Empörung über Sprachkurs mit Kriegsvokabeln

Empörung über Sprachkurs mit Kriegsvokabeln

  • Kritik an Sprachkurs für Flüchtlinge
  • Helfer berichtet von Aufgaben mit Kriegsvokabeln
  • Zuständige Arbeitsagentur zieht Konsequenzen

Waldemar Becker konnte kaum glauben, was der junge Flüchtling aus dem Deutschkurs mitbrachte. Mit Sätzen wie diesem sollte der 25-Jährige aus Guinea die deutsche Sprache lernen: "Die Geiselnehmer ermordeten ihre Geiseln, ohne mit der Wimper zu zucken." Becker, der den jungen Flüchtling aus Leichlingen seit Kurzem betreut, wandte sich empört an die Arbeitsagentur Bergisch-Gladbach. Der Sprachkurs gehört zum Programm "Perspektive für Flüchtlinge" der Agentur.

Keine Lehrmittel mehr aus dem Netz

Wie viele Flüchtlinge dem Lehrmaterial mit Gewalt- und Kriegsthemen ausgesetzt wurden, ist unklar. Mittlerweile kümmert sich die NRW-Regionaldirektion der Bundesarbeitsagentur um den Fall. Dort heißt es, der Träger des Deutschkurses - ein in Hennef beheimateter Verein - solle seine Lehrkräfte dazu anhalten, bei der Auswahl von Übungsmaterialien sensibler zu sein. Lehrmittel von der betreffenden Internetplattform dürfen nicht mehr benutzt werden.

Beim Traumazentrum für Flüchtlinge in Langenfeld weist man auf die negativen Auswirkungen solcher Materialien hin. Solche Sätze würden die erlebten Traumata verstärken und könnten ernste Folgen haben, sagt Murat Ozankan, Oberarzt an der Klinik des Landschaftsverbandes Rheinland.

Stand: 26.04.2017, 18:27