Umbenennung des Bonner Hindenburgplatzes löst Debatte aus

Der Bonner Hindenburgplatz wird umbenannt - Wie viel Namenstilgung darf sein? 02:36 Min. Verfügbar bis 28.09.2022

Umbenennung des Bonner Hindenburgplatzes löst Debatte aus

Von Sebastian Tittelbach

Paul von Hindenburg soll von den Bonner Straßenschildern verschwinden. Das hat sich die linke Ratsmehrheit vorgenommen und damit eine Debatte ausgelöst: Welche Name sind gut, welche schlecht? 

Noch hängt das alte Straßenschild am "Hindenburg-Platz", demnächst aber haben die Anwohner im Bonner Ortsteil Dottendorf eine neue Adresse: "Loki-Schmidt-Platz", benannt nach der Frau des früheren Bundeskanzlers. Den neuen Namen hatten Anwohner ausgewählt, die Bezirksvertretung Bonn hat ihn am 24.08.2021 abgesegnet.

Feldmarschall Paul von Hindenburg.

Feldmarschall Paul von Hindenburg

Für Rolf Beu (Grüne) ist es ein Etappensieg, dass "zumindest ein Platz im Stadtbezirk Bonn nicht mehr nach Hindenburg benannt ist, der ja Adolf Hitler zum Reichskanzler gemacht hat". Aber es gibt noch die Hindenburg-Allee im Ortsteil Plittersdorf.

Hindenburg muss weg, Emil Nolde darf bleiben 

Paul von Hindenburg ist nicht der einzige Bonner Straßennamensgeber mit umstrittener Biografie. Wernher von Braun gilt als großer deutscher Raumfahrtpionier, er entwickelte aber auch den Raketenantrieb für Hitlers Waffen. Emil Nolde gilt als herausragender Maler des Expressionismus und war gleichzeitig Antisemit und ein erklärter Anhänger des Nationalsozialismus. Mit diesen Namen will sich die Bonner Politik derzeit nicht befassen, so Beu: "Es wird keine Umbenennungsorgien geben."

Stadt Düsseldorf setzte Expertenkommission ein

Bonn ist nicht die einzige Stadt, die sich die Frage stellt, welche Namen für ein Straßenschild taugen und welche Kriterien man dabei anlegen muss. Die Stadt Düsseldorf setzte eine Expertengruppe ein, die ihr städtisches Straßenverzeichnis durchgearbeitet hat. 99 Namensgeber wurden genauer überprüft, am Ende empfahl die Gruppe, zwölf Straßen umzubenennen.

Ein Mitglied der Gruppe war Benedikt Mauer, der Leiter des Düsseldorf Stadtarchivs. Die perfekte Heldenbiografie fand er bei niemandem. Entscheidend war laut Mauer die gesamte Lebensleistung der Persönlichkeiten und ob sich ein Namensgeber zum Beispiel in seinem späteren Leben von früheren problematischen Ansichten losgesagt hat. Mauer spricht von einem strukturierten Verfahren: "Ich denke, das tut in einer solchen Diskussion ganz gut, die ja vor allem für Anwohner nicht unemotional ist."

Ernst-Moritz-Arndt-Gymansium will sich nicht reinreden lassen

Die Debatte um umstrittene Namensgeber betrifft in Bonn nicht nur Straßen, sondern auch das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium. Das Porträt des Namensgebers steht versteckt hinter einer Tür. Die Schüler lernen im Unterricht, dass Arndt antijüdisch und antifranzösisch eingestellt war.

Ob die Schule einen neuen Namensgeber bekommt oder sich einfach nur noch EMA nennt, wollen Lehrer, Schüler, Eltern eigenständig entscheiden. Die Schulleiterin möchte sich dabei nicht von der Politik reinreden lassen: "Natürlich möchte ich mir auch keinen Namen vorschreiben lassen, weil irgendjemand vielleicht denkt, dass der Name gut zu uns passen würde." 

Der Name Hindenburg verschwindet vorerst nicht vollständig aus Bonn. Die Umbenennung der Hindenburg-Allee scheiterte zuletzt an der Bezirksvertretung Bad Godesberg. Lediglich die dortige Bushaltestelle bekommt einen neuen Namen. 

Was ist aus der Dikussion um die M-Straße geworden?

COSMO 29.12.2020 03:20 Min. Verfügbar bis 29.12.2021 COSMO


Download

Stand: 28.09.2021, 12:46

Weitere Themen