Sitzungskarneval blickt ehrgeizig auf neue Session

Archivbild: Karnevalssitzung vor der Pandemie

Sitzungskarneval blickt ehrgeizig auf neue Session

Von Jochen Hilgers

Ab dem 11.11. wird in Köln und Umgebung wieder gefeiert, je nach Veranstaltung unter 2G oder 3G-Regeln. Doch was wird das für eine Session? Die Ideen und Vorstellungen in der Region sind sehr unterschiedlich.

Zu Gast beim Vorstand der KG Knollebuure Blatzheim im gleichnamigen Ortsteil von Kerpen. Präsident Michael Lux und der 1. Vorsitzende Hans-Peter Schneppenheim haben das Programm ihrer Session bereits fertig geplant. So wie vor zwei Jahren soll es am 20. November im Festzelt von Blatzheim zugehen: Sessionseröffnung vor 1900 Jecken mit den besten Bands der Karnevalsszene - zum Beispiel Brings, Paveier oder Kasalla und vielen mehr.

So ein komprimiertes Spitzenprogramm sei selbst auf Kölner Bühnen selten, sagt Hans-Peter Schneppenheim. Der Präsident Michael Lux ergänzt, die Menschen würden jetzt nach der harten Corona-Zeit das Brauchtum besonders brauchen. „Wir müssen wieder zusammensitzen und mal ein Bier trinken“, sagt er. In Kerpen wird es ein Dreigestirn geben, sagen die Knollebuure. Kindersitzung, Umzug und kölsche Mess sind in der Vorbereitung für das Karnevalswochenende im Februar. Karneval wie immer also. Fast.

In Köln-Niehl viele Karnevalsveranstaltungen draußen

Karl-Heinz Köckeritz, der Ehrenvorsitzende der Interessengemeinschaft Niehler Karneval, ist dagegen noch sehr skeptisch, wenn er an die kommende Session denkt. Köckeritz ist Wirt der Gaststätte im Linkewitz, Treff der Karnevalisten in Köln-Niehl. Ein eigenes Dreigestirn und die dazugehörige Prinzenproklamation wird es im Kölner Norden geben. Viele Veranstaltungen sollen aber draußen stattfinden. Man wolle mit Musikbands durch die Straßen ziehen und vor den Kneipen spielen, erklärt Köckeritz. "Damit nehmen wir auch die  Menschen musikalisch und karnevalistisch mit, die nicht vor die Tür wollen und vom Fenster aus zuschauen."

Karl-Heinz Köckeritz will im Februar ein Karnevalsevent der besonderen Art am Rheinufer organisieren, das draußen und somit bestimmt sicher stattfinden kann. Er will Stadtgeschichte nacherzählen: 1926 kenterte ein Lastkahn auf Höhe der Kölner Südbrücke. Tausend Liter große Weinfässer trieben auf dem Rhein und wurden von den Niehler Fischern geborgen. Was folgte, war die größte Party aller Zeiten in Niehl, erzählt Köckeritz. Die gelte es nachzufeiern an einem rheinischen Abend.

Bands und Redner mit vollen Terminkalendern

Im herrlichsten Sonnenschein stellte die älteste Karnevalsgesellschaft Kölns, die Große von 1823 am Donnerstag ihr Programm für die Sessionseröffnung am 11.11. im Tanzbrunnen vor. 10.000 Menschen werden kommen, das bedeutet 80 Prozent Auslastung. Horst Müller, Chef der größten rheinischen Karnevals-Künstleragentur hat in den vergangenen Monaten wieder zahlreiche Buchungen bekommen. Er organisiert rund 450 Sitzungen. 80 Prozent der Sitzungen aus der Vor-Corona-Zeit werden wieder stattfinden, schätzt der erfahrene Künstleragent.

Nach dem Totalausfall in der vergangenen Session merken auch die Bands und die Redner eine deutliche Erholung. Bei vielen ist der Terminkalender wieder voll. Auch bei Brings. Wenngleich Stephan Brings dem Frieden noch nicht trauen will. "Wenn im Winter viele Veranstaltungen wieder in Sälen stattfinden, kann sich das Virus wieder leichter verbreiten", so der Musiker. Stephan Brings rät deshalb dringend zur Impfung. Ob de Knollebuure, die Niehler Karnevalisten oder die Große von 1823 - alle teilen den rheinischen Optimismus.

Stand: 23.09.2021, 16:22