Missbrauchsvorwürfe gegen Arzt aus Solingen: Ein Jahr auf Bewährung

Ein Solinger Arzt ist wegen sexualisierter Gewalt an vier Patientinnen vom Landgericht Wuppertal zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden.

Nach Ansicht der Richter hat er in mindestens vier Fällen seine Patientinnen sexuell missbraucht. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm 28 Fälle vorgeworfen. Den Missbrauch soll der heute 55-Jährige in einem Zeitraum von fünf Jahren, zwischen 2012 und 2017, verübt haben. Ins Rollen kamen die Ermittlungen laut Staatsanwaltschaft dann im Herbst 2017.

Patientinnen gingen an die Öffentlichkeit

Damals habe eine Patientin Anzeige gegen den Arzt erstattet und über ihre Vorwürfe auch in den Sozialen Medien erzählt. Es folgten Medienberichte, die zu einer Vielzahl von Anzeigen weiterer Frauen führten. Insgesamt 21 Frauen soll sich der Mediziner in sexueller Absicht genähert haben, einigen von ihnen auch mehrfach.

Patientinnen leiden noch heute unter psychischen Problemen

So soll er unter anderem versucht haben, eine Patientin nach dem Abtasten der Brust zu küssen. Auch soll er sich an Patientinnen während der Behandlung gerieben haben. Die betroffenen Frauen leiden laut Gericht noch bis heute unter psychischen Problemen oder Schlafstörungen.

Verteidiger: Missverständnisse zwischen Arzt und Patientinnen

Bereits vor Prozessbeginn gab der Verteidiger des Arztes bekannt, dass sein Mandant vier Vorwürfe einräumen würde. Es seien "leichte Grenzüberschreitungen" gewesen. Der Hausarzt habe aus wirtschaftlichen Gründen auch physiotherapeutische Leistungen angeboten. Die mit körperlichem Kontakt verbunden seien. "Dabei können sich schnell Missverständnisse zwischen Arzt und Patientin einstellen," so der Verteidigung.

Ermahnung durch die Ärztekammer

Bereits nach den ersten beiden Taten habe es eine intensive Ermahnung der Ärztekammer gegeben, sagten die Richter. Dennoch habe der Arzt danach zwei weitere Frauen sexuell missbraucht und dabei sein Behandlungsverhältnis ausgenutzt. Danach sei ihm die Zulassung als Arzt entzogen worden. "Es ist nahezu ausgeschlossen, dass er sie sie wiederbekommt", sagte der Vorsitzende Richter im Prozess am Wuppertaler Landgericht. Drei Patientinnen, die vor Gericht als Nebenklägerinnen auftraten, zahlt der ehemalige Arzt je 5.000 Euro. Einer weiteren Klägerin vor dem Solinger Amtsgericht 3.000 Euro.

Keine Vorstrafen

Als strafmildernd machte das Gericht geltend, dass der ehemalige Arzt keine Vorstrafen hat. Bereits 2014 hatte die Staatsanwaltschaft gegen den Arzt ermittelt. Damals wurde das Verfahren jedoch aufgrund nicht ausreichender Beweise eingestellt.

(K)ein Einzelfall - Gewalt gegen Frauen WDR RheinBlick 26.11.2021 28:52 Min. Verfügbar bis 26.11.2022 WDR Online

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