Solarworld-Insolvenz belangt Ex-Vorstände

02:39 Min. Verfügbar bis 09.09.2023

Solarworld-Insolvenzverwalter fordert 731 Millionen Euro von Ex-Vorständen

Stand: 08.09.2022, 18:40 Uhr

Fünf Jahre läuft das Insolvenzverfahren der Bonner Solarworld, doch jetzt wird es ernst für fünf ehemalige Vorstandsmitglieder. 731 Millionen Euro fordert der Bonner Insolvenzverwalter Horst Piepenburg von ihnen, weil die Solarworld schon 2016 pleite gewesen sei, der Insolvenzantrag aber erst 2017 gestellt wurde. Vor dem Bonner Landgericht gab es Donnerstag zum Auftakt des Zivilverfahrens einen Gütetermin.

Von Tobias Al Shomer

Vier Vorstandsmitglieder erschienen zum Auftakt im Gerichtssaal mit einem Heer von Anwälten. Auch Solarworld-Firmengründer Frank Asbeck, einst Sonnenkönig genannt, ist gekommen. Zum Verfahren will er nichts sagen. Es geht um viel. Er wirkt angespannt, wie seine drei Kollegen.

Solarworld: kometenhafter Aufstieg und tiefer Fall

Die Pleite der Solarworld vollzog sich damals in mehreren Etappen. Gegründet im Jahr 1998 steigt der Bonner Sonnenenergie-Konzern zum Branchenprimus auf, expandiert international. Doch mit dem Aufstieg der Konkurrenz aus Fernost läuft es nicht mehr. Die Probleme werden immer größer. 2013 stand das Unternehmen schon kurz vor der Pleite. Nur durch einen Schuldenschnitt und den Einstieg eines Investors aus Qatar konnte die Insolvenz abgewendet werden.

Solarworld-Ex-Vorstand: Letzte Beratungen mit den Anwälten vor der Verhandlung.

Solarworld-Ex-Vorstand: Letzte Beratungen mit den Anwälten vor der Verhandlung.

Doch 2017 ist es so weit: Solarworld meldet Insolvenz an. Die Staatsanwaltschaft Bonn prüfte damals, ob sie ein Ermittlungsverfahren wegen Insolvenzverschleppung einleitet - das wäre eine Straftat gewesen. Doch die Ermittler sahen keinen Anfangsverdacht.

Nach der Insolvenz: Klagen gegen den Vorstand

Für den Solarworld-Vorstand war der Ärger damit aber nicht vorbei. Denn Straf- und Zivilverfahren müssen nicht identisch ablaufen, betont die Bonner Gerichtssprecherin Gerlind Keller. Als Beispiel nennt sie die Beweislast: Bei Insolvenzverschleppung ist sie im Zivilrecht anders als im Strafrecht. Der Insolvenzverwalter stützt seine Forderung darauf, dass bereits ab Sommer 2016 absehbar war, dass die Solarworld keine Perspektive mehr gehabt habe.

Mangelhafte Gutachten?

Die beklagten Vorstände verweisen auf zwei Gutachten von namehaften Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften, die vor der dann folgenden Pleite eine positive Fortführungs-Prognose belegt hätten. Doch der Insolvenzverwalter bewertet diese Gutachten nicht nur als mangelhaft, er stellt auch fest, dass den Vorstandsmitgliedern das bei der Durchsicht hätte klar sein müssen.

Eine Einigung gibt es beim Gütetermin am Donnerstag nicht. Im Gegenteil. Teilweise fliegen die Fetzen, Insolvenzverwalter und Ex-Vorstände giften sich vor Gericht an, machen sich gegenseitig Vorwürfe.

Bis in dem Verfahren ein Urteil gesprochen wird, scheint es noch ein langer Weg. Erst für Ende Februar kommenden Jahres hat der Richter einen neuen Termin angeordnet.

Über dieses Thema berichten wir am 08. September 2022 im WDR Fernsehen: Lokalzeit aus Bonn, 19:30 Uhr.