Stichwahlen in sieben Bergischen Städten - es bleibt spannend

Wählerin wirft Stimmzettel in Urne

Stichwahlen in sieben Bergischen Städten - es bleibt spannend

Weil die Wähler in Wuppertal, Leichlingen, Bergneustadt, Mettmann, Schwelm, Velbert und Wülfrath keinem Bürgermeisterkandidaten zur absoluten Mehrheit verholfen haben, muss dort in zwei Wochen nochmal gewählt werden. Zur Wahl stehen dann jeweils die beiden Kandidaten mit den zwei besten Ergebnissen.

Wuppertal: Stichwahl zwischen Andreas Mucke und Uwe Schneidewind

Andreas Mucke, SPD (li.) und Uwe Schneidewind, gemeinsamer Kandidat von CDU und Grünen

In Wuppertal lagen die ersten beiden Kandidaten der Kommunalwahl, Uwe Schneidewind von den Grünen/CDU und Andreas Mucke von der SPD nah beieinander. 40,8 Prozent für den Herausforderer und 37 Prozent für den Amtsinhaber bedeuten, die beiden müssen sich nochmal kräftig in den Wahlkampf werfen, um die Wähler, die beim ersten Wahlgang für einen der fünf anderen Oberbürgermeister-Kandidaten gestimmt haben, für sich zu gewinnen. Entscheidend für eine Stichwahl dürfte auch sein, ob die unterlegenen Kandidaten eine Wahlempfehlung aussprechen. Wer von ihnen dann Uwe Schneidewind und wer Andreas Mucke empfehlen wird, wird derzeit heiß diskutiert und bleibt eins der spannenden Themen der kommenden Tage.

Auf Wahlempfehlungen kommt es an

Ähnlich nah zusammen liegt das Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Leichlingen. Frank Steffes von der SPD hat mit 45,8 Prozent sechs Prozentpunkte mehr erreicht, als CDU/FDP-Kandidat Maurice Winter. Zum Zünglein an der Waage wird hier die Wählerschaft des Grünen-Kandidaten, der hier immerhin 14,5 Prozent holte. Auch relativ knapp der Abstand in Wülfrath, wo der Einzelbewerber Rainer Otto Ritsche knapp 6 Prozentpunkt mehr geholt hat, als Andreas Seidler von der CDU. Auch hier dürfte entscheidend sein, wen der Grünen-Kandidat empfiehlt - immerhin haben für ihn 17,3 Prozent gestimmt.

Stichwahl wirklich notwendig?

Portraitfoto des  Politikwissenschaftlers Lietzmann

Kritisiert die Politiker: Politikwissenschaftler Lietzmann

Zur Wahl eines Bürgermeisters im ersten Wahlgang muss die absolute Mehrheit, also mehr als 50% erreicht werde. Sonst kommt es zur Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen. Die relative Mehrheit, also einfach die meisten Stimmen zu erhalten, reicht nicht aus, erklärt der Sozialwissenschaftler Hans J. Lietzmann von der Uni Wuppertal. Gerade wenn es viele Kandidaten gibt, könnten sonst zum Beispiel Bürgermeister ins Amt kommen, die gerade einmal rund ein Viertel der Wähler hinter sich haben. Damit könne man in einer Stadt kaum etwas bewegen. Denn auch wenn Viele bei der Stichwahl nicht mehr zur Wahl gingen, "ist es wichtig, dass der Bürgermeister, die Bürgermeisterin, die da antritt, wirklich mit einer Mehrheit ins Amt kommt, auch wenn das möglicherweise mit einer geringen Wahlbeteiligung passiert. Das gibt ein ganz anderes 'Standing' für diese Person, einen ganz anderen Aktionsspielraum, der sie stärkt."

Stichwahl in Velbert und Bergneustadt nur Formsache?

Das gilt auch für Kommunen, wo der Unterschied zwischen dem Ersten und Zweiten doch recht groß ist. In Velbert etwa, wo Dirk Lukrafka von der CDU mit 40 Prozent fast doppelt soviel Wähler hinter sich weiß, wie Esther Kanschat von den Grünen. Oder in Bergneustadt - hier holte der CDU-Kandidat Matthias Thul fast 44 Prozent gegenüber knapp 25 Prozent des SPD-Kandidaten Thomas Markus Stamm. Denn auch in diesen beiden Städten ist noch alles möglich, je nachdem wer hier die unterlegenen Parteien auf seine Seite ziehen kann.

Zweikampf auch in Mettmann und Schwelm

Spannend wird es deshalb auch in Mettmann. Sandra Pietschman, CDU, holte hier 41 Prozent, der Einzelbewerber Thomas G. Dinkelmann immerhin 27,6 Prozent. Oder in Schwelm, wo der SPD-Kandidat Stephan Langhard mit knapp 42 Prozent gegen Philipp Josef Beckmann von der FDP in die Stichwahl muss.

Stand: 14.09.2020, 12:57