Blühende Landschaften? – Das Rheinische Revier nach der Braunkohle

Braunkohlebagger in der Nähe des Skywalk-Aussichtspunkts Jackerath bei Jüchen im Tagebau Garzweile

Blühende Landschaften? – Das Rheinische Revier nach der Braunkohle

Von Thomas Wenkert

  • Konzepte für die Zeit nach dem Kohleausstieg
  • Region soll Energierevier werden
  • Befürchtungen bei Arbeitnehmervertretern
  • Strukturwandel Thema des WDR 5-Stadtgesprächs

Spätestens 2038 soll Deutschland aus der Kohle aussteigen. Das steht in den Empfehlungen der Berliner Kommission "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung" – der sogenannten Kohlekommission. Deren Empfehlungen will die Bundesregierung umsetzen, Gesetze werden vorbereitet.

Nordrhein-Westfalen ist mit den drei Tagebauen Inden, Hambach und Garzweiler und den Kraftwerken das größte Braunkohle-Abbaugebiet in Deutschland. 10.000 Menschen arbeiten hier. Rechnet man die Zulieferbetriebe hinzu, leben rund 90.000 Menschen direkt oder indirekt von der Braunkohle.

15 Milliarden Euro fließen in das Revier

In den nächsten 20 Jahren sollen rund 15 Milliarden Euro an Strukturhilfe in das Rheinische Revier fließen. Es gibt ehrgeizige Visionen. Ralph Sterck, Chef der Zukunftsagentur "Rheinisches Revier", ist Optimist. "Wir haben eine tolle Forschungslandschaft. Wir haben eine tolle Hochschullandschaft. Die Frage ist, wie schnell bekommen wir jetzt bestimmte Prozesse hin", sagt Sterck.

Viele Projekte liegen in der Schublade. Die Ideen reichen von einem Alu Valley 4.0 über Wärmespeicher-Kraftwerke und Wissenschaftsparks bis zu Batteriezellproduktionen. Schon jetzt ist die Region Vorreiter bei der Elektromobilität. Letztendlich soll das Rheinische Braunkohlerevier zu einem Rheinischen Energierevier werden.

RWE will Verantwortung übernehmen

RWE kommt dabei eine wichtige Rolle zu: Dem Konzern gehören große Flächen im Rheinischen Revier. An einem seiner Kraftwerksstandorte wird RWE schon nächstes Jahr mit dem Bau eines Wärmespeicherkraftwerks beginnen. Aus Flüssig-Salz soll mit modernster Technik Strom erzeugt werden. Das Land NRW unterstützt das mit rund drei Millionen Euro.

Michael Eyll-Vetter von RWE erklärt, dass der Konzern vor allem Speicherkraftwerke entwickeln möchte, die in Kombination mit Braunkohle und später auch unabhängig von Kohle sichere Energie zur Verfügung stellen können.

DGB und Betriebsräte warnen

Mahnende Worte kommen aber von den Arbeitnehmervertretern. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende von RWE, Klaus Emmerich, fordert die Schaffung neuer Industriearbeitsplätze und warnt vor prekären Arbeitsverhältnissen. Neue Jobs müssten gut bezahlt und tariflich abgesichert sein.

Indemann

Beim "Indemann" am Rande des Tagebaus Inden fand das WDR 5-Stadtgespräch statt

Ralf Woelk vom DGB Aachen befürchtet, dass es auf dem Arbeitsmarkt erst einmal eine Delle geben werde. Wenn 2022 die ersten Kraftwerksblöcke abgeschaltet werden müssen, dann könnten bis zu 2.200 Arbeitsplätze in Tagebauen und Kraftwerken verloren gehen. Und dann beginne die Suche nach neuen Fachkräften. "Der Arbeitsmarkt wird sich neu aufstellen, sich verändern mit den neuen Industriezweigen", sagt Woelk.

Kommunen sehen viele Fragen offen

Auch die Kommunen sind sehr vorsichtig mit ihrer Beurteilung des beginnenden Strukturwandels. Auch für sie sind viele Fragen offen. Sie sehen kaum noch Platz für die Schaffung neuer Gewerbe- und Wohngebiete. Und zahlreiche Initiativen und Bündnisse fordern, auch die Bürger an dem Strukturwandelprozess zu beteiligen.

Das WDR 5-Stadtgespräch hat sich mit diesem Thema am Donnerstag (04.04.2019) in Inden beschäftigt. Auf dem Podium saßen:

  • Andreas Pinkwart, NRW-Minister für Wirtschaft, Energie und Innovation
  • Martina Fromhold-Eisebith, Professorin für Wirtschaftsgeographie an der RWTH Aachen
  • Boris Linden, Zukunftsagentur Rheinisches Revier
  • Ralf Woelk, DGB Aachen

Blühende Landschaften- Das Rheinische Revier vor dem Strukturwandel 56:22 Min. Verfügbar bis 05.04.2020

Stand: 05.04.2019, 09:12