melina Marquez

"Dadurch fallen teilweise wichtige Patienteninformationen weg. Die Kollegen hetzen nur noch durch die Gegend“, erzählt Melina Marquez. „Das Patientenwohl kann dadurch unter Umständen gefährdet sein.“
Auch andere Pfleger bestätigen diese Probleme. Sie wollen allerdings aus Angst um ihre Jobs anonym bleiben.

Uniklinik kann Vorwürfe der Pfleger nicht nachvollziehen

Die Klinikleitung hatte mit der Einführung der neuen Pläne eigentlich das gegenteilige Ziel. Die Bedenken der Pfleger könne der Vorstand nicht nachvollziehen, denn auch an anderen deutschen Krankenhäusern funktioniere dieses Modell, sagt Stefan Dreising, Sprecher der Uniklinik.

„Wir reduzieren die tägliche Arbeitszeit – das heißt in der Summe stehen dadurch viel mehr Dienste zur Verfügung, die dann zu einer besseren Planbarkeit, aber auch zur Entlastung beitragen.“ So würden 50 volle Stellen zusätzlich abgedeckt.

Personalrat fühlt sich übergangen

Der Personalrat hat den Plänen der Uniklinik nicht zugestimmt. Dass die neuen Schichtzeiten trotzdem eingeführt wurden, hält der Personalrat für rechtswidrig und hat eine einstweilige Anordnung beim Verwaltungsgericht beantragt.

Dazu kommt: Die Dienstpläne wurden sehr kurzfristig herausgegeben. Dass ab dem 1. Januar neue Arbeitszeiten gelten, haben viele Pfleger erst vier Tage vorher erfahren. Einige haben deshalb sogar Klage beim Arbeitsgericht eingereicht.

Kundgebung an der Uniklinik bezüglich Warnstreik

An der Uniklinik hatte es zuletzt immer wieder Streiks des Pflege-Personals gegeben

Chaos auf den Stationen

Auf den Stationen führen die neuen Dienstpläne vor allem zu einem: Chaos. „Zum Teil gibt es mittlerweile vier verschiedene Dienstpläne. Kolleginnen kommen zum Dienst, hören dann, dass sie eigentlich einen anderen Dienst hätten“, erzählt der Personalratsvorsitzende Manfred Koerbel-Landwehr.

Auch dass Pfleger gar nicht zum Dienst erscheinen, sei schon passiert. Alle Seiten hoffen, dass sich das Durcheinander bald legt und die Lage für Pfleger und Patienten besser wird. Melina Marquez hat da allerdings wenig Hoffnung. Viele Kollegen würden sich schon nach Alternativen umschauen. "Es ist momentan körperlich und psychisch einfach nicht mehr machbar."

Stand: 12.01.2018, 13:24