Interview zu Gewalt gegen Beamte - zweiter Teil

Staatsanwältin aus Düsseldorf Britta Zur

Interview zu Gewalt gegen Beamte - zweiter Teil

WDR: Gibt es einen typischen Übergriff, etwas Typisches, was sie nennen können? Und gibt es eine typische Tätergruppe?

Zur: Ich tue mich schwer damit, eine typische Tätergruppe zu benennen. Wir haben natürlich hier mit der Düsseldorfer Altstadt einen Brennpunkt. Wir haben hier sehr viele Übergriffe, die sich gerade am Wochenende abspielen, bei denen der Täter ein betrunkener Altstadtgänger ist. Aber letztlich gibt es den typischen Widerständler nicht. Meine Erfahrungen sind dass das ein Deliktsbereich ist, der tatsächlich von jedem Mal gerne begangen wird. Ich hab auch schon einmal das Wort "Volkssport" verwandt. Wir haben auch Ärzte und Rechtsanwälte, denen es am Flughafen in der Abfertigungsschlange nicht schnell genug geht. Wir haben Hausfrauen, die im Rahmen einer Verkehrskontrolle von der Polizei ausfallend und übergriffig werden. Wir haben es tatsächlich mit Tätern zu tun, die in jeder Gesellschaftsschicht aufzufinden sind und sich nicht lediglich auf den typischen Altstadtgänger reduzieren.

WDR: Welche Strafen drohen einem Täter?

Zur: Bei Beleidigungen beginnt der Strafrahmen nach Strafgesetzbuch bei einer Geldstrafe. Das ist das gleiche wie bei Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, auch hier beginnt der Strafrahmen mit einer Geldstrafe. Wir haben seit etwas über zwei Jahren noch einen neuen Paragraphen im Strafgesetzbuch eingeführt. Der nennt sich "Tätlicher Angriff gegen Vollstreckungsbeamte" und hier haben wir eine erhöhte Mindeststrafandrohung. Hier beginnt der Strafrahmen bei drei Monaten Haft. Das ist eine Norm, von der wir auch rege Gebrauch machen.

WDR: Immer wieder hört man von Übergriffen auf Rettungskräfte, die tatsächlich Menschen in Not helfen wollen. Und nicht immer spielt Alkohol eine Rolle, sondern auch eine Gruppendynamik. Können sie da ein Muster erkennen?

Zur: Tatsächlich können wir solche Problematiken auch erkennen. Wir haben es schon häufiger mit gruppendynamischen Prozessen zu tun gehabt. Es gibt zum Beispiel eine Auseinandersetzung - eine Kontrolle durch Polizeibeamte, oder durch Beamte des Ordnungsamtes - in der Altstadt und man rottet sich zusammen. Man stellt sich in einer Gruppe oder in einem Kreis um die Polizeibeamten auf. Das ist dann für mich erstaunlich, dass es immer mehr Solidarität unter den Bürgern gibt, bezüglich desjenigen, der von der Polizei kontrolliert wird und eben keine Solidarität mit den kontrollierenden Beamten.

WDR: Gibt es Erklärungen dafür?

Zur: Ich persönlich habe keine Erklärungen dafür, warum gerade uniformierte Menschen so viel Wut, so viel Ärger, so viele Aggressionen auf sich ziehen. Ich kann es mir nicht erklären.

Das Interview basiert auf einem Gespräch mit WDR-Reporterin Astrid Houben, das wir verschriftlicht und gekürzt haben.

Stand: 20.08.2019, 17:50