Düsseldorf: Eine Million Euro Soforthilfe nach Unwetter

Überschwemmungen in Düsseldorf Vennhausen

Düsseldorf: Eine Million Euro Soforthilfe nach Unwetter

Von Peter Hild

Die Stadt will die vom Hochwasser besonders betroffenen Stadtteile finanziell unterstützen. Mit einem Starkregen-Konzept will sich die Verwaltung für die Zukunft aufstellen.

Die Bezirksvertretungen in den betroffenen Stadtteilen sollen die Soforthilfe an die lokalen Stellen verteilen, sagte Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) am Dienstag. Sie wüssten am besten, wo die Gelder am dringendsten gebraucht würden.

Insgesamt hat sich die Hochwasserlage in der Stadt laut Keller mittlerweile stabilisiert. Die Aufräum- und Reparaturarbeiten werden nach seiner Einschätzung aber noch Monate dauern.

In der in Düsseldorf besonders betroffenen Ostparksiedlung wurde am Dienstag die Straßenbeleuchtung wieder instandgesetzt, die Busse und Bahnen der Rheinbahn können dort nun wieder nach Plan fahren.

Ausmaß der Umweltschäden noch unklar

Offen ist bislang noch, welche Umweltschäden die durch die Fluten beschädigten und ausgelaufenen Öl- und Benzintanks in vielen Kellern verursacht haben. "An vielen Stellen haben Spezialfahrzeuge des Umweltamtes verseuchtes Wasser bereits aufgesaugt", sagte der Leiter der Feuerwehr, David von der Lieth. Betroffene Flächen sollen aber nochmal genauer untersucht werden.

Das Unwetter im Rheinland - so sah es in Düsseldorf und Umgebung aus

Das Unwetter hat vielerorts in Düsseldorf, Erkrath und der Umgebung Bilder der Verwüstung zurückgelassen. Jetzt beginnen die Aufräumarbeiten in der Region.

Überschwemmungen in Düsseldorf Gerresheim

Besonders den Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim hat der Starkregen hart getroffen. Ganze Siedlungen standen hier unter Wasser.

Besonders den Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim hat der Starkregen hart getroffen. Ganze Siedlungen standen hier unter Wasser.

Straßen mussten wegen der Überschwemmungen gesperrt werden, so wie hier die B8 in Düsseldorf. Auch die A44 war betroffen.

Einsatzkräfte versuchten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag den Damm in der Düsseldorfer Ostparksiedlung zu sichern.

Der von der Feuerwehr errichtete Damm in der Ostparksiedlung konnte den Wassermassen jedoch nicht standhalten.

Eine Wohnsiedlung in Düsseldorf-Vennhausen am Donnerstagmorgen. Die Anwohner mussten lange auf die Feuerwehr warten.

Das Wasser hat die ganze Siedlung durchzogen. Viele Anwohner hatten ihre Häuser und Wohnungen zwischenzeitlich verlassen müssen.

Vennhausen – Hier stand das Wasser bis unter die Decke. Sicherungen und Stromzähler wurden vielerorts zerstört. Viele Anwohner hatten über Tage keinen Strom.

Im Düsseldorfer Stadtteil Kaiserswerth ist am Samstag eine Straße unterspült worden und abgesackt. Ein drei Meter tiefes Loch bleibt zurück. Wann die Alte Landstraße wieder freigegeben wird, ist unklar.

Die Sportanlage vom TV Grafenberg stand unter Wasser. Der Fußballplatz ist mittlerweile wieder halbwegs trocken – zurück bleiben Schlamm und Dreck.

Auch das Clubhaus des TV Grafenberg neben der Ostparksiedlung hat es hart getroffen. Wann hier wieder trainiert und Siege gefeiert werden können, ist unklar.

In der Kleingartenanlage Weidenau in Düsseldorf-Gerresheim ist die harte Arbeit vieler Kleingärtner in den Fluten zerstört worden.

Überflutete Straßenschilder und Fahrradständer lassen erahnen, dass hier einmal eine Straße war. Der überflutete Anleger der Rheinfähre in Meerbusch zeigt, wie weit sich der Fluss wegen des Unwetters ausgedehnt hat.

Hochwasser am Rhein – Der Dauerregen und das Unwetter haben auch den Rheinpegel steigen lassen. Der Fluss erreichte in Düsseldorf am Samstag den Höchststand von 7,60 Metern.

In Erkrath war der Stadtteil Alt-Erkrath stark überflutet. 600 Menschen konnten die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag nicht im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung verbringen.

Ein Auto, bis zum Dach im Wasser versunken, steht auf der überfluteten Morper Alle in Erkrath.

In Alt-Erkrath liefen viele Keller und Garagen voll.

Obwohl ihn das Unwetter kalt erwischt hat, strampelt ein Radfahrer in Erkrath tapfer weiter.

Nach dem Starkregen mussten in Erkrath unzählige Keller ausgepumpt, Sandsäcke abgetragen und zerstörtes Hab und Gut aus den überfluteten Räumen geräumt werden. Am Freitag sammmelte sich in Alt-Erkrath das Sperrgut.

Durchnässter Hausrat, alte Fotoalben, zerstörte Geräte: All das türmt sich nach dem Unwetter schlammbedeckt auf den Straßen in Düsseldorf.

Die Aufräumarbeiten in Düsseldorf laufen noch – allein am Wochenende hat die Awista rund 350 Tonnen Sperrmüll eingesammelt.

Auch in Ratingen in der Siedlung am Grünen See stapelte sich massenweise zerstörtes Hab und Gut der Anwohner. Auch hier waren die Aufräumarbeiten zum Wochenanfang noch in vollem Gange.

In der Debatte um eine rechtzeitige Alarmierung der Anwohner sieht die Stadt kaum Fehler bei sich. Die Feuerwehr habe bereits einen Tag vorher über die sozialen Netzwerke vor dem Unwetter gewarnt. Außerdem habe die Stadt über die NINA-Warn-App und dann vor Ort mit Lautsprecherwagen die Betroffenen mit konkreten Infos versorgt.

Stadt arbeitet an Starkregen-Konzept

Eine überflutete Straße in Düsseldorf

Ganze Straßen mussten wegen Überflutungen gesperrt werden

Als Folge des Hochwassers will Düsseldorf an einem Starkregen-Konzept arbeiten, deren Grundlagen am Dienstag vorgestellt wurden. Demnach will die Stadt vor allem mehr Flächen schaffen, auf die Wassermassen im Ernstfall abfließen können.

Dafür will sie speziell in der Nähe von Gewässern nach Flächen suchen, auf denen Wassermengen weniger Schäden anrichten als in Wohngebieten - etwa Äcker oder Sportplätze.

Außerdem sollen Flüsse und Bäche renaturiert werden, damit sich das Wasser besser verteilen kann als in kanalisierten Flussbetten, wie zum Teil an der Düssel. Die Stadt will aber auch umliegende Kommunen einbinden: "Viele kleinere Flüsse entspringen ja im Umland, wo andere Städte im Ernstfall auch schon früher eingreifen könnten, damit nicht die volle Wucht einer Hochwasserwelle bei uns ankommt", meint Dorothée Schneider, die für den Stadtentwässerungsbetrieb zuständig ist.

Um früher vor einem drohenden Hochwasser informiert zu sein, will Düsseldorf deshalb mit anderen Städten mehr Pegelmessstellen an kleinen Flüssen einrichten, um schneller als bisher Schutzmaßnahmen treffen zu können.

Stand: 20.07.2021, 18:59