Prozess um Mord an fünf Kindern in Solingen

Prozess um Mord an fünf Kindern in Solingen 05:13 Min. Verfügbar bis 15.06.2022

Prozess um Mord an fünf Kindern in Solingen

Von Wolfram Lumpe

Seit Montag muss sich eine Mutter aus Solingen wegen fünffachen Kindesmordes vor Gericht verantworten. Sie soll fünf ihrer sechs Kinder getötet haben. Zum Prozessauftakt schwieg sie.

Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt im Interview

Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt im Interview

Das Wuppertaler Landgericht war belagert von Medienvertretern: Zeitungsjournalisten, Pressefotografen, Fernsehreporter – sie alle wollen über den spektakulären Prozess berichten. Der Fall hatte vor neun Monaten großes Aufsehen erregt und Betroffenheit in ganz Deutschland ausgelöst.

Vorwurf: Kinder einzeln erstickt

Eine junge Frau, damals 27 Jahre alt, soll im September fünf ihrer sechs Kinder getötet haben – heimtückisch, so die Staatsanwaltschaft. Sie soll die drei Mädchen und zwei Jungs im Alter zwischen eineinhalb und acht Jahren mit einem Medikamentencocktail in ihrem Frühstücksgetränk betäubt haben.

Solingen: Polizisten stehen vor einem ein Wohnhaus

Untersuchungen am Tatort

Anschließend habe die Frau laut Anklageschrift die Kinder einzeln geweckt, entkleidet und in der Badewanne ertränkt oder erstickt. Danach soll sie die Kinder in Handtücher gewickelt und wieder ins Kinderzimmer gelegt haben. Die Mutter habe die Kinder betäubt, um eine mögliche Gegenwehr zu verhindern, so die Staatsanwaltschaft.

Nur der elfjährige Sohn überlebte

Ihren mit elf Jahren ältesten Sohn habe die Angeklagte unter einem Vorwand aus der Schule geholt. Mit ihm sei sie dann per Bahn nach Düsseldorf gefahren, von wo aus der Junge zur Großmutter nach Mönchengladbach weitergefahren sei. Die Frau unternahm dann einen Suizid-Versuch, den sie schwer verletzt überlebte.

Der Sohn ist bei dem Prozess einer der Nebenkläger; es wird aber nicht erwartet, dass er als Zeuge in dem Verfahren aussagt.

Warum? Die Frage nach dem Motiv

Trauer nach Tod von fünf Kindern

Entsetzen und Trauer bei den Nachbarn

Im vorläufigen psychiatrischen Gutachten sei bei der Angeklagten "keine überdauernden Grunderkrankungen festgestellt worden", sagt Heribert Kaune-Gebhardt, der für den Fall zuständige Staatsanwalt. Ihr letzter Partner soll sie kurz vor der Tat verlassen haben - nur ein möglicher Tatauslöser.

Der "unbekannte Mann"

Die Frau selbst habe die Tat bisher bestritten. Ihrer Darstellung zufolge soll sie ein unbekannter Mann gefesselt und geknebelt haben, um dann die Kinder zu töten. Spuren in diese Richtung fanden die Ermittler nicht. "Vielmehr gab es aber Spuren, die das widerlegen", so der Staatsanwalt.

Keine Aussagen zum Prozessauftakt

Die angeklagte Mutter mit einem ihrer Verteidiger

Die angeklagte Mutter mit einem ihrer Verteidiger

Der Prozess begann am Montag (14.06.2021) unter klaren Sicherheitsvorkehrungen. Die Vernehmung von Zeugen ist für die ersten beiden Verhandlungstage noch nicht geplant. Einer der drei Verteidiger ließ verlauten, dass seine Mandantin noch nicht aussagen wolle. Sie selbst hörte der Verlesung der Anklage regungslos zu.
Für den Prozess vor der Schwurgerichtskammer sind zunächst elf Verhandlungstage bis Mitte August angesetzt.

Stand: 14.06.2021, 20:00