Gewalt gegen Beamte: "Ich kann es mir nicht erklären"

Gewalt gegen Beamte: "Ich kann es mir nicht erklären"

  • Interview mit Staatsanwältin Britta Zur
  • Leiterin des zuständigen Dezernats in Düsseldorf
  • Neue Umfrage des Deutschen Beamtenbundes
  • Jeder zweite Beamte Opfer von Übergriff

Jeder zweite Beschäftigte im öffentlichen Dienst ist bereits Opfer eines Übergriffs geworden. Das geht aus einer am Dienstag (20.08.2019) veröffentlichen Sonderumfrage des Deutschen Beamtenbundes hervor.

Staatsanwältin aus Düsseldorf Britta Zur

Britta Zur leitet das Sonderdezernat 82 bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf

Die Düsseldorfer Staatsanwältin Britta Zur ist erschüttert darüber, wie weit verbreitet diese Art von Straftaten ist. Seit rund einem Jahr leitet sie ein eigens für solche Fälle eingerichtetes Dezernat. Anfangs sollte sie die Fälle allein bearbeiten, mittlerweile musste ihr Behördenleiter das Dezernat aufstocken. "Ich habe eigentlich gedacht, ich kenne alle Schimpfwörter. Aber ich kannte sie bei weitem nicht alle", sagte sie im Gespräch mit dem WDR.

Von Beleidigung bis Körperverletzung landet auf ihrem Schreibtisch alles, was sich gegen Polizisten, Sanitäter, Feuerwehrleute, Schaffner, Lehrer und Gerichtsvollzieher richtet. Wir haben mit ihr über ihre Arbeit gesprochen.

WDR: Frau Zur, seit einem Jahr gibt es diese Schwerpunkt-Staffel. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Britta Zur: Meine Erfahrungen sind tatsächlich die, dass dieses Sonderdezernat dringend erforderlich war. Es besteht ein großer Bedarf, diese Verfahren gebündelt und einheitlich zu bearbeiten. Seit einem Jahr stoßen wir auf eine durchweg positive Resonanz, gerade von Seiten der betroffenen, von Seiten der Polizei, von Seiten der Rettungskräfte und insbesondere auch von Seiten der Feuerwehr und des Ordnungsamtes.

WDR: Was sagen die genau?

Zur: Im Prinzip sagen die, dass sie viele Jahre lang das Gefühl gehabt hätten, dass man ihre Probleme nicht ernst nehmen würde. Dass viele Kollegen, die auf der Straße arbeiten regelmäßig davon abgesehen hätten, überhaupt eine Anzeige zu erstatten, weil man eben der Annahme gewesen sei: Da passiert ja eh nichts. Und ich glaube, dass wir insoweit zu einem Umdenken beitragen konnten, weil eben diese Anzeigen nun auch nach langen und anstrengenden Nachtdiensten doch noch geschrieben werden. Weil man eben weiß: Wir kümmern uns darum.

WDR: Wie viele Verfahren haben sie bearbeitet? Hat sie die Zahl überrascht?

Zur: Wenn man alles zusammen nimmt, dann kommen wir auf eine Zahl von etwa 1.500 Verfahren pro Jahr. Das ist natürlich immens und damit haben wir – ich auch, ganz ehrlich - nicht gerechnet. Das hatte zur Folge, dass wir das jetzt auch mit zwei Staatsanwälten bearbeiten. Ich habe das zunächst die ersten vier Monate alleine gemacht und habe seit Anfang 2019 noch einen Kollegen mit ins Boot genommen.

Stand: 20.08.2019, 17:50