Chempark Currenta

Explosion bei Currenta: Umweltorganisation erstattet Strafanzeige gegen Bezirksregierung

Stand: 17.01.2022, 10:58 Uhr

Wegen der Einleitung von kontaminiertem Löschwasser durch den Chemparkbetreiber Currenta  in den Rhein hat die Umweltorganisation BUND Strafanzeige gegen Mitarbeiter der Kölner Bezirksregierung erstattet.

Von Oliver Köhler

Der BUND wirft den Mitarbeitern Strafvereitelung im Amt und Beihilfe zu einer Straftat vor. Nach Ansicht der Umweltorganisation haben die für die Gewässeraufsicht zuständigen Beamten nicht verhindert, dass Currenta ohne Genehmigung Löschwasser in den Rhein gepumpt hat. Nach der Explosion auf dem Werksgelände Ende Juli 2021 gelangten 9,5 Millionen Liter mit Chemikalien belastetes Löschwasser in den Rhein.

Die Bezirksregierung hat außerdem der Öffentlichkeit und auch der Staatsanwaltschaft die nicht genehmigte Einleitung des Wassers und der darin enthaltenen Umweltgifte in den Rhein verschwiegen. Paul Kröfges, Wasserexperte des BUND

Currenta beruft sich auf Notfall

Deshalb habe die Staatsanwaltschaft keine Gelegenheit gehabt, zu prüfen, ob Currenta das Löschwasser auf diese Weise entsorgen durfte.

Erst Recherchen des WDR hatten im Dezember aufgedeckt, dass Currenta Löschwasser in den Rhein gepumpt hatte.

Am 27. Juli 2021 kam es im Chempark zu einer Explosion.

Am 27. Juli 2021 kam es im Chempark zu einer Explosion.

Currenta und die Kölner Bezirksregierung berufen sich in ihren bisherigen Stellungnahmen zu der Einleitung auf einen Notstand. Zur „unmittelbaren Gefahrenabwehr“ sei es erforderlich gewesen, das Wasser über eine Kläranlage in den Fluss zu leiten. Es habe keine andere Möglichkeit gegeben, drohende Gefahren für die Umwelt abzuwenden. Currenta habe wegen des Notstandes keine Genehmigung zur Einleitung des Wassers gebraucht.

Öffentlichkeit wurde nicht informiert

Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) sagte in einem Gespräch mit dem WDR, die Öffentlichkeit sei über die Einleitung nicht informiert worden, weil im Rhein keine Schadstoffgrenzwerte überschritten worden seien.

Der Umweltverband BUND hat neben der Strafanzeige wegen Strafvereitelung im Amt und Beihilfe zu einer Straftat auch Anzeigen wegen Gewässerverunreinigung und wegen unerlaubten Umgangs mit Abfall gegen Mitarbeiter der Bezirksregierung und gegen Mitarbeiter des Chemparkbetreibers Currenta erstattet.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Gewässerverunreinigung

Nachdem der WDR den Fall aufgedeckt hatte, wurde von der Kölner Staatsanwaltschaft Köln am 20. Dezember ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung gegen Verantwortliche von Currenta eingeleitet. Die Ermittlungen stehen nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch ganz am Anfang.

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Westpol 16.01.2022 28:53 Min. UT DGS Verfügbar bis 16.01.2023 WDR