Strafbefehl gegen Indener Bürgermeister

Fassade des Amtsgerichts Jülich

Strafbefehl gegen Indener Bürgermeister

Von Michael Esser

  • 18.000 Euro Strafe wegen nichtbezahlter Internet-Rechnung
  • Es geht um Betrug und Vortäuschen einer Straftat
  • Langefeld weist Vorwürfe zurück

Das Amtsgericht Jülich hat gegen den Indener Bürgermeister Jörn Langefeld einen Strafbefehl erlassen. Das hat ein Sprecher des Amtsgerichts am Donnerstag (02.07.2020) bestätigt. Dem Privatmann Langefeld werden Betrug und Vortäuschung einer Straftat vorgeworfen. Langefeld hat gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt. Nun soll ein Gerichtsverfahren die Sache klären.

Inkassofirma wollte 215 Euro


Ausgangspunkt der Streitsache ist nach Angaben des Amtsgerichts Jülich eine Rechnung an Langefeld. Eine Inkassofirma wollte von ihm rund 215 Euro haben, wegen Inanspruchnahme eines nicht näher bezeichneten Internet-Services. Laut Amtsgericht Jülich will Langefeld den Service allerdings nicht genutzt haben und deshalb die Rechnung nicht bezahlen. Im Gegenzug zeigte Langefeld die Inkassofirma - salopp gesagt - wegen Abzocke an, die Sache landete bei der Staatsanwaltschaft.


90 Tagessätze à 200 Euro


Als Ergebnis ihrer Ermittlungen sah die Staatsanwaltschaft Aachen jedoch die Firma im Recht. Das zuständige Amtsgericht Jülich prüfte die Ermittlungen - und folgte der staatsanwaltschaftlichen Einschätzung. Danach bestehe die Forderung über 215 Euro zu Recht. Die Folge: Das Nichtbezahlen der Rechnung stufen die Behörden jetzt als Betrug ein und die Anzeige gegen die Inkassofirma als Vortäuschen einer Straftat. Zweite Folge: Der Strafbefehl.Danach sollte Langefeld gemessen an seinem Bürgermeistergehalt 90 Tagessätze à 200 Euro zahlen - insgesamt 18.000 Euro.


Langefeld weist Vorwürfe zurück


Gegen den Strafbefehl hat Langefeld nach Auskunft des Amtsgerichts Jülich Einspruch eingelegt. Danach hält er die Vorwürfe offenbar für unzutreffend. Nach dem Einspruch muss die Sache nun in einem Gerichtsverfahren geklärt werden. Der Strafbefehl ist hinfällig, es sei denn der Einspruch wird noch vor dem Prozess zurückgezogen. Anfragen des WDR mit der Bitte um Stellungnahme hat Langefeld bislang nicht beantwortet. Laut Auskunft seines Büros in der Gemeindeverwaltung Inden befindet er sich in einem mehrwöchigen Urlaub.


Rückzug aus der Politik


Kurz vor Bekanntwerden des Strafbefehls diese Woche hatte Langefeld seine Kandidatur zur Wiederwahl als Bürgermeister im Herbst überraschend zurückgezogen. Das war in der 7.500 Einwohner-Gemeinde nicht erwartet worden, zumal er seinen Wahlkampf gerade erst gestartet hatte. Gegenüber einer Tageszeitung soll Langefeld gesagt haben, sein Verzicht auf die Kandidatur hänge in keiner Weise mit dem Strafbefehl zusammen.


Umstrittene Amtsführung


Langefeld ist 2014 zum Bürgermeister von Inden gewählt worden. Der Rechtsanwalt setzte sich als parteiloser Kandidat überraschend gegen die Konkurrenten aus den etablierten Parteien durch. In den Jahren seither entwickelte sich ein tiefes Zerwürfnis zwischen dem Bürgermeister und einer großen Mehrheit im Gemeinderat. Umstritten ist vor allem Langefelds Amtsführung. Vor dem Verwaltungsgericht Aachen laufen derzeit noch Verfahren, in denen der Gemeinderat zum Beispiel auf Akteneinsicht und Vorlage von Informationen klagt. Zuletzt sorgten Schlagzeilen um eine "Knöllchen-Affäre" für Aufmerksamkeit. Der VerwaltungsChef soll Mitarbeiter im Rathaus dazu gebracht haben, Strafzettel gegen ihn wegen Falschparkens unter den Tisch fallen zu lassen. Die Staatsanwaltschaft sah hier jedoch keinen Ansatzpunkt für ein Einschreiten. Der Prozess wegen des aktuellen Strafbefehls soll im August stattfinden.

Stand: 03.07.2020, 11:39