Brandanschlag in Solingen: Jugendlicher soll Molotow-Cocktail geworfen haben

Festnahme nach Brandanschlag in Solingen Lokalzeit Bergisches Land 22.10.2021 28:33 Min. Verfügbar bis 22.10.2022 WDR

Brandanschlag in Solingen: Jugendlicher soll Molotow-Cocktail geworfen haben

In Solingen war in der Nacht auf Mittwoch ein Brandsatz auf den Balkon eines Mehrfamilienhauses geworfen worden. Drei Tage später hat die Polizei zwei Tatverdächtige ermittelt. Bei ihnen handelt es sich um zwei Jugendliche (13 und 14 Jahre alt) aus Solingen. Zum Hintergrund der Tat wollten die Ermittler noch keine Angaben machen.

Der Ältere der beiden Jugendlichen steht im Verdacht, gegen 2 Uhr am Mittwochmorgen den Brandsatz auf den Balkon der deutsch-türkischen Familie geworfen zu haben. Die 48-jährige Mieterin hatte das entstandene Feuer mit ihren erwachsenen Kindern gelöscht. Dabei wurde sie leicht verletzt. Die Polizei hatte Ermittlungen wegen versuchten Mordes aufgenommen.

Der 14-Jährige war außerhalb von Solingen von einer Polizeistreife aufgegriffen worden und habe dabei zunächst vage Andeutungen über den Anschlag geäußert. Zum konkreten Tatvorwurf soll er geschwiegen haben. Sein jüngerer Begleiter in der Tatnacht soll ihn jedoch im Zusammenhang mit dem Brandanschlag in Solingen schwer belastet haben.

Polizei findet Mund-Nasen-Schutz mit Nazi-Symbolen

Gegen den 14-Jährigen wurde Haftbefehl erlassen, der jedoch außer Vollzug gesetzt wurde. Er wurde seiner Familie übergeben. Der Vorwurf des versuchten Mordes bleibe auch weiterhin bestehen, heißt es von Staatsanwaltschaft und Polizei.

In der Nähe des Tatorts hatten die Ermittler auf der Straße einen Mund-Nasen-Schutz mit SS-Runen und Hakenkreuz sichergestellt. Woher die Maske stammt und wem sie gehört, sei derzeit allerdings noch völlig unklar. Deswegen könne man auch das Motiv der Tat noch nicht abschließend bewerten.

Brandanschlag weckt Erinnerungen an 1993

In den Sozialen Netzwerken, unter anderem Twitter, hatte der Brandanschlag hohe Wellen geschlagen. Einige fühlten sich an den rechtsextremen Mord in Solingen im Mai 1993 erinnert. Damals starben fünf Türkinnen nach einem Brandanschlag, zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt. Die vier jugendlichen Täter waren zu langen Haftstrafen verurteilt worden.

Wegen des Anschlags am Mittwoch hat sich inzwischen auch das türkische Generalkonsulat eingeschaltet. Die Generalkonsularin hatte bereits die die Familie besucht.

Die beiden Jugendlichen, die in Solingen festgenommen wurden, sollen bereits zuvor im Umfeld des Hauses gezündelt haben. So bestehe der Verdacht, dass der 14-Jährige an einem Müllcontainer in der Nähe der Wohnung Feuer gelegt hatte.

Stand: 22.10.2021, 16:04