Mord an Claudia Ruf: Hohe Beteiligung an DNA-Massentest

Mord an Claudia Ruf: Hohe Beteiligung an DNA-Massentest

Von Christoph Hensgen/Jochen Hilgers

  • Fall Claudia Ruf nach 23 Jahren vor Aufklärung?
  • 675 Männer beteiligten sich schon am DNA-Massentest
  • Insgesamt rund 800 Männer aufgerufen

Der DNA-Massentest bei hunderten Männern aus Hemmerden, einem Ortsteil von Grevenbroich, hat begonnen. Die Resonanz verblüffte am Wochenende (23./24.11.2019) sogar die Mordkommission. Bis zum Sonntagabend hatten insgesamt 675 Männer ihre Speichelprobe in der Grundschule im Ortsteil Hemmerden abgegeben, wie die Polizei mitteilte. 800 Männer waren eingeladen worden.

Letzte Hoffnung für Aufklärung

Es ist die wahrscheinlich letzte Hoffnung der Ermittler, den Sexualmord an der elfjährigen Claudia Ruf nach 23 Jahren noch aufzuklären. Die Mordkommission vermutet den Täter mittlerweile im Grevenbroicher Ortsteil Hemmerden, da wo das Mädchen 1996 lebte und verschwand. Sie war damals ermordet im Kreis Euskirchen aufgefunden worden.

Daher sind dort hunderte Männer, die zum Tatzeitpunkt zwischen 14 und 70 Jahre alt waren, zur Abgabe einer Speichelprobe aufgerufen. Nächstes Wochenende haben die Männer erneut die Gelegenheit, am Massentest teilzunehmen.

Ermittler setzen auf Beinahetreffer

Die sich abzeichnende hohe Akzeptanz ist für die Polizei enorm wichtig. Je mehr Männer sich beteiligen, desto größer ist die Chance, den Täter nach 23 Jahren doch noch zu überführen. 

Bei einem Mann wird eine Speichelprobe genommen

Etwa 870 Männer sollen eine Speichelprobe abgeben

Ein Ergebnis des DNA-Massentests wird in zwei bis drei Monaten erwartet. Sorgen, dass ihre Speichelprobe in einer Datenbank landet, müssen sich die betroffenen Männer nicht machen. Die Polizei versichert, dass alle Proben nach dem Test vernichtet werden.

Datenbank wird nicht aufgebaut

Beim LKA in Düsseldorf bereiten die Ermittler schon die Auswertung des DNA-Massentests vor. Es gibt eine wichtige Gesetzesänderung. DNA-Experte Dirk Porstendörfer und seine Männer dürfen im Labor jetzt auch so genannte Beinahetreffer verwerten und an die Beamten der Mordkommission weitergeben. 

Beinahetreffer, die über den Verwandtschaftsgrad den entscheidenden Hinweis zum Täter geben können. "In meinen 20 Berufsjahren habe ich schon zwei oder drei solcher Beinahetreffer gehabt – musste das aber für mich behalten", sagt Porstendörfer.

Stand: 24.11.2019, 19:44