Real-Mitarbeiter streiken vor Metro-Konzern in Düsseldorf

Real-Mitarbeiter streiken vor Metro-Konzern in Düsseldorf

Von Patrick Gruben

  • Rund 3.000 Real-Mitarbeiter streiken in Düsseldorf
  • Demonstration vor Metro-Zentrale
  • Mitarbeiter haben Angst um ihre Zukunft

"Wir sagen Nein", schallt es am Montag (26.11.2018) immer wieder von der Bühne, die extra für die rund 3.000 streikenden Real-Mitarbeiter vor dem Metro-Konzern in Düsseldorf aufgebaut wurde. "Nein" sagen sie, weil Real im Frühjahr den Verdi-Flächentarifvertrag verlassen hat.

Neu eingestellte Mitarbeiter werden jetzt nach einem Tarifvertrag mit der Gewerkschaft DHV bezahlt. Dieser ist für das Unternehmen deutlich günstiger. Die Streikenden beklagen aber, davon kaum leben zu können. Eine Gruppe aus Bremen erzählt, sie habe sogar Geld gesammelt, um einem Kollegen die Fahrt nach Düsseldorf zu bezahlen.

Streik trotz langer Anreise

Rund 3.000 Real-Beschäftigte streiken vor der Metro-Zentrale in Düsseldorf

Rund 3.000 Real-Beschäftigte streiken vor der Metro-Zentrale in Düsseldorf

Aus ganz Deutschland sind Real-Mitarbeiter zur Düsseldorfer Zentrale gekommen. Eine Gruppe aus Passau ist um zwei Uhr morgens losgefahren. Viele hier ärgern sich nicht nur über ihre Bezahlung, sie fürchten auch die Konsequenzen durch den Verkauf von Real. Metro hatte Mitte September 2018 angekündigt, die Handelskette Real verkaufen zu wollen.

Bundesarbeitsminister Heil bekundet Solidarität

Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) ist nach Düsseldorf gekommen, spricht die Demonstranten mit "Kolleginnen und Kollegen" an. Politik mische sich eigentlich nicht in aktuelle Tarifverhandlungen ein, sagt er, aber er wolle ein Zeichen setzen. "Es geht insgesamt im Handel darum, dass wir wieder mehr Tarifbindung brauchen", so Heil. Die Entwicklung mache ihn traurig, da Metro und Real immer gute Vorbilder gewesen seien.

"Es ist immer schlimmer geworden", schimpft ein Mitarbeiter aus Bremen, der seit acht Jahren für Real arbeitet. Er müsse immer mehr Überstunden machen. Immer mehr Kollegen würden über Zeitarbeitsfirmen beschäftigt.

Die Tarifbindung als Auslaufmodell

100 Jahre nach ihrer Gründung droht die Tarifautonomie zum Auslaufmodell zu werden. Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg unterlagen 2016 nur 29 Prozent der Unternehmen in Deutschland der Tarifbindung. 2005 waren es noch 37 Prozent. Immer weniger Arbeitnehmer werden nach Tarif bezahlt: 2016 galten für knapp 48 Prozent der Beschäftigten Branchentarifverträge, fünf Jahre zuvor noch für 51 Prozent.

Arbeitgeber und Gewerkschaften machen die Frage der Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen unter sich aus. Zuletzt waren Rufe aus der Politik, darunter von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), laut geworden, die Tarifbindung wieder zu stärken.

Real-Filialen trotz Streik geöffnet

Bundesarbeitsminister Heil beim Streik der Real-Beschäftigten vor dem Metro-Konzern in Düsseldorf

Bundesarbeitsminister Heil beim Streik vor dem Metro-Konzern

Trotz des bundesweiten Streikaufrufes seien alle Geschäfte planmäßig geöffnet worden, sagte ein Metro-Sprecher. Es gebe keine Beeinträchtigungen. Allerdings ertönte es um kurz vor zwölf aus den Lautsprechern: "Wie ich gerade erfahre, sind die Frischetheken in Hamm dicht!" Die Streikenden reagierten mit großem Jubel.

Insgesamt sind 34.000 Mitarbeiter bei Real beschäftigt. "Es hätten ruhig mehr Leute hier sein können", finden einige der Streikenden. Am Mittwoch (28.11.2018) werden alle wieder bei der Arbeit sein. Manche werden sich dann "vielleicht blöde Sprüche anhören" dürfen, sagte ein Streikender.

Stand: 26.11.2018, 18:44