Übergriff im Fanzug: Justiz räumt Fehler ein

Übergriff im Fanzug: Justiz räumt Fehler ein

  • 19-Jährige soll auf der Zugtoilette vergewaltigt worden sein
  • Tatverdächtiger war bereits wegen Vergewaltigung verurteilt
  • Zuständige Justizbehörde räumt Fehler ein

Nach dem mutmaßlichen sexuellen Missbrauch einer 19-Jährigen in einem Sonderzug mit Mönchengladbach-Fans hat sich herausgestellt, dass der Verdächtige bereits wegen einer anderen Vergewaltigung rechtskräftig verurteilt war. Das Urteil gegen ihn - eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten - erging Ende November 2017.

Gericht räumt Fehler ein

Dass der Mann trotz des Urteils noch nicht in Haft saß, bezeichnete die zuständige Behörde am Dienstag (17.04.2018) als Fehler. "Nach vorläufiger Bewertung dieser Abläufe wurden bei der Bearbeitung der Akte durch das Amtsgericht falsche Prioritäten gesetzt", erklärte das Landgericht Mönchengladbach.

Demnach hätte das Amtsgericht die Akte bereits im Januar bei der Staatsanwaltschaft vorlegen sollen, um die Vollstreckung des Urteils zu ermöglichen. Die Prüfung von angemeldeten Anwaltskosten und auch die Bearbeitung eines Opferentschädigungsantrages hätten zurückgestellt werden sollen.

Tatverdächtiger stellte sich

Der 30-jährige Verdächtige soll die 19-Jährige auf der Rückreise vom Spiel Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach in dem Fan-Zug missbraucht haben. Er soll in den kommenden Tagen vernommen werden.

Am Montag (16.04.2018) hatte er sich in der JVA Moers-Kapellen gemeldet, um eine mehrmonatige Haftstrafe wegen Körperverletzung anzutreten. Zudem hatte sein Anwalt bei der Polizei angekündigt, dass sich der 30-Jährige zu den aktuellen Vorwürfen äußern wolle.

19-Jährige rief ihre Eltern an

Nach Angaben der Bundespolizei hatte sich die 19-Jährige in der Nacht zum Sonntag gegen 02:00 Uhr aus dem Zug bei ihren Eltern gemeldet. Daraufhin holte die Polizei sie an einem Bahnhof nahe Frankfurt a. M. ab. Sie wurde in eine Klinik in Wiesbaden gebracht. Einzelheiten zur ersten Befragung der Frau machte die Polizei nicht.

Kontrolle an allen Bahnhöfen

Sonderzug auf dem Bahnhof von Mönchengladbach.

Der Sonderzug auf dem Bahnhof von Mönchengladbach

Zudem überprüfte die Bundespolizei die aussteigenden Gladbach-Fans an allen weiteren Haltebahnhöfen. Der Großteil fuhr jedoch bis Mönchengladbach, wo von allen die Personalien aufgenommen wurden und die Polizei Fotos machte.

Der mutmaßliche Täter konnte identifiziert werden, weil ein Zug-Ordner den Mann fotografierte nachdem er ihn zusammen mit der Frau gesehen hatte. Beamte aus Mönchengladbach erkannten den polizeibekannten Deutsch-Polen.

Verein sagt Hilfe zu

Borussia Mönchengladbachs Geschäftsführer Stephan Schippers appellierte an alle Fans und Mitglieder, solchem Verhalten die rote Karte zu zeigen. Außerdem sicherte der Verein der 19-Jährigen über seine Stiftung finanzielle Hilfe zu.

Vergewaltigungsverdacht im Fanzug: "Entsetzlich, was da passiert ist"

WDR 2 | 16.04.2018 | 03:19 Min.

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Stand: 17.04.2018, 19:26