Erzbistum Köln äußert sich zu neuem Missbrauchsfall M.

Der Kölner Dom im Sonnenuntergang. Im Vordergrund ist die Kreuzblume zu sehen.

Erzbistum Köln äußert sich zu neuem Missbrauchsfall M.

Von Frank Piotrowski

Das Erzbistum Köln hat am Mittwochnachmittag zu einem Pressebericht über einen neuen Missbrauchs-Verdacht Stellung genommen.

Das Erzbistum Köln hat Medienberichte zurückgewiesen, der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki habe erst mit vierjähriger Verzögerung einen unter Missbrauchsverdacht stehenden katholischen Priester bei der Justiz angezeigt.

„Kardinal Woelki war zu keiner Zeit in die strafrechtliche Aufarbeitung des Falls eingebunden“ heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Damit reagierte das Bistum auf einen gestern bekannt gewordenen Verdachtsfall sexuellen Missbrauchs gegen einen Anfang Januar in Wuppertal verstorbenen 77-jährigen Pfarrer im Ruhestand.

Erste Befragung des Pfarrers soll nicht dokumentiert worden sein

Zwischen 1971 und 1996 soll der Priester mehre Taten sexualiserter Gewalt an Kindern und Jugendlichen beiderlei Geschlechts verübt haben.

Das Erzbistum hat die Akten zu dem jüngsten Missbrauchsverdachtsfall gesichtet und teilt mit, dass der Pfarrer schon seit 2002 im Ruhestand war und keine seelsorgerischen Aufgaben mehr hatte.

2016 sei Pfarrer M. befragt worden. Zum zweiten Mal, weil eine vorherige Befragung nicht dokumentiert worden sei. Dies soll in die Zeit des damaligen Administrators und heutigen Hamburger Erzbischofs Stefan Heße gefallen sein.

Kardinal Rainer Maria Woelki und Stefan Heße, Erzbischof von Hamburg,  stehen bei einem Gottesdienst vor einem Schloss

Kardinal Rainer Maria Woelki und Stefan Heße, Erzbischof von Hamburg, bei einem Gottesdienst.

Sprecher von Heße bestreitet Befragung

Dem WDR teilte ein Sprecher Heßes mit, dass er bisher weder im Rahmen der Wastl-Untersuchung noch im Rahmen der Gercke-Untersuchung zu dem Fall befragt worden sei und in Köln die Akten angefordert habe, um zu sehen, ob er mit dem Fall befasst war.

Kardinal Woelki ließ heute mitteilen, dass er 2016 die Glaubenskongregation in Rom informiert habe. Die habe von einem kirchlichen Strafverfahren abgesehen.

Kardinal Woelki habe dem Priester die öffentliche Ausübung seines Dienstes und die alleinige Nähe zu Kindern untersagt. Und er habe Pfarrer M. zur Beteiligung an den Therapiekosten verpflichtet. Laut Medienberichten mit 5.500 Euro.

Woelki ließ keine Anzeige erstatten

Anzeige gegen den Geistlichen bei der Staatsanwaltschaft ließ er nicht erstatten. Erst 2018 erfolgte dies durch einen Anwalt des Erzbistums.

Schon 2014 sei alles verjährt gewesen und manches habe unter der strafrechtlichen Grenze gelegen, heißt es in der Stellungnahme.

Zum Handeln des früheren Kölner Erzbischofs Meisner äußerte sich das Bistum nicht. Denn schon 2002 soll Pfarrer M. der Bistumsleitung aufgefallen sein, heißt es in einem Medienbericht. Erzbischof Meisner soll es bei einer Ermahnung belassen haben, heißt es weiter.

Professor für kirchliches Recht: Fall hätte gemeldet werden müssen

Der Münsteraner Professor für kirchliches Recht, Thomas Schüller sagt, das Erzbistum belege mit der Stellungnahme, dass vor dem Dienstantritt von Kardinal Woelki in 2014 gegen kirchliche Normen verstoßen worden sei. Kardinal Meisner, seine Generalvikare und Personalchefs hätten systematisch sexuelle Straftaten und Grenzüberschreitungen vertuscht.

Zu kritiseren sei auch, dass unter Kardinal Woelki zunächst keine Strafanzeige erstattet worden sei. Was verjährt sei und was eine strafrechtliche Relevanz habe, sei nicht durch das Erzbistum zu prüfen.

In jedem Fall hätte der letzte Fall sexualisierter Gewalt aus 1996 der Staatsanwaltschaft gemeldet werden müssen.

Stand: 10.02.2021, 17:10