Gerhard Richter vor einem „gerhard richter“-Schriftzug

Geldanlage: Düsseldorfer Startup vermittelt Anteile an teurer Kunst

Stand: 15.01.2022, 09:32 Uhr

Zum 90. Geburtstag des weltberühmten Malers Gerhard Richter zeigt eine Ausstellung in Düsseldorf Aquarelle des Künstlers. Ein Werk gehört 130 Anlegern, die in Kunst investieren. Eine gute Idee?

Von Thomas Kalus

In Niedrigzins-Zeiten haben es Anleger schwer, gute Renditen für ihr Geld zu bekommen. Viele Banken verlangen für die Einlagen sogar Negativzinsen. Da kommt vielleicht die Idee des Startups Arttrade (auf Deutsch: Kunsthandel) aus Düsseldorf gerade recht: Die drei Jungunternehmer versprechen Anlegern auf dem Kunstmarkt eine gute Rendite.

Nur renommierte Künstler sollen gehandelt werden

Düsseldorfer Start-up Arttrade

Die Gründer von Arttrade: Claudio Sander, Julian Kutzim, David Riemer

Ihre Idee: Sie bieten Anlegern die Möglichkeit, für relativ kleines Geld in große Kunstwerke zu investieren. Schon ab 250 Euro können Anteile an Bildern renommierter Künstler erworben werden. Dabei setzt die Anlage-Plattform ausschließlich auf Kunstwerke der ersten Liga, erklärt Mitgründer Julian Kutzim: "Wir reden nur von den renommiertesten Künstlerinnen und Künstler aller Zeiten."

Als erstes Werk haben die Jungunternehmer ein Aquarell von Gerhard Richter erworben. Verkehrswert: Eine Viertelmillion Euro. Richter ist seit vielen Jahren die Nummer eins auf der Weltrangliste der lebenden Künstler. Zweite Investition war ein Bild des Malers Georg Baselitz.

Kritische Töne aus der Szene

Die Kultur-Journalistin Renate Müller kritisiert, dass über die Plattform erst in zwei Werke investiert werden könne. Für eine Beurteilung des Startup-Projekts sei es deshalb noch zu früh. Ihr fehlen auch Angaben darüber, welche renommierten Kultur-Experten und Galeristen das Projekt unterstützen. Nur ein Name taucht auf der Homepage von Arttrade auf: der des Düsseldorfer Galeristen Paul Schönewald.

Der 63-Jährige Schönewald ist seit mehr als drei Jahrzehnten im internationalen Kunsthandel unterwegs. Er ist von der Kunst-Plattform überzeugt: "Mich fasziniert an der Sache, dass es Anlegern den Zugang verschafft, mit geringen Beträgen an hochwertiger Kunst teilzuhaben." Der Galerist will Arttrade Tipps geben, welche Werke renommierter Künstler gerade auf dem Markt sind.

Anlage-Experten: Das Risiko bleibt bestehen

Kunst habe sich als Wertanlage schon lange bewährt, sagt der Kölner Kunst-Anlageexperte Stefan Horsthemke. Horsthemke hält Plattformen wie Arttrade für durchaus sinnvoll. "Ich finde es toll, dass Kunst so auch für Kleinanleger interessant wird", sagt er. "Aber die Risiken bleiben auch hier wie bei allen anderen Anlagearten bestehen."

Arttrade will Kunst öffentlich machen

Kunstgeschichte Baselitz

Werk von Georg Baselitz

Ein Anliegen der jungen Händler ist es, die wertvollen Kunstwerke in die Öffentlichkeit zu bringen. Claudio Sander (28), einer der Arttrade-Gründer, sagt: "Wir möchten nicht, dass teure Kunstwerke in Kellern von reichen Familien liegen." Denn der exklusive Kunstmarkt sei bislang wenigen Anlegern mit besonders viel Geld vorbehalten. Nachdem das Aquarell von Richter in der Düsseldorfer Ausstellung zu sehen ist, soll es auf Deutschland-Tour gehen.

Blockchain-Technologie soll Anteilskauf sicher machen

Technisch funktioniert die Beteiligung an den Werken so: Die Anleger erwerben ihre Anteile in Form digitaler Token. Ein Einstieg ist schon ab 250 Euro möglich. Die Anteile sollen dank der Blockchain-Technologie fälschungssicher sein. Ob ein Kunstwerk verkauft wird, entscheiden alle Investoren gemeinsam.

Ein Schloss und ein Schlüssel liegen auf einer Computer-Tastatur

Blockchain-Technologie soll Anteile fälschungssicher machen

Der Investor bezahlt Arttrade eine einmalige Gebühr in Höhe von zwei Prozent auf den Kaufpreis. Außerdem bekommt das Startup zehn Prozent des Gewinns, den die Anleger mit den Kunstwerken machen, sagt Gründer Sander: "Weil wir selbst an das Produkt glauben und an die Wertsteigerung der Kunst, sind wir sicher, dass wir unser Geld langfristig verdienen werden."

NRW: Kunstanlage fürs kleine Budget

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 11.01.2022 03:28 Min. Verfügbar bis 10.01.2023 WDR 5 Von Thomas Kalus


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