Sicherheit an Karneval: Polizei im Dauereinsatz

Ein Polizist bewacht den Rosenmontagszug in Düsseldorf

Sicherheit an Karneval: Polizei im Dauereinsatz

  • Karneval: Deutlich weniger Anzeigen als im Vorjahr
  • Zwei schwere Unfälle in Köln
  • Kölner Polizei ermittelt im Fall einer mutmaßlichen Vergewaltigung

Hunderttausende Jecken feierten in Köln und Düsseldorf den Straßenkarneval. Die Polizei war im Dauereinsatz, verzeichnete aber deutlich weniger Straftaten. "Tatsächlich konnten wir bei kriminellen Straftaten einen offensichtlichen Rückgang beobachten", sagte Christoph Schulte von der Kölner Polizei am Veilchendienstag (25.02.2020).

So nahmen die Beamten von Rosenmontag sechs Uhr bis Dienstag sechs Uhr 169 Anzeigen auf, im Vorjahr waren es mit 261 deutlich mehr. Die positive Bilanz betreffe durchweg alle Arten von Straftaten – von Sachbeschädigung über Taschendiebstähle bis zu Sexualdelikten.

Karneval katastrophal: Die Schattenseiten der tollen Tage

Von Jörn Kießler

Karneval wäre nicht Karneval, gäbe es nicht Bützje, Strüßjer und Kamelle. Leider hat das jecke Treiben aber auch ein paar Schattenseiten wie Volltrunkene, Wildpinkler und tonnenweise Müll.

Ein als Tiger verkleideter Mann steht betrunken an einem Tisch vor einem leeren Schnapsglas und einer Bierdose

Genau wie Helau und Alaaf untrennbar mit dem Karneval verbunden sind, will auch kein Jeck in Köln auf sein Kölsch oder in Düsseldorf auf sein Alt verzichten. Soll er oder sie auch gar nicht. Das ein oder andere Mal schauen die Karnevalisten dabei aber ein bisschen zu tief in Glas.

Genau wie Helau und Alaaf untrennbar mit dem Karneval verbunden sind, will auch kein Jeck in Köln auf sein Kölsch oder in Düsseldorf auf sein Alt verzichten. Soll er oder sie auch gar nicht. Das ein oder andere Mal schauen die Karnevalisten dabei aber ein bisschen zu tief in Glas.

Während die einen sich mit dem Alkohol einfach nur selbst außer Gefecht setzen und nicht mehr wirklich "fiere" können, ...

... schlägt bei anderen die Stimmung von fröhlich zu aggressiv um: Sie suchen Streit mit anderen Jecken. Allein an Weiberfastnacht erhob die Kölner Polizei 156 Strafanzeigen wegen Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung.

Ärgerlich auch für die Karnevalisten, die umweltfreundlich mit dem Rad unterwegs waren, so wie hier auf den Kölner Ringen.

Kein Wunder, dass an diesem Tag mehr als 1.000 Beamte im Einsatz war. Zu Recht: Am Karnevalsfreitag und -samstag kam es am Zülpicher Platz mehrfach zu Gewaltdelikten, als sich hunderte Jugendliche dort betranken.

Trotz des Großaufgebots der Polizei musste auch das Ordnungsamt immer mal wieder Amtshilfe leisten und sich um aggressive Feierwütige kümmern. Dieser hier hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht und sich verkleidet.

Der Großteil der Betrunkenen wurde jedoch nicht durch aggressives Verhalten auffällig. Stattdessen beschäftigten sie ihre Freunde, für die das jecke Treiben dann oft auch vorbei war.

Umso löblicher, wenn ein Jeck erkennt, wann er zu viel getrunken hat und rechtzeitig gegensteuert. Zum Beispiel mit einer herzhaften Currywurst mit Pommes - natürlich "rut un wiess" - wie dieser Schotte.

Allgegenwärtig ist an den tollen Tagen auch, wie viel Müll gerade durch den Straßenkarneval entsteht. Allein in Köln kommen so jedes Jahr etwa 400 Tonnen Abfall zusammen.

Vieles davon landet nicht an Orten, die dafür vorgesehen sind, wie hier in einem Gully.

Zugegeben, nach einer gewissen Zeit ist es vor allem in den Zentren der Karnevalshochburgen nicht einfach, einen Mülleimer zu finden, in den noch etwas hinein passt.

Also werden die leeren Getränkedosen, aus denen wegen des Glasverbots unter anderem in der Kölner und Düsseldorfer Altstadt getrunken wird, einfach auf die Mülltonnen gestellt.

Die scherbenfreien Feiermeile freut zumindest die Flaschensammler: Für eine Bierflasche gibt es 8 Cent Pfand, für eine Dose 25 Cent.

Ein weiterer Nachteil des erhöhten Bierkonsums: Die Blase drückt. Und auch beim Pinkeln ist jeder Jeck anders. Die einen halten ein, bis sie eine Toilette gefunden haben, die anderen erleichtern sich einfach in einem Hauseingang, wie diese beiden jungen Männer (Archivbild).

Die Ausrede, es würde nicht genug Toiletten geben, galt in diesem Jahr in Köln definitiv nicht.

Mehrere Schlägereien am Zülpicher Platz

Die Polizei war in Köln an Weiberfastnacht, am Karnevalssonntag und am Rosenmontag mit je 1.000 Beamten mehr als sonst unterwegs. "Wir sind frühzeitig eingeschritten – und haben Jecken aussortiert, die Streit gesucht oder gezielt Straftaten geplant haben", erklärt Schulte.

Der Zülpicher Platz musste nach Schlägereien von bis zu 500 Menschen mehrfach geräumt werden. Dort hatten kleine Schlägertrupps, meist unverkleidete Jugendliche, bewusst alkoholisierte Karnevalisten provoziert und verprügelt. Die Polizei spricht von einem neuen Phänomen unter Jugendlichen.

Zwei schwere Unfälle in Köln

Außerdem gab es in Köln zwei schwere Unfälle: Am Barbarossaplatz war eine 20-jährige Frau aus Dortmund zwischen zwei aneinandergekoppelten Straßenbahnwagen ins Gleisbett gelaufen und wurde von der anfahrenden Bahn tödlich verletzt.

Bereits am Donnerstagabend war eine 29-Jährige am Bahnhof Köln-Ehrenfeld ins Gleis gestürzt und von einem Zug überrollt worden. Zeugen berichteten, dass die junge Frau torkelnd in die Gleise gefallen sei, so eine Sprecherin der Bundespolizei.

"Außerdem ermitteln wir zurzeit noch gegen zwei Männer, die in einem Hotelzimmer eine Frau vergewaltigt haben sollen", sagt Christoph Schulte.

Vielfältiges Sicherheitskonzept ist in Düsseldorf aufgegangen

In Düsseldorf verliefen die Karnevalstage lebhaft, aber ohne besondere Vorkommnisse: "Wir hatten ähnlich viele Einsätze wie im letzten Jahr – an Weiberfastnacht etwas mehr, am Rosenmontag etwas weniger", sagt André Hartwich von der Polizei Düsseldorf.

"Das Sicherheitskonzept ist aufgegangen", erklärt Hartwich. In der Düsseldorfer Altstadt gab es eine Glasverbotszone, eine Platzverweiszone und Videobeobachtung. "Wir haben viel Präsenz gezeigt und Gefährder frühzeitig angesprochen", so Hartwich.

Stand: 25.02.2020, 16:49