Urteil nach tödlichem Autounfall bei Stolberg rechtskräftig

Rettungswagen an einer Unfallstelle

Urteil nach tödlichem Autounfall bei Stolberg rechtskräftig

  • Fahrer zu Jugendhaftstrafe verurteilt
  • Verteidiger legt keine Rechtsmittel ein
  • Ende 2018: Unfall mit fünf Toten

Das Urteil gegen einen Raser aus Herzogenrath ist rechtskräftig. Nach einem Unfall mit fünf Toten Ende 2018 bei Stolberg hatte das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Aachen den 22-jährigen Fahrer vergangene Woche Mittwoch (12.02.2020) verurteilt. Er erhielt eine Jugendhaftstrafe - unter anderem wegen fahrlässiger Tötung.

Wie am Freitag (21.02.2020) bekannt wurde, hat sein Verteidiger dann innerhalb der einwöchigen Frist keine Rechtsmittel gegen das Urteil mehr eingelegt. Gründe für den Verzicht nannte der Rechtsanwalt auf WDR-Anfrage nicht.

Kollidiert und Feuer gefangen

Im Dezember 2018 war der junge Mann mit mindestens 120 km/h über eine Landstraße bei Stolberg gerast, auf der höchstens 70 erlaubt waren. Als er versuchte, eine Radarfalle zu umfahren, prallte er mit einem entgegenkommenden Wagen zusammen. Dieser fing sofort Feuer, eine Mutter und ihre beiden Kinder - 16 und 17 Jahre alt - starben. Auch zwei junge Menschen im Auto des Angeklagten kamen ums Leben.

Härteres Urteil als vom Staatsanwalt gefordert

Die Verhandlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und wurde wegen der persönlichen Umstände des Angeklagten nach dem Jugendstrafrecht verhandelt. Beobachter beschreiben den Angeklagten als psychisch angespannt, er soll sich bei den Familien der Opfer entschuldigt haben.

Verurteilt wurde er zu einer Jugendhaftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten wegen fahrlässiger Tötung und einem verbotenen Autorennen. Damit ging das Gericht über die Forderung des Staatsanwaltes von zwei Jahren und sechs Monaten hinaus.

So kam das Urteil zustande

Eine Verurteilung zu einer Haftstrafe gilt im Jugendstrafrecht als "ultima ratio", wie eine Gerichtssprecherin erklärte. Das Gericht hat in diesem Fall die Schwere der Schuld berücksichtigt, also die fünf Todesfälle als Folge seiner Raserei. Dass ihm die Teilnahme an einem illegalen Autorennen zu Last gelegt wurde, scheint unlogisch, weil kein anderes Auto beteiligt war. Aber: "Man kann auch mit sich selbst Rennen fahren", so Gerichtssprecher Giesbert Fuchs. "Man ist als Fahrer unterwegs und will das Höchste aus seinem Auto herausholen."

Dass der Verurteilte seinen Führerschein abgeben muss, sei nur eine Nebenstrafe, heißt es weiter. Entscheidend sei, ob "jemand für den Straßenverkehr geeignet ist", so die Gerichtssprecherin.

Verteidiger will Urteil anfechten

Möglicherweise muss der junge Mann seine Haftstrafe nicht komplett absitzen. Das zuständige Strafvollstreckungsgericht kann entscheiden, dass er entlassen wird, wenn er zwei Drittel seiner Strafe verbüßt hat. Wann der 22-Jährige die Haft antritt, ist noch unklar.

Stand: 21.02.2020, 18:25