Stadt Bonn geht gegen Schottergärten vor

Steiniger Vorgarten

Stadt Bonn geht gegen Schottergärten vor

In Bonn-Röttgen gibt es Ärger um Steinvorgärten vor Häusern in einer Neubausiedlung. Die Stadverwaltung hat mehr als hundert Mahnbriefe verschickt – sie will, dass die Hausbesitzer die Gärten umgestalten.

Statt Pflaster oder Schotter fordert sie Rasen oder Sträucher. Für nicht bebaute Flächen sind Grünflächen vorgeschrieben, erklärt Sigrun Scharf vom Bauordnungamt. Die begrünten Flächen sollen wasserdurchlässig sein – und sie speichern keine Hitze, im Gegensatz zu Schotter und Steinen.

Bis Frühjahr Zeit für Umgestaltung

Aber viele Anwohner wehren sich. Die Stadt Bonn will den Hausbesitzern noch bis zum Frühjahr Zeit lassen. Wenn dann immer noch Schotter liegt, drohen Strafgelder.

Steinwüste oder blühende Gärten?

Von Sabine Tenta

Schottergärten wirken aufgeräumt und pflegeleicht - können aber auch viel Arbeit machen. Wir zeigen Alternativen.

Pflanzen ragen aus einem Vorgarten mit grauen und schwarzen Kieselsteinen.

Mausgrauer Marmorkies, schwarzer Basaltsplitt, gletschergrauer Zierkies, oder rotbraune Lava - die Vielfalt an Steinen für den Vorgarten ist groß. Aber sie bedroht die Artenvielfalt der Insekten und Vögel. Auch wenn die vertrockneten Alibipflanzen im Bild oben wie Igel aussehen - keiner der stacheligen Säuger würde hier einen Unterschlupf finden.

Mausgrauer Marmorkies, schwarzer Basaltsplitt, gletschergrauer Zierkies, oder rotbraune Lava - die Vielfalt an Steinen für den Vorgarten ist groß. Aber sie bedroht die Artenvielfalt der Insekten und Vögel. Auch wenn die vertrockneten Alibipflanzen im Bild oben wie Igel aussehen - keiner der stacheligen Säuger würde hier einen Unterschlupf finden.

Immer mehr Flächen in Privathand werden versiegelt. Folie drunter, Steine drauf, alle Sorgen weg - denken die meisten. Dabei verzeiht so ein Steingarten gerade wegen seiner Aufgeräumtheit kein Blättchen, das vom Nachbarn rüberweht. Bleibt das Laub liegen und verrottet, können sich in den Steinfugen doch Gräser ansiedeln. Und werden die Steine nicht regelmäßig gereinigt, bildet sich darauf Moos. Darauf weist der NABU hin und schlussfolgert: "Ein naturnaher Garten würde genauso viel oder wenig Arbeit machen."

In Gabionen, den in Gitter gefassten Steinmauern, nistet vor allem eins: Ordnung und Klarheit. Aber keine Vögel. Diese Mauern sind ebenso blickdicht wie tot.

Höchst lebendig ist hingegen eine locker gebaute Steinmauer. Ein Biotop für Eidechsen, Insekten und Mauerblümchen.

Geschotterte Vorgärten sind Steinzeit im doppelten Sinne. Denn zeitgemäße Gartengestaltung in Zeiten der Klimakrise und des Artensterbens sieht anders aus. In Privatgärten kann weit mehr grünen als nur ein Buchsbäumchen.

Naturnah gestaltete Gärten sind nicht nur eine Augen-, sondern auch eine Bienenweide. Blühpflanzen bieten Nahrung für Wildbienen, Honigbienen und Insekten.

Die Insekten sind wiederum eine wichtige Nahrung für Vögel, die sich im Frühjahr abrackern, um ihre Brut großzuziehen. Und Amseln finden Regenwürmer nur in Erde, nicht in Schotterflächen.

Wer partout nicht auf Steine im Garten verzichten will, kann einen Steppengarten anlegen. Dieser auch Präriegarten genannte Typ ist pflegeleichter, weil im Sommer kaum gegossen werden muss. Er ist ideal für sonnige Ecken und sandige Böden.

Wie bunt und vielfältig ein Steingarten sein kann, zeigt die britische Garten-Großmeisterin Beth Chatto. Sie ist bekannt geworden für ihren Steppengarten und zeigt, dass der Einsatz von Kies und Co nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch optisch höchst ansprechend sein kann.

Stand: 23.08.2019, 12:16