Streit um Löschteiche in Windeck beigelegt

Das Bild zeigt einen brennenden Wald.

Streit um Löschteiche in Windeck beigelegt

Von Christoph Hensgen

Abgestorbene Fichten, trockene Böden - die Feuerwehr in Windeck warnt vor großer Waldbrandgefahr. Im Ernstfall fehlt zur zeit das notwendige Löschwasser, weil die Löschteiche verschlammt sind. Naturschützer warnen vor Gefahren bei der Sanierung. Der Rhein-Sieg-Kreis lässt die Teiche nun ausbaggern.

Daniel Walter begleiten die Sorgen rund um die Uhr – und bis in den Schlaf. Die Angst vor Bränden in Nutscheid und Leuscheid, zwei riesigen Waldgebieten rund um Windeck, bereiten dem Einsatzleiter der Feuerwehr unruhige Nächte. „Wir brauchen das Wasser in den Löschteichen nicht morgen, nicht heute, sondern gestern“, sagt er.

Löschteiche sind verschlammt und haben kaum noch Wasser

Das Problem ist nicht neu. Die meisten der in den 70er Jahren angelegten Löschteiche in Nutscheid sind verschlammt und ausgetrocknet. Für den Notfall halten sie kaum noch Wasser bereit, weil sie seit ein paar Jahren aus Naturschutzgründen nicht mehr abgelassen oder ausgebaggert wurden.

Nach Jahren extremer Trockenheit und permanent hoher Waldbrandgefahr hatten sich die verantwortlichen Behörden jetzt zusammengesetzt. Die Umweltbehörde des Rhein-Sieg-Kreises, die Landesbehörde Wald und Holz und die Gemeinde Windeck kamen überein: Die Teiche müssen ausgebaggert und saniert werden, damit die Feuerwehr im Ernstfall Wasser zum Löschen hat.

Die Brandbekämpfer befürchten ein ähnliches Horror-Szenario erleben zu müssen, wie 2020 im Oberbergischen, als Flammen 22 Hektar Wald zerstörten. „Es geht nicht nur um den Verlust des Waldes“, sagt Daniel Walter. „Das Feuer würde auch ganze Ortschaften und damit Menschenleben bedrohen.“

Als der Wald im Westen brannte Heimatflimmern 16.04.2021 43:59 Min. UT AD Verfügbar bis 14.04.2022 WDR Von Brigitte Büscher, Benjamin Braun

BUND warnt vor möglichen Umweltschäden

Der BUND ist nicht gegen die Nutzung der Teiche als Löschteiche. Aber er warnt vor möglichen Umweltschäden durch die Sanierung. Weil es nach den Vorgaben der Bundesbodenschutz-Verordnung verboten sei, den Schlamm aus den Löschteichen auf Waldböden auszubringen.

„Der könnte durch Schadstoffe belastet sein“, sagt Paul Kröfges vom BUND. Das müsse deshalb erst gutachterlich untersucht werden. Und dann erst könne juristisch entschieden werden. Eine mögliche Lösung sei die Verbringung in der Landwirtschaft als Kompost. Oder es wäre zu prüfen, inwieweit eine Ausnahme von der Brandschutzverordnung denkbar sei.

„Wir sind grundsätzlich für den Brandschutz. Aber man kann ja auch nicht einfach über eine Rote Ampel fahren, wenn gerade keiner hinschaut“, so Kröfges gegenüber dem WDR.

Diese Bedenken hat der Rhein-Sieg-Kreis im Rahmen der aktuellen Diskussion inzwischen eingehend geprüft und aus Gründen bodenschutzrechtlicher Vorsorge entschieden, dass die anfallenden Schlämme nur außerhalb der Wald- und Schutzgebiete und unter Einhaltung der entsprechenden umweltrechtlichen Standards verwertet bzw. entsorgt werden dürfen.

Bürgermeisterin: Bevölkerungsschutz hat Vorrang

Auch Windecks Bürgermeisterin Alexandra Gauß (Grüne) ist besorgt:

„Natürlich treffen da Naturschutz und Katastrophenschutz aufeinander. Aber hier hat der Bevölkerungsschutz Vorrang. Wir brauchen das Löschwasser dringend. Eine kleine Unachtsamkeit kann einen Waldbrand auslösen – und wir haben durch die Pandemie dreimal mehr Menschen, die durch unsere Wälder laufen.“

Worte, die die Windecker Feuerwehrleute gerne hören dürften. Entsprechend des vorgesehenen Zeitplans sollen die Teiche nun ausgebaggert werden, so der Rhein-Sieg-Kreis. Bis es soweit ist, wird Einsatzleiter Daniel Walter noch einige unruhige Nächte haben.

Hinweis: In einer früheren Version hatten wir die Position des BUND etwas verkürzt wiedergegeben. Dies haben wir korrigiert. Die Position des Rhein-Sieg-Kreises haben wir ergänzt.

Stand: 18.06.2021, 09:38

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