70 Jahre Grundgesetz – Die Mütter des Grundgesetzes

Die "Mütter" des Grundgesetzes (von links): Friederike Nadig (SPD), Helene Weber (CDU), Helene Wessel (Zentrum) und Elisabeth Selbert (SPD).

70 Jahre Grundgesetz – Die Mütter des Grundgesetzes

Von Jörg Sauerwein

  • Grundgesetz wird 70
  • Gleichberechtigung war ein wichtiger Punkt
  • Vier Politikerinnen übten großen Einfluss auf das Thema aus

Im Parlamentarischen Rat, der vor 70 Jahren das Grundgesetz formuliert hat, waren auch vier Frauen vertreten. Eine kleine Gruppe, die aber das Grundgesetz in einigen Punkten ganz wesentlich beeinflusst hat.

Ohne die vier Frauen, die inzwischen als die "Mütter des Grundgesetzes" bezeichnet werden, wäre es dazu in dieser Form nicht gekommen.

70 Jahre Grundgesetz – Deutschland feiert Geburtstag neuneinhalb 19.05.2019 09:31 Min. UT Verfügbar bis 19.05.2024 KiKa

Gleichberechtigung in den Anfängen

65 Abgeordnete hatte der Parlamentarische Rat, der ab dem Herbst 1948 das Grundgesetz erarbeiten sollte. Obwohl es nach dem Krieg mehr Frauen als Männer in Deutschland gab, waren nur vier Frauen unter den Abgeordneten.

Während viele Jahre später oft von den Vätern des Grundgesetzes gesprochen wurde, waren Helene Weber von der CDU, Helene Wessel von der Zentrumspartei sowie Elisabeth Selbert und Frieda Nadig von der SPD also die Mütter des Grundgesetzes. Die es bei ihrer Arbeit allerdings nicht leicht hatten. Denn viele Männer waren längst nicht immer überzeugt von dem, was die Frauen da ins Grundgesetz einbringen wollten. Vor allem das Thema Gleichberechtigung war lange umstritten.

Ein mühsamer Weg

Mehrfach scheiterten die Abstimmungen über die Gleichberechtigung. Elisabeth Selbert überzeugte aber nicht nur die anderen drei Frauen, sondern auch andere Abgeordnete im Rat und mobilisierte Frauenrechtsorganisationen.

Und schließlich stand es fest: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" – dieser Satz und der damit verbundene Auftrag an den Staat, dieses Recht auch durchzusetzen, schaffte es ins Grundgesetz.

Aus heutiger Sicht ist in Sachen Gleichberechtigung sicherlich schon viel passiert, in einem Punkt aber können die Frauen immer noch nicht zufrieden sein. "Es dürfe künftig keine Frauenlöhne mehr geben", kritisierte Frieda Nadig 1949 nur wenige Monate nach dem Erlass des Grundgesetzes. Denn damit sei künftig auch die soziale und wirtschaftliche Gleichstellung der Frau wichtig.

Ein großer Unterschied

"Auch wenn nur vier Frauen unter den insgesamt 65 Abgeordneten waren, die das Grundgesetz schufen, so ist deren Einfluss trotzdem deutlich zu erkennen", sagt die Bonner Politikwissenschaftlerin Julia Reuschenbach. Unser Grundgesetz wäre wohl ein anderes ohne die Mütter des Grundgesetzes.

Grundgesetzland

WDR 3 Hörspiel 19.05.2019 53:20 Min. Verfügbar bis 18.05.2020 WDR 3 Von Paul Brody

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Stand: 22.05.2019, 09:57